Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Karin Graf?

Seit dem 6. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2022 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet die Literaturagentin Karin Graf unseren „anderen“ Fragebogen:

Karin Graf: „Nichts mehr lesen in 2022 möchte ich vom Mainstream, in welcher Verkleidung auch immer, nach dem sich die Kunst angeblich richten soll, um rezipiert zu werden. Kunst, auch Literatur, muss innovativ sein, anecken und Grenzen sprengen, um zu wirken und die Menschen zu bewegen“ (c) Julia Zierer

Welcher Tag war der schönste für Sie in diesem Jahr?

Ich tue mich immer schwer mit Superlativen, bin auch keine Gipfelstürmerin, aber in diesem Jahr denke ich besonders gerne an die wenigen Reisen, an einer Hand abzählbar, die ich mit meinem Mann unternehmen konnte.

Worüber haben Sie sich 2021 am meisten geärgert?
Über Trägheit und Ignoranz, mangelnde Fantasie und fehlenden Mut, deren es bedurft hätte, um den Schwierigkeiten zu begegnen, die es Pandemie bedingt in der Branche gab und leider immer noch gibt.

Was war 2021 Ihr schönster Erfolg?
Das waren sicherlich die 34 mit Preisen ausgezeichneten Autorinnen und Autoren der Agentur.

Und Ihr traurigster Misserfolg war?
Dass ich zwei Romane, die mir sehr am Herzen lagen, nicht unterbringen konnte.

Ihre schönste Buchhandlung in diesem Jahr?
Die Buchhandlungen in der Charlottenburger Nachbarschaft der Agentur, allen voran natürlich die regen Geistesblüten am Walter-Benjamin-Platz, dann Marga Schoeller, die Autorenbuchhandlung, die Buchhandlung Winter und der Bücherbogen.

Von welchem Thema wollen Sie im kommenden Jahr nichts mehr lesen?
Vom Mainstream, in welcher Verkleidung auch immer, nach dem sich die Kunst angeblich richten soll, um rezipiert zu werden. Kunst, auch Literatur, muss innovativ sein, anecken und Grenzen sprengen, um zu wirken und die Menschen zu bewegen.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Über alle Themen, die den Horizont erweitern.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Dass ich die Latte für mich und alle anderen um mich herum nicht zu hoch lege.

Und welchen Fehler würden Sie trotzdem wiederholen?
Ich werde es weitermachen, weil ich es mein ganzes Leben gemacht habe und mich wahrscheinlich nicht mehr ändere.

Welches Buch hat Ihnen dieses Jahr besonders viel Freude gemacht?
Natürlich Antje Strubels mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneter Roman „Blaue Frau“.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Der neue Roman von Péter Nádas mit dem Titel „Schauergeschichten“, der zu seinem 80. Geburtstag im Oktober 2022 erscheinen wird.

Von wem würden Sie gerne noch einmal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von dem Verleger, Kurator und Ausstellungsmacher Gerhard Steidl.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gerne beantwortet?
Die, ob mir meine Arbeite als Agentin nach über 25 Jahren noch Freude macht.

Hier können Sie die auch beantworten:
Ja.

Gestern beantwortete Bettina Breitling unseren „anderen“ Fragebogen, morgen fragen wir Anne-Mette Noack.

 

 

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.