Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Jan Weitendorf von Hacht?

Seit dem 6. Dezember 2020 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2021 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Jan Weitendorf von Hacht (W1 Media) unseren „anderen“ Fragebogen:

Jan Weitendorf von Hacht: „Ich bin den vielen kleineren und mittleren Buchhandlungen so sehr dankbar für die tolle Reaktion auf den Lockdown und die Zeit danach! Ich habe mit vielen gesprochen, die bessere Umsätze vorweisen konnten, als vor dem Lockdown und es hat sich gezeigt, dass das Lokalkolorit wieder einen Wert darstellt.  Ich wünsche mir, dass die Kunden diese Wertschätzung beibehalten. Nur so kann der deutsche Buchhandel aufrechterhalten werden“

Welcher Tag war Ihr schönster im letzten Jahr?

Auch wenn das Jahr von Corona überschattet wurde, waren viele schöne Tage dabei.  Beruflich waren es die Anlieferungen unserer ersten Bücher vom von Hacht Verlag und vom neuen Imprint Arctis in den USA sowie der Tag des Starts unserer Scouting Agentur in den USA.

Privat waren es die Sonnentage in Australien, als wir die Orte der Kindheit meiner Frau Rebecca besuchten.

Worüber haben Sie sich 2020 am meisten geärgert?

Über die selbstherrliche Ignoranz und Arroganz von Donald Trump und über viele Berater der Branche, die den Verlagen immer wieder erzählen wollen, was sie anders machen sollten oder was sie falsch machen – ohne je einen eigenen Verlag geführt zu haben. Das sind häufig Träumer, die keine Ahnung davon haben, welche Kosten-/Nutzenstrukturen ein Verlag hat und welcher Luxus es ist, wenn ein Verlag sich auf digitale Investitionen konzentrieren kann oder die Zeit hat, sich mit Führungsansätzen auseinander zu setzen, die aus fernen Ländern importiert werden sollten.

Was war 2020 Ihr schönster Erfolg?

Die hervorragende Akzeptanz unserer neuen Programme – vor allem bei ARCHE mit den neuen CO2 neutral und naturschonend produzierten Kalendern, aber auch bei unserem neuen Verlag von Hacht Verlag, den meine Frau mit einem phantastischen Gespür aufbaut – und natürlich die unglaublich fantasievollen Bücher bei WooW Books von „Johan Egerkranz“ und „Lisa Aisato“, die ich beide als Illustrator*in anhimmle.  Auch das Hörbuch des Jahres für HörCompany war eine Bestätigung der hervorragenden Arbeit von Angelika Schaack und ihrem Team – nicht zu vergessen Kuhlmann bei NordSüd, der in einer eigenen Liga spielt…

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Zu Anfang des Corona-Lockdown im März hatten wir gerade einige Novitäten ausgeliefert, die dadurch vollkommen aus dem Fokus gefallen sind.  Darunter waren Bücher wie „Im Zeichen der Acht“ von Benjamin Lebert, die aus meiner Sicht viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten – in diesem Fall: weil sie Lesemuffel im Alter von 14 Jahren + abholen und für Literatur öffnen können.

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag im letzten Jahr?

Ich möchte keine Buchhandlung hervorheben – aber ich bin den vielen kleineren und mittleren Buchhandlungen so sehr dankbar für die tolle Reaktion auf den Lockdown und die Zeit danach! Ich habe mit vielen gesprochen, die bessere Umsätze vorweisen konnten, als vor dem Lockdown und es hat sich gezeigt, dass das Lokalkolorit wieder einen Wert darstellt.  Ich wünsche mir, dass die Kunden diese Wertschätzung beibehalten. Nur so kann der deutsche Buchhandel aufrechterhalten werden.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

Von rechten Parteien in Polen oder Ungarn und vom Brexit – ich bin der Meinung (und das sage ich auch vor dem Hintergrund, dass ich mit einer Britin / Australierin verheiratet bin), dass die Engländer ihren eigenen Weg gehen müssen, da sie in der Vergangenheit festhängen (Commonweath).

Wir benötigen ein geeintes Europa ohne Verhinderer – nur so können wir dauerhaft Frieden garantieren.

Und ich wünschte mir, dass diese ganzen digitalen Negativisten und Verschwörungstheoretiker sich ihrer wahren Verantwortung bewusst würden – und wenn das nicht passiert, dass die Masse tatsächlich Paroli bietet. Wehret den Anfängen…

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Vom Rückgang der Infektionen mit dem Corona Virus.

Aber auch davon, dass einerseits Firmen, die bisher keine Steuern in Deutschland gezahlt haben, wie zum Beispiel Amazon, endlich diesen Vorteil gegenüber den vielen Einzelhändlern in unserem Lande abgesprochen bekommen.

Und ich möchte davon lesen, dass die Preisbindung reformiert wurde und kein Händler über 50% Rabatt erhalten darf, auch dann nicht, wenn er eine Einkaufsgemeinschaft mit anderen Buchhändlern gegründet hat.

Welchen Fehler aus dem letzten Jahr möchten Sie im neuen Jahr vermeiden?

Ich möchte weniger arbeiten und mehr genießen.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Ich werde wieder zu viel arbeiten – aber diesmal auch aus der Ferne!

Welches Buch hat Ihnen im letzten Jahr besonders viel Freude gemacht?

Das Buch meines guten Freundes Peter Spans, der einen wirklich schwarzen Humor hat, der in seinen Büchern und Drehbüchern hervorragend herauskommt.  Eigentlich ist er Filmemacher und wir wollten zusammen einige Filme umsetzen, die aber bei der Filmförderung nicht berücksichtigt wurden, da dort nur Produzenten berücksichtigt werden, die bereits ein Publikum haben. Sein Buch Von Herzen ist bei Atrium erschienen und mein persönlicher Favorit.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Es gibt eine wichtigste Autorin im neuen Jahr und das ist Siri Pettersen, die gleich mit zwei wichtigsten Büchern kommen wird.  Mit dem neuen Buch bei Arctis „Eisenwolf“ aus der neuen Serie „Vardari“ wird sie in Deutschland starten.  In den USA werden wir parallel bei Arctis ihren ersten Titel „Odins Child“ aus der „Rabenringe-Trilogie“ herausbringen.  Beides richtig starke Kracher.

Außerdem kommen bei von Hacht zwei Titel von „Isabelle Simler“:  „Süße Träumer“ und „meine wilde Katze“, die Bestsellerpotential haben.

Bei Arche ist es „Margarita Liberaki“ mit „Drei Sommer“ und sehr stolz sind wir auf die neue Serie von „Anne Holt“, die im Herbst bei Atrium starten wird.

Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Rebecca Weitendorf von Hacht, Gabriele Swiderski, Angelika Schaack, Bodo Horn Rumold

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Wem, außer dem Buchhandel, danken Sie besonders für den Einsatz in 2020?

Hier können Sie die auch beantworten:

Außer dem Buchhandel, der uns in diesem Jahr unglaublich unterstützt hat und dafür verantwortlich ist, dass wir in 2020 unseren geplanten Umsatzanstieg erreicht haben, geht mein besonderer Dank an alle unsere Mitarbeiter der W1-Media angeschlossenen Verlage!  Das sind die 30 Kolleg*innen von Jumbo, die 11 Kolleg*innen von NordSüd, unsere 6 Kolleg*innen aus den USA , die drei Kolleg*innen von HörCompany, die 4 Kolleg*innen unseres Vertriebspartners BW BücherWege und die 20 Kolleg*innen der W1-Service und der AAA Verlage GmbH, die für Atrium, Arche, WooW Books, Arctis und von Hacht Verlag arbeiten.  Natürlich danke ich ganz besonders meiner Frau Rebecca, auf die ich mich 100% verlassen kann.

Gestern antwortete Horst Eckertmorgen fragen wir Carsten Pfeiffer

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