Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Susanne Schüssler?

Seit dem 6. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2022 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet  Wagenbach-Verlegerin Susanne Schüssler unseren „anderen“ Fragebogen: 

Susanne Schüssler: „Nichts mehr lesen in 2022 möchte ich von der Verlagsbeteiligung bei der VG Wort. Ich wünsche mir so sehr, dass Autoren und Verlage nicht über Quoten streiten, sondern gemeinsam stark gegen die Netzgiganten auftreten“  © Denise Sterr

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Als der MICHELANGELO von Horst Bredekamp aus der Druckerei kam und ich mich endlich getraut habe, den 800-Seiten-Koloss aufzuschlagen: Alles war so wie erträumt.

Worüber haben Sie sich 2021 am meisten geärgert?

Dass wir nur mit großer Mühe die Graupappe für die Nachauflage ergattern konnten – das Altpapier benötigen gewisse Versender für ihre Kartonagen.

Was war 2021 Ihr schönster Erfolg?

Die enthusiastische Aufnahme des MICHELANGELO von Handel und Presse, so dass ich nach vier Wochen schon die 2. Auflage in Druck geben konnte.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Für ein Buch, das wir gern gemacht hätten, hat ein anderer Verlag den Zuschlag bekommen.

Ihre schönste Buchhandlung /Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Die Buchhandlung Subtext in Dachau – stellvertretend für alle, die 2021 den Mut hatten, neu zu eröffnen. Weiter so!

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Von der Verlagsbeteiligung bei der VG Wort. Ich wünsche mir so sehr, dass Autoren und Verlage nicht über Quoten streiten, sondern gemeinsam stark gegen die Netzgiganten auftreten.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Was die Ampel für die Branche tut – der Koalitionsvertrag ist da nicht gerade geschwätzig.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Den Aufwand zu betreiben, einen Seller seit 30 Jahren (Alice Vollenweiders Italiens Provinzen und ihre Küche) komplett neu zu präsentieren: Text überarbeiten und aktualisieren, Neusatz, neues Layout, neue Bebilderung etc. – ein Haufen Arbeit. Ob das jemand würdigt?

Und welchen Fehler werden  Sie trotzdem wiederholen?

Eben jenen Aufwand zu betreiben … wir sind es unseren Lesern und Autoren schuldig.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Der große Roman Malavoglia von Giovanni Verga. Die glänzende Neuübersetzung von Anna Leube erscheint im Januar 2022 zum 100. Todestag des Romanciers. Selten hatte ich so viel Freude an einem Lektorat.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Olivette Oteles Afrikanische Europäer über die lange verdrängte Rolle schwarzer Menschen (wie etwa Augustinus) – eine verblüffende neue Sicht auf die Geschichte Europas.

Von wem würden Sie gern auch mal  die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von unserer neuen Staatsministerin für Kultur.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben,  hätten Sie gern beantwortet?

Worauf freuen Sie sich am meisten im nächsten Jahr?

Hier können Sie die auch beantworten:

Auf das unbeschwerte Zusammenströmen von neugierigen Lesern zu Veranstaltungen in Buchhandlungen, Literaturhäusern und Festivals.

Gestern beantwortete Bernd Herzog unseren „anderen“ Fragebogen, morgen fragen wir Markus J. Karsten

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