
© Isolde Ohlbaum
Curt Meyer-Clason, einer der renommiertesten Übersetzer des vergangenen Jahrhunderts, ist tot. Er starb am Freitag, dem 13.01.2012 im Alter von 101 Jahren in München.
Meyer-Clason hat vor allem Werke lateinamerikanischer Autoren ins Deutsche übertragen, darunter Gabriel Garcia Marquez, Jorge Amado, Guimaraes Rosa, Mario de Andrade, Fernando Namora und Onetti. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler und Übersetzer lateinamerikanischer Literatur. Außerdem war er Herausgeber diverser Anthologien lateinamerikanischer Literatur, Autor einer Autobiographie und der „Portugiesischen Tagebücher“ (A1 Verlag).
Geboren wurde Curt Meyer-Clason am 19.09.1910 in Ludwigsburg. 1936 emigrierte er nach Brasilien, wo er als Kaufmann arbeitete. Kriegsbedingt wurde er für zwei Jahre auf der Ilha Grande vor Rio de Janeiro interniert, wo er, begünstigt und gefördert durch einen Mithäftling, seine Liebe zur Literatur entdeckte.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er zunächst als Verlagslektor – bis die Übersetzertätigkeit immer mehr in den Vordergrund trat. Sein Anliegen: die Literatur Lateinamerikas und damit das Gefühl für die dortige Lebensweise nach Europa zu tragen.
1969 wurde Meyer-Clason als Direktor des Goethe Instituts nach Lissabon berufen. Seine Tätigkeit dort – unter dem Salazar-Regime – ist legendär: portugiesische Intellektuelle erinnern sich bis heute an das dort von ihm geschaffene Forum zum kritischen Gedankenaustausch. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so beispielsweise 1975 den Übersetzerpreis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und 1996 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.






