Runde Geburtstage Michael Faber (60)

Michael Faber

Michael Faber wird heute 60 Jahre alt. Ulli Faure gratuliert dem Faber&Faber-Verleger zum runden Geburtstag:

Lieber Michael,

eigentlich kennen wir uns schon aus dem Sandkasten. Gefühlt auf jeden Fall. Und auf die paar Jahre, die fehlen, sei gepfiffen. Du warst mein treuer Autor für eine historische Rubrik beim Leipziger Börsenblatt – ja, so hat alles angefangen. Und da gehörtest du zu der seltenen Spezies von Autoren, die nicht erst mit dem Manuskript anrücken, wenn die Druckmaschinen schon heiß laufen. Neben Literatur einte uns die Liebe zu beispielsweise Tom Waits, dessen Platten du hattest und, ohne daß man sich verrenken mußte, zum Überspielen rausrücktest (was das bedeutet, wissen nur Ossis!).

Bald bist du auch der kritische Erstleser meines Malik-Buches geworden. Was schließlich dafür gesorgt hat, daß die Existenz meines Geschreibsels deinem Vater zu Ohren und Augen kam, der es schließlich zum Druck bei Aufbau beförderte.

Als es mich jobhalber in den Westen verschlug, sahen wir uns seltener, aber wenigstens zweimal im Jahr trafen wir uns am Faber & Faber-Stand (eigentlich Faber & Faber & Faber, weil ja deine Mutter mit von der Partie war und alles in die Hand nahm, was man literarische Schöngeister in einem Verlag besser nicht machen läßt). Die Reihe der Graphischen Bücher habe ich immer bewundert – und kein Band ohne ein fundiertes Nachwort von dir. Was dich wohl endgültig in die Riege der Schreibenden versetzt hat. Ich bin stolz darauf, deinen unter Pseudonym erschienen Erstling enttarnt zu haben, wobei enttarnt nicht stimmt: Ich habe bisher die Klappe gehalten und werde es auch fürderhin tun. Und auch über die tucholskyartige Vermehrung deiner Pseudos werde ich füglich den Mund halten – das Geheimnis magst du selbst lüften, oder eben nicht.

Ein paar Jahre bist du der Branche entschwunden, um als Leipziger Kulturbürgermeister mal in die Politik hineinzuschnuppern. Ich vermute, daß es da nicht immer gut gerochen hat, wie ich als politisch Außenstehender zu wissen meine.

Aber nun bist du ja wieder „unter uns“. Hast den Verlag wieder eröffnet und machst (mit hübschen Abweichungen) da weiter, wo ihr damals aufgehört habt. Im Jahr zuvor haben wir uns für ein paar Tage Leipzig getroffen, um, wie es der Politiker formulieren würde, „beiderseits interessierende Fragen zum Neustart eines Verlags“ zu erörtern. Ich weiß noch, es war brüllheiß, aber die abwechslungsreiche Gastronomie der Messestadt schaffte erfreulich oft Abhilfe.

Ein gemeinsames Projekt zu besprechen (wie wir es diesem Jahr hingekriegt haben, nämlich mit Maarten Biesheuvels Reise durch mein Zimmer, nicht zu vergessen die unvergleichlichen Illustrationen von Peter K. Kirchhof!), darauf sind wir damals komischerweise gar nicht gekommen. Das hat sich erst mitten im ersten Lockdown sozusagen am Rande eines Telefonats ergeben: zufällig und spielerisch (während nicht wenige andere Verleger den Kopf einzogen, wenn sie nur das Wort Projekt hörten). Und auf einmal war alles wie immer: Du hast, weil du sofort erkanntest, mit welchem Autorenkaliber man es bei Biesheuvel zu tun hat, nicht lange gefackelt und gleich zugegriffen – und so sind wir nach langen Jahren doch noch zu unserem ersten gemeinsamen Buch gekommen. Ich wünsche uns natürlich, daß es nicht dabei bleibt. Weil: Mit 60 geht es ja erst richtig los. Also laß dich feiern (und laß es uns gemeinsam tun!), und dann hecken wir was Neues aus.

Herzlichen Glückwunsch zum „Runden“ und willkommen in unserem Sixties-Club!

Dein Ulli Faure

Kontakt: michael.faber@verlagfaberundfaber.de

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