„Im Lizenzpoker um die Erinnerungen des russischen Ex-Präsidenten Boris Jelzin hatte wieder einmal das Verlagshaus Goethestraße (Econ Ullstein List) die Nase vorn. Donnerstag Nacht unterzeichnete Verleger Christian Strasser den Vertrag und sicherte dem gruppeneigenen Propyläen Verlag die deutschen Rechte an den „Midnight Diaries“. Bei Jelzins Literaturagent Andrew Nurnberg sollen in den letzten Wochen insgesamt sieben deutsche Interessenten um den Titel gerungen haben. Ob allein die Kaufsumme den Ausschlag gab, ist fraglich. EUL-Pressesprecher Michael Then beziffert sie auf „unter 1 Million DM“ – eine vergleichsweise bescheidene Größenordnung, gemessen etwa an Michail Gorbatschows „Perestroika“ bei Droemer (1,5 Mio.) oder Nelson Mandelas „Der lange Weg zur Freiheit“ bei S. Fischer (1,8 Mio).Die aufsehenerregende Werbekampagne für Oskar Lafontaines „Das Herz schlägt links“ im letzten Herbst dürfte das ihre dazu beigetragen haben, dass die Gruppe Econ Ullstein List jetzt für Jelzin den Zuschlag erhalten hat. Dem Verlagshaus gelang dank seiner Anbindung an den Axel Springer Konzern im letzten Jahr eine perfekte Medienverwertung des Econ-Titels: Die Welt übernahm Vorabdruck und eine Teil-Refinanzierung der Lizenzkosten, weitere Springer-Zeitungen griffen das Buchthema auf, Lafontaines Messe-Auftritt schließlich brachte dem Titel universelle Medienpräsenz. Der Effekt: monatelange Präsenz auf den Bestsellerlisten.Nach diesem Vorbild wird der Verlag jetzt auch im Falle Jelzin verfahren: Via Vorabdruck in einem konzerneigenen Blatt soll ein Teil der Rechtekosten wieder eingespielt werden; der weltweite Erscheinungstermin ist für den Zeitraum der kommenden Frankfurter Buchmesse angesetzt, auf der auch Jelzin, so die Verlagshoffnung, das Buch persönlich vorstellen wird. Um die Medienresonanz macht man sich im Hause keine Sorgen: Die Popularität des politischen Charakterkopfes und der Inhalt des Buches (übrigens wie schon ein früherer Jelzin-Titel bei Siedler von einem Ghostwriter verfasst) seien ausgesprochen medienwirksam, betont Propyläen-Programmchef Christian Seeger. Einzelheiten will man naturgemäß noch nicht preisgeben, nur soviel steht fest: Jelzins Erinnerungen umfassen den gesamten Zeitraum seiner Präsidentschaft mit Schwerpunkt auf den letzten Jahren, seine Kontakte zu führenden Politikern sowie brisante Interna zur russischen Politik während der Kriege in Tschetschenien und auf dem Balkan.Die Platzierung des Titels bei Propyläen (und nicht wie im Falle Lafontaine bei Econ) hat sowohl verlags- als auch programmstrategische Gründe. Aus Verlagsgruppensicht sei es nun einmal sinnvoller, so Seeger, „Bestseller zu verteilen“. Zudem fügen sich die „Midnight Diaries“ nahtlos in die staatsmännisch-biographische Linie Propyläens ein, die durch Erfolgstitel wie Helmut Kohls „Ich wollte Deutschlands Einheit“ klar konturiert ist. Von den Jelzin-Memoiren verspricht man nicht zuletzt weiteren Rückenwind für den Verlag, der in den letzten Jahren kontinuierlich daran gearbeitet hat, seine frühere Stellung als Big Player im Bereich historisch-politisches Sachbuch zurückzuerobern.“
Woche der Meinungsfreiheit 2026: Thema „Was ist wahr?“ stößt auf breite Zustimmung
Vom 3. bis 10. Mai findet die Woche der Meinungsfreiheit zum sechsten Mal statt. Unter dem diesjährigen Motto „Was ist wahr?“ bietet die Aktionswoche deutschlandweit Raum für aktuelle Debatten und