Hinter verschlossenen Türen entscheiden derzeit in Stockholm 18 Leute, wer der nächste Literaturnobelpreisträger sein wird. Eine unerwartete Terminverschiebung hat die Gerüchteküche angeheizt: Der Preis wird eine Woche später vergeben als erwartet. Über den Grund wird heftig spekuliert: Wird sich das Vergabekomitee nicht einig? Und falls ja: Könnte der begehrteste Literaturpreis der Welt dieses Jahr gar nicht vergeben werden (das letzte Mal geschehen 1943)?
Zu den aussichtsreichsten Anwärtern auf den begehrtesten Literaturpreis der Welt werden heute vor allem US-amerikanische Schriftsteller gezählt. Unter anderen stehen Philip Roth, Joyce Carol Oates, Thomas Pynchon und Don DeLillo hoch im Kurs. Auch die Kanadierin Margaret Atwood, Nuruddin Farah aus Somalia und der peruanische Autor Mario Vargas Llosa werden immer wieder genannt.
Wer als Favorit gilt und wer nicht, hat aber nicht nur mit der literarischen Qualität zu tun, sondern auch mit Politik und mit der Statistik: In den letzten zehn Jahren kamen neun Preisträger aus Europa (die Ausnahme war 2003 der Südafrikaner J. M. Coetzee); in den letzten 27 Jahren wurden nur drei US-Autoren ausgezeichnet (Toni Morrison, Joseph Brodsky und Isaac Bashevis Singer); und seit es den Preis gibt, wurde er nur zehn Mal an eine Frau vergeben.
Auf Platz eins der Liste steht der aus Syrien stammende Dichter Ali Ahmed Said, bekannt unter seinem Künstlernamen Adonis, der als bedeutendster arabischer Autor der Gegenwart gilt. Knapp dahinter folgt der schwedische Schriftsteller Tomas Tranströmer.
Oates werden die drittbesten Chancen eingeräumt, dann folgen der koreanische Autor Ko Un, der in den 80ern wegen seines politischen Engagements in seiner Heimat verfolgt wurde, und der flämische Schriftsteller Hugo Claus.