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Karlhans Frank

Karlhans Frank
Foto: U. Pfaffinger

Der Autor Karlhans Frank, der auch uns bei der BuchMarkt-Gründung und dem Buchhandel lange sehr nahe stand, ist am Sonntag, den 25. November 2007 im Alter von 70 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Gelnhaar verstorben. Dazu erreicht uns dieser Nachruf von Ulrieke Ruwisch:

Doch stehe auf ich, und ich wag
Salto mortale jeden Tag.
Und falle ich, kein Netz mich hält,
ich falle, bis mein Herz zerschellt.

Karlhans Frank

Er hat ihn jeden Tag gewagt, den Salto mortale des Schreibens und Lebens, und uns damit reich beschenkt. Diejenigen, die ihn als engagierten, leidenschaftlichen, kraftvollen Menschen kennen lernen durften, und die, die seine unzähligen Gedichte, Bücher, Essays, Glossen, Hörspiele, Drehbücher, Filme u.v.a.m. lesen, hören, sehen können, werden ihm das Netz knüpfen, das ihn hält.

Karlhans Frank, der listige, lustige und lasterhafte Meister der Formen, wusste um den Drahtseilakt des Schreibens, um Wortverwurster auf dem Markt und schrieb dennoch:

MIN LEHEN

Täglich ziehe ich meine rote Nase an
und mache Spaß, bis mir das Herze
bricht, erbricht die Trauerklöße
in die Instantsauce aus dem Supermarkt,
zerbricht, um eingegipst zu stolpern
über Geld und gute Worte.
Ich han min Lehen noch lange nicht.

(…)

Beißt Zeitgeist lausiger als jeder
Klapperstorch, ich bleibe Utopist und Moralist
und listig will ich liebend überleben
auf diesem Karussell der Eitelkeiten die
Pieper mit den fremden Federn, aufgezognen
Kuckucksuhren, impotenten Huren, Buren …
Ich han min Minne und min Leben längst.

Er hat sich die Welt schreibend erobert, hat genau, mit Leichtigkeit, Zweifel, Ironie und Augenzwinkern hingesehen. Und sich seinen Reim darauf gemacht, zärtlich, kenntnisreich, ironisch und zuweilen boshaft:

MEINE MEMOIREN

Verdient habe ich manches,
verdient manchmal nichts.

Gedient habe ich nicht,
gedehnt wurde ich oft.

Bedient wurde ich selten.
Ich bin bedient.

Karlhans Frank, der Moralist, hat sich eingemischt, manchmal auch aufgemischt, um der Sprache, der Literatur, der Kultur, der menschlichen Stimme, Gehör zu verschaffen. Seit 1961 lebte er als freischaffender Autor, schuf Filme, Hörspiele und weit mehr als 100 Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Als Autor bereiste er viele Länder. Er war lange im Bundesvorstand des Schriftstellerverbandes, Lektor, Redakteur, Kritiker, Journalist, Gerichtsreporter, Herausgeber, Übersetzer und Initiator vieler Kulturaktivitäten. Er war Präsidiumsmitglied im deutschen P.E.N., stellvertretender Bundesvorsitzender des Friedrich-Bödecker-Kreises, Präsident der europäischen Autorenvereinigung DIE KOGGE, lehrte in Stuttgart kreatives Schreiben und Filmregie … Unermüdlich und leidenschaftlich hat Karlhans Frank sich für die Literatur eingesetzt und dennoch die Kraft und den Atem gefunden, ‚sich täglich seine rote Nase anzuziehen’ und zu schreiben. Denn: „Auf der Flucht vor dem Tod leben wir eine Weile“, und dieses Leben hat er leidenschaftlich gelebt und geliebt.

Der „traurige Monat November“ ist in diesem Jahr um vieles trauriger. Karlhans Frank ist tot. Wir müssen „Klage führen über den unabwendbaren Verlust“, aber wir dürfen glücklich sein, dass es ihn gab! Und er wird weiterleben! Sie wollen wissen wo? Nun, einen „Tipp“ hat er selbst gegeben …

TIPP
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Du findest mich in
Meinen Texten irgendwo
Zwischen den Zeilen

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