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Heinold fragt: Wer war’s?

Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Es war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als sich ein Ackerbürgerstädtchen in der deutschen Provinz zur Universitätsstadt mauserte. Noch während der Gründung der Universität wurde ein Buchdrucker in die Stadt gerufen, um dort als Druckerverleger und Buchhändler tätig zu sein.

Der gerade 35-Jährige war gebürtiger Holländer, hatte in London mit Büchern gehandelt und kam aus Hamburg an seinen neuen Wirkungsort – im Gepäck „eine Druckpresse mit allerley Zubehör und 350 Pfund Druckbuchstaben.“

Verlag und Buchhandel sahen damals anders aus als heute. Es gab noch keine einheitliche Währung. Bücher bezogen die Druckerverleger nicht gegen Bezahlung, vielmehr tauschten sie ihre Verlagswerke untereinander Bogen gegen Bogen. In dieser aus unserer Sicht altertümlichen Buchhandelslandschaft begann der neu ernannte „Universitätsverwandte“ mit dem Aufbau seiner Firma, die bis heute in Familienbesitz ist. Allerdings starb er schon mit 50 Jahren. Seine energische, geschäftstüchtige Witwe, eine Engländerin, führte das Unternehmen 37 Jahre lang bis zu ihrem Tod weiter in einem Saeculum, in dem Unternehmerinnen die Ausnahme von der Regel waren.

Als Haupterben setzte sie einen gebürtigen Thüringer ein, der in der Firma noch unter ihrem Mann als Lehrling angefangen hatte und zu ihrem engen Vertrauten geworden war. So schickte sie ihn zum Beispiel allein zur Leipziger Buchmesse, die kurz zuvor die Frankfurter Messe als Buchhandelsplatz abgelöst hatte. Er wolle hoffen, so schrieb er von dort, dass das „Papier sich bald in Gold und Silber verwandeln möge.“

Als seine Prinzipalin, in der Tat als vermögende Frau, starb, wurde er als Haupterbe zum Inhaber der Firma. Das Unternehmen trägt bis heute neben dem des Gründers seinen Familiennamen. Erst als 57-Jähriger, nach dem Tod der Erblasserin, gründete er eine Familie. Seine Nachkommen sind bis heute in siebter Generation die Gesellschafter des Verlages. Durch die Jahrhunderte führten Mitglieder der Inhaberfamilie die Geschäfte selbst. Erst seit fünf Jahren gibt es eine externe Geschäftsführerin, die nicht aus dem Kreis der zur Zeit elf Gesellschafter stammt.

Die enge Verbindung zwischen Universität und Verlag prägt das Profil von der Gründung bis heute. Zum Wissenschaftsverlag trat später das Schulbuch. Die Modernisierung des Verlagshauses spiegelt sich in neueren Veröffentlichungen zur beruflichen Praxis, von Sachbüchern, die aus der Wissenschaft abgeleitet sind, sowie erst jüngst in der Übernahme einer traditionsreichen Nachschlagewerksmarke. Mit elf weiteren Verlagen gehört das Unternehmen zu einem bekannten Kooperationsverbund im Lehrbuchbereich. Wie überall in der Wissenschaft nimmt das elektronische Publizieren einen immer größeren Raum ein.

Vier Programmsäulen – im Umsatz etwa gleich stark – tragen den Verlag heute: Theologie und Religion – Geisteswissenschaften – Frühe Bildung/Schule/Studium – Psychologie. Damit vereint er wie eh und je nach dem klassischen deutschen Universitätsideal Forschung und Lehre. Zum Jubiläum in diesem Jahr ist soeben eine knapp 100-seitige informative Verlagsgeschichte erschienen.

Heinold fragt: Wie heißt der Verlag (Verlagsname und Sitz)?

Senden Sie die Lösung an heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 18. März 2010. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ (Bramann) von Wolfgang E. Heinold.

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