
Zur Lesenacht hatte gestern Abend die Buchhandlung Stadtmission in Darmstadt eingeladen. Trotz widriger Witterung füllte sich das auf drei Ebenen angeordnete Geschäft schnell.
Das Programm hatte Geschäftsführer Joachim Keidl mit seinen Kolleginnen und Kollegen gut vorbereitet. Die liebevoll dekorierte Buchhandlung bot Platz zum Sitzen und Zuhören und Gelegenheit zum Stöbern und Auswählen und Plauschen.
Zunächst wurden von der Mannschaft verschiedene Bücher vorgestellt. Auf den kleinen Tischen lagen Bücherlisten aus, die auch Empfehlungen über das Annotierte hinaus enthielten.
Joachim Keidl eröffnete die Vorstellungsrunde mit Landkarten des Lebens von Gundula Gause und Rainer Wälde, adeo Verlag: „Mit der Rückschau wird der Blick auf Lebensspuren geschärft.“
Als unbedingt lesenswert empfahl der Buchhändler weiter Sten Nadolnys Weitlings Sommerfrische, Piper Verlag. Der Roman, „eine Zeitrolle rückwärts“, sei ein Leseerlebnis und stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2012.
Marion Keidl wies auf ein eher für Frauen geschriebenes Buch vom Älterwerden und den damit verbundenen Möglichkeiten und Freiheiten hin: Lebe deine eigene Melodie von Irmtraud Tarr, Gütersloher Verlagshaus.
Für immer Liebe von Kim und Krickitt Carpenter, GerthMedien, stellte Sonja Wolf vor.
Vier Kinderbücher empfahl Edeltraud Kiel, darunter Die fabelhafte Entdeckung einer kleinen Weisheit von großer Bedeutung, geschrieben von Ranga Yogeshwar, gezeichnet von Nina Dulleck, Fischer Schatzinsel.
Auf eine ungewöhnliche Geschichte machte Benjamin Huber aufmerksam: Genauso anders wie ich von Ron Hall und Denver Moore, Francke Verlag.
Die Abiturientin und Aushilfe Jana Wolf hatte sich mit einem nachdenklichen Jugendbuch beschäftigt: Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green, Hanser Verlag.
Ein Buch für Männer annotierte Udo Haas: Bin am Meer von Udo Schroeter, adeo Verlag.
Die Vorstellungsrunde wurde von Meike Dorn mit Deko-Liebe Weihnachten von Imke Johannson, Lifestyle BusseSeewald, und bereits nachgefertigten Arbeiten beendet.
„Die Suppe ist da!“, lud Joachim Keidl ein. Seine Frau Marion hatte eine leckere Kürbissuppe zubereitet, die gerne angenommen wurde. Dabei kam man miteinander ins Gespräch. Anschließend stellte Benjamin Huber neue Filme vor und eine neue Software zur Bibel.
Zum zweiten Mal wurde koscherer Wein aus Israel probiert. Der stieß bei der ersten Verkostung im letzten Jahr auf viel Zuspruch bei den Besuchern.
„Das zu Ende gehende Jahr wird voraussichtlich eines unserer schlechtesten. Die beiden verbleibenden Monate werden den Umsatzrückgang kaum mehr auffangen“, resümiert Joachim Keidl im Gespräch abseits der Runde. Die Entwicklung in der Branche sei außerordentlich rasant, das mache vielen zu schaffen. „Wenn die Gesellschaft für Konsumforschung von ungetrübter Kauflaune spricht, können ich und viele andere Buchhändler das nicht feststellen“, beklagte er. Nur zehn E-Reader habe er bislang in diesem Jahr verkauft. Die Geräte seien immer noch zu teuer, müssten aber vorgehalten werden. Man wolle ja die Entwicklung nicht verpassen.
Der kurzweilige Abend in der Darmstädter Buchhandlung hat den Besuchern viele Anregungen in angenehmer Atmosphäre gegeben. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Mühe im Umsatz niederschlägt.
JF