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Gustav-Heinemann-Friedenspreis an Anna Kuschnarowa verliehen

Anna Kuschnarowa

Die Leipziger Autorin Anna Kuschnarowa ist gestern Abend in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher geehrt worden. Die nordrhein-westfälische Jugend- und Kulturministerin Ute Schäfer zeichnete die 38-Jährige für ihren Roman Kinshasa Dreams (Gulliver) aus. Der mit 7.500 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum 30. Mal verliehen.

Kinshasa Dreams erzählt vom Schicksal des jungen Kongolesen Jengo. Er wächst bei seinen abergläubischen Verwandten auf, die ihn für ein mutmaßliches Hexenkind halten. Nachdem seine Mutter ihn und seine Geschwister im Stich gelassen hat, entzieht er sich durch Flucht einer Geisteraustreibung. Es beginnt eine abenteuerliche Reise über Ägypten und Libyen nach Europa, wo er Profiboxer werden will, um seinem Idol Muhammad Ali nachzueifern.

Kinshasa Dreams schärft das Bewusstsein für die internationale Flüchtlingsproblematik und entlarvt Alltagsrassismus und insbesondere auch die Ressentiments gegenüber sogenannten ‚Wirtschaftsflüchtlingen‘ in Europa“, betonte Ute Schäfer. Das Buch sei im besten Sinne „engagierte Literatur“. Es bewege und rege zum Nachdenken an – „dazu, Flüchtlingen bei uns im Land offener und aufmerksamer zu begegnen, eigene Vorurteile abzubauen und Zivilcourage gegen Alltagsrassismus zu zeigen“, so die Ministerin.

Anna Kuschnarowa studierte Ägyptologie, Germanistik und Prähistorische Archäologie. Zuletzt erschien in diesem Herbst Djihad Paradise (Beltz & Gelberg). In ihrer Dankesrede zitierte die Preisträgerin den früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann: „Literatur kann den Leser weit tiefer beeindrucken, als die politische Rede, als ein Leitartikel in der Zeitung oder der Kommentar in Rundfunk oder Fernsehen das vermögen. Sie spricht Tiefenschichten im Menschen an, die sonst kaum erreichbar sind. Diese Wirkung zu erkennen und um der Zukunft aller Menschen willen verantwortungsbewusst zu nutzen, gehört ganz gewiss zu den Aufgaben des Schriftstellers in unserer Zeit.“

Im Rahmen der Preisverleihung brachten Schüler des Leseclubs Do it – read a book! der Städtisschen Hauptschule Wermelskirchen und des Leseclubs der Bertha-Krupp-Realschule Essen brachten Kinshasa Dreams in szenischen Lesungen auf die Bühne. Musikalisch begleitet wurde der Abend von der Gustav-Heinemann-Schule Berlin.

Der von der Landeszentrale für politische Bildung betreute Preis der nordrhein-westfälischen Landesregierung erinnert an das friedenspolitische Engagement Gustav Heinemanns. Ausgezeichnet werden Romane oder Sachbücher, die Zivilcourage und gewaltlose Formen der Konfliktlösung vermitteln. Er ist nach Angaben des Ministeriums die wichtigste friedenspolitische Auszeichnung für Kinder- und Jugendbücher im deutschen Sprachraum.

„Wir sind sehr stolz, dass der Name Gustav Heinemann mit unserem Bundesland Nordrhein-Westfalen eng verbunden ist. Ich freue mich deshalb, dass der Gustav-Heinemann-Friedenspreis bis heute eine so große Aufmerksamkeit und Resonanz erfährt“, erklärte Ute Schäfer. Besonders freute sich die Ministerin, dass auch Christina Rau, die Enkelin Gustav Heinemanns gestern zu Gast war. In einem Pressegespräch am Rande der Preisverleihung betonte Christina Rau, dass der Preis Bücher auszeichne, die zum Nachdenken anregen und den Leser fordern. Sie verwies zudem auf die Bücher der Empfehlungsliste, die neben dem Preisbuch Aufmerksamkeit verdienen. Aus 83 eingereichten Titeln empfahl die Jury neben Kinshasa Dreams:

Frank Cottrell Boyce, Der unvergessene Mantel, aus dem Englischen von Salah Naoura (Carlsen)

Silvana Gandolfi, In der Schusslinie, aus dem Italienischen von Ruth Karzel (Carlsen)

Michel Dufranne, Milorad Vicanović, Christian Lerolle Rosa Winkel, aus dem Französischen von Edmund Jacoby (Jacoby & Stuart)

Elisabeth Zöller, Wir tanzen nicht nach Führers Pfeife (Hanser)

Marita de Sterck, Zuletzt die Hunde, aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf (Oetinger)

ml

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