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Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren veröffentlicht Positionierung zu künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz beeinflusst zunehmend das Berufsbild von Lektorinnen und Lektoren. Entsprechend bedürfe es einer Stellungnahme, schreibt jetzt der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren VFLL und publiziert folgende Positionierung, die durch intensive und angeregte Diskussionen innerhalb des Verbands in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen, bei Fortbildungen, Info-Veranstaltungen für die Mitglieder und durch den Austausch mit Partnerverbänden entstanden sei und die wir im Folgenden wörtlich wiedergeben:

Warum ein menschliches Lektorat unverzichtbar ist

Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren e.V. (VFLL) empfiehlt seinen Mitgliedern, beim Einsatz von künstlicher Intelligenz im Lektorat folgende Grundsätze zu beachten:

  1. Der VFLL steht für Qualität. Unabhängig davon, ob freie Lektor*innen bei ihrer Arbeit KI-Modelle verwenden oder diese Technologie bewusst nicht nutzen, ist eine hohe Textqualität ihr oberstes Ziel.
  2. Der VFLL steht für Verantwortung. Freie Lektor*innen im VFLL entscheiden eigenverantwortlich über den Einsatz von KI. Sofern KI verwendet wird, geschieht dies unter Berücksichtigung von Datenschutz, Urheberrecht und DSGVO-konformen Tools.
  3. Der VFLL steht für Kompetenz. VFLL-Mitglieder sind erfahrene Lektor*innen und zeichnen sich durch eine hohe fachliche Kompetenz aus. Falls KI-Anwendungen eingesetzt werden, dann nur mit Kenntnis ihrer Möglichkeiten, Grenzen, Schwächen und Risiken. Ergebnisse von KI-Systemen werden niemals ungeprüft übernommen.
  4. Der VFLL steht für Transparenz. VFLL-Mitglieder setzen LLMs nur nach vorheriger Absprache mit den Urheber*innen ein.
  5. Der VFLL steht für menschliche Intelligenz. Wenn KI im Lektorat eingesetzt wird, erfahren menschliche Kreativität und künstlerische Leistungen weiterhin die ihnen gebührende Wertschätzung. KI ersetzt niemals ein professionelles menschliches Lektorat und kann lediglich als Hilfsmittel dienen.
  6. Der VFLL steht für persönliche Verbindungen. Kommunikation, Beratung und Zusammenarbeit im Lektorat beruhen auf menschlicher Beziehung, Vertrauen und Verständnis. KI kann die persönliche Verbindung zwischen Lektorin und Autorin nicht ersetzen.

Die Grenzen von KI

Generative KI-Systeme haben ihre Grenzen, die sich auch auf die Qualität von Texten und deren Überarbeitung auswirken. Hier nur einige der wichtigsten Schwächen:

  • KI generiert Ergebnisse auf Basis von Wahrscheinlichkeit. Sie ist nicht kreativ.
  • KI vertritt keine Haltung oder ethische Überzeugung.
  • KI reproduziert Bekanntes. Sie schafft nichts Neues.
  • KI kann halluzinieren, die Korrektheit von Aussagen muss daher immer geprüft werden.
  • KI reproduziert Klischees und kann Vorurteile verfestigen.
  • KI ist kein verlässlicher Sparringpartner, denn Kritik muss aktiv eingefordert werden.
  • KI kann die Intention eines Textes nur bedingt entschlüsseln.
  • KI hat kein Einfühlungsvermögen.

Diese Liste ließe sich weiter verlängern. Klar ist:
Es braucht auch weiterhin qualifizierte Lektor*innen!

  • Lektor:innen erkennen, ob ein Text originell ist. Sie können die sprachliche Qualität, die stilistische Angemessenheit und die Wirkung eines Textes beurteilen und ihn so überarbeiten, dass er den Anforderungen von Zielgruppe und Medium sowie dem Kommunikationsziel entspricht. KI-Sprachmodelle generieren oft einen bequemen Mittelweg und können nicht auf die Individualität eines Textes eingehen.
  • Lektor:innen handeln verantwortungsvoll bei der Beurteilung von Texten. Sie denken ethische und gesellschaftliche Aspekte mit, vermeiden diskriminierende Inhalte und beachten den jeweiligen Kontext. Ihre Entscheidungen basieren auf echtem Wissen und Erfahrung. Künstliche Intelligenz kann das nicht leisten.
  • Lektor:innen übernehmen die Qualitätskontrolle. Sie prüfen, ob ein Text in sich schlüssig ist, ob Fakten korrekt sind und Quellen richtig angegeben wurden. Auf die Faktentreue von KI ist kein Verlass.
  • Lektorinnen sind vertrauenswürdige Ansprechpersonen. Sie beraten, geben wertschätzend und ehrlich Feedback zum Text. Sie zeigen Wege auf, wie ein Text verbessert werden kann, und gehen auf die individuelle Situation ihrer Kundschaft ein. KI-Modelle können darauf trainiert sein, möglichst unkritische Antworten zu geben.

Der VFLL informiert seine Mitglieder stetig über neue Entwicklungen im Bereich KI und bietet Fortbildungen dazu an – damit die freien Lektor*innen im VFLL eine fundierte Entscheidung treffen können, ob oder auf welche Weise sie KI einsetzen.

Zitat von Sophie Niemann, Vorstandsmitglied (Ressorts Fortbildung und künstliche Intelligenz):
„Die Haltungen zu künstlicher Intelligenz gehen weit auseinander – auch im VFLL. Gerade diese Vielfalt ist eine Stärke unseres Verbands. Wir als Vorstand hören die unterschiedlichen Meinungen, Sorgen und Wünsche unserer Mitglieder und sind uns der Verantwortung – gegenüber unseren Mitgliedern, Kund*innen sowie der Gesellschaft und Umwelt – bewusst. Mit unserer Positionierung setzen wir ein wichtiges Zeichen: Ohne menschliches Lektorat geht es nicht!“

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