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„Live“ in Bildern: Großer Bahnhof bei dtv zum Abschied von Wolfgang Balk – mit vielen Bildern

»In Zukunft viele Bücher, aber keine Buchhaltung mehr« – mit diesem Satz fasste Hans Magnus Enzensberger zusammen, was auf Wolfgang Balk (Foto) zukommt, der nach 20 Jahren bei dtv zum Jahresende den Verleger-Stab an Claudia Baumhöver (Foto, noch Verlegerin des Hörverlags) übergibt.

Claudia Baumhöver, Wolfgang Balk

»Alle kennen ihn, aber keiner kennt ihn ganz«, sagte Enzensberger, denn Balk habe einen Doppelgänger, der sich der Geschichte, Philosophie, Archäologie, Malerei und Fotografie widme. Dazu passten die Geschenke, mit denen der scheidende dtv-Verleger überrascht wurde: eine Blanko-Fahrkarte zu einer archäologischen Stätte seiner Wahl samt Koffer für die Sicherung der Fundstücke vom dtv-Beirat, vom Verlag ein Bildhauerkurs in der Toskana mit Carrara-Marmor. Der dtv-Chor lieferte ein Medley aus teilweise umgetexteten Songs von »Arrivederci, Chef« bis »Zuppa Romana«, die dem Italien-Liebhaber dann auch prompt serviert wurde.

»Wie kann man jemanden ehren, der öffentliches Gerede über sich gar nicht schätzt?«, fragte sich Antje Kunstmann, und brachte in ihrer persönlichen Ansprache die »herausragende Verlegerpersönlichkeit« auf den Punkt: Die Verleger alten Typs waren stets auch die Inhaber ihrer Verlage – heutige Verleger sind in der Regel angestellt und müssen »berufen« sein, um den ewigen Widerspruch von Kunst und Kommerz mit den Kapitaleignern so auszufechten, dass es wirtschaftlich geht, aber der Anspruch nicht auf der Strecke bleibt. Wolfgang Balk ist ein Verleger, »dessen erster Gedanke bei einem Buch nicht die Vermarktung« sei – auch wenn diese dann hinzukommen müsse – so hat es Uwe Timm ausgedrückt, der sich zur Zeit in Südamerika aufhält, in einem Brief an Wolfgang Balk, der von dessen Ehefrau Patricia Reimann vorgelesen wurde. Den Dank des dtv-Beirats sprach Frank Häger (Vorstand Ganske-Verlagsgruppe) aus.

Bernd Blüm (kfm. GF des dtv) lässt die Verdienste von Wolfgang Balk Revue passieren

Balks Geschäftsführer-Kollege Bernd Blüm erinnerte an die wichtigsten Meilensteine, die Wolfgang Balk gesetzt habe: das Finden einer neuen Buchgestaltung, nachdem die dtv-Taschenbücher jahrzehntelang durch den legendären Celestino Piatti geprägt wurden. Antje Kunstmann bezeichnete das als »ein neues Erscheinungsbild, ohne das Gesicht zu verlieren.« Die Erfindung von dtv-premium, dem »Camouflage-Hardcover«, das auch bei den Gesellschafter-Verlegern zu Unruhe führte, da diese Bücher anfingen, frecherweise nicht auf den Taschenbuchlisten zu erscheinen, sondern bei den Hardcover-Listen Plätze wegzunehmen. Und schließlich der Wandel zum Vollverlag: dtv verlegt Hardcover.

Der dtv-Chor

Das Wichtigste aber, so betonten die Kollegen wie Balk selbst, sind die Mitarbeiter des Verlags. »Ich habe alles anderen zu verdanken«, sagte Balk in seiner persönlichen Dankesrede. Sein höchstes Ziel sei es, dass die Mitarbeiter jeden Morgen gern bei der Arbeit erscheinen. Dass ihm dies gelungen ist, konnte man an diesem Abend spüren.

Ulrich Störiko-Blume

[Mehr über Balk im BuchMarkt-Dezemberheft auf Seite 118}

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