Vor ein paar Tagen hatten wir gemeldet, dass ZS-Verlagsleiterin Dorothee Seeliger für das Kinderbuch Ein Meer von Liebe auf eigene Rechnung einen Verlag gegründet hat. Das war Anlass noch mal nachzufragen: „Wie verrückt ist das denn? „

Dorothee, Du behauptest, es war Liebe auf den ersten Blick?
Dorothee Seeliger: Genau so war es: Ich hab das Buch auf der gähnend leeren Buchmesse 2021 am Stand vom ZS-Lizenzpartner Lannoo im Regal stehen sehen. Es war nichts los am Stand, wir hatten viel Zeit – und meine Lizenzansprechpartnerin Liesbeth de Bruyn hat mir das Buch dann auf niederländisch vorgelesen. Und als sie fertig war mit Blättern und Vorlesen hatte ich fast Tränen in den Augen.
Ich bin beeindruckt, Du sprichst holländisch? Eigentlich wollte ich nachspüren, an welcher Stelle beim Büchermachen die Liebe die nüchterne Logik des Handelns ausschaltet?
Mir ging das Buch nicht aus dem Kopf nach der Buchmesse. Aber die Logik des Handelns hab ich dann ein halbes Jahr später, im April 22 auf der Londoner Buchmesse ausgeschaltet. Ich war wieder am Stand von Lannoo, sieben andere Verlage weltweit hatten die Rechte an „Een zee van liefde“ – so der belgische Originalname – gekauft, aber noch kein deutscher Verlag. Als Liesbeth mir das erzählte, habe ich gesagt: Hör zu, wenn Ihr mir die Rechte gebt, publiziere ich das Buch auf Deutsch.
Und das hat Lannoo dann tatsächlich gemacht?
Ja, das war für sie natürlich auch ein kleines Risiko, aber sie haben gemerkt, auch im Gespräch mit dem Autor Pieter Gaudesaboos, dass ich für das Buch auch brenne. Ab da gab es für mich kein zurück mehr, obwohl dann auch zwei deutsche Verlage Interesse auf der Messe signalisiert haben.
Wann hat Dir gedämmert, worauf du dich eingelassen hast, in diesen Zeiten und diesem Marktumfeld und auf eigene Rechnung?
Na ja, natürlich musste mich zu einer recht hohen Mindestauflagen verpflichten und damit natürlich auch ein finanzielles Risiko eingehen. Und natürlich gab es viele vernünftige und liebe Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld, die mir ganz eindeutig abgeraten haben. Ich mache seit 25 Jahren Ratgeber, aber habe keine Ahnung vom Kinderbuchmarkt, und der Markt ist nicht einfach. Hinzu kommt, dass Ein Meer von Liebe mit seiner Geschichte und dem Stil der Illustrationen bis hin zum Format kein ganz klassisches Kinderbuch ist. Zwischendurch habe ich schon auch Muffensausen bekommen.
Aber Du hast es trotzdem gemacht …
… weil ich habe mich tatsächlich spontan in diese zauberhafte Liebesgeschichte von Pinguin und Bär verliebt hatte. Dieses, wie ich finde, besondere Buch wollte ich gerne teilen. Außerdem brauchen wir doch alle, gerade in diesen Zeiten, zur Abwechslung mal ein Happy End, oder? Also: alles andere als vernünftig, sondern eine emotionale Bauch-Entscheidung. So bin ich auch – die „nüchterne Logik des Handelns“, wie Du gerade sagtest, ist auch in der täglichen Arbeit nicht unbedingt mein Maßstab beim Büchermachen – das hat Vor- und auch Nachteile!
Du eigentlich ansonsten genug zu tun.
Das gebe ich zu, wir machen bei ZS und Dr. Oetker fast 70 Bücher im Jahr, da kommt keine Langeweile auf. Und ich habe zwei Kinder, mein Sohn Jakob ist erst sieben – er ist auch Namensgeber unseres kleinen „Familien-Betriebs“. Alles, was es rund um das Buch zu tun gab, Übersetzung, die Homepage, Social Media, Freiexemplare verpacken und versenden oder PR-Texte verschicken, haben ich abends oder am Wochenende gemacht.
Soll Dein Jakob Verlag ein zweites Standbein für Dich werden? Planst Du weitere Bücher?
Nein, dazu macht mir mein Job bei ZS zu viel Spass. Und natürlich ist es auch gar nicht so einfach, ein Kinderbuch im Eigenverlag erfolgreich im Handel zu platzieren und bekannt zu machen. Es wird schon noch eine Weile dauern, bis die erste Auflage verkauft ist und das wäre schon ein sehr schöner Erfolg für dieses Buch.
Was sagen denn Deine KollegInnen im Verlag dazu?
Ich habe für das Buch einen Vertriebsvertrag mit Edel, und die Vertriebs-KollegInnen in Hamburg wie auch ZS Verleger Jürgen Brandt haben mein privates Projekt zum Glück unterstützt.
Aber jetzt sag uns doch nochmal, was hat Dich besonders berührt an Ein Meer von Liebe?
Die Illustrationen. Der Mut von Pinguin, Bär seine Liebe zu gestehen. Und seine wirklich ebenso kurze, wie sehr treffende Beschreibung, wie sich die Liebe anfühlt. Damit hat sich die Weltliteratur – ganz zu Recht – jahrhundertelang beschäftigt. Es geht auch ganz einfach. Wem also am Valentinstag selbst die Worte fehlen, der kann statt ein paar Blumen gerne Ein Meer von Liebe verschenken.
Du hast mich auf eine Idee gebracht.
Eine Antwort
Bravo Dorothee!
Es ist ein tolles Buch und wir wünschen Dir allen Erfolg.