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Umgeblättert heute: „Hervorragend geschrieben, zu Herzen gehend, traurig“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Vom Angriff der Kopffüßler“: Verlagschronik einmal anders: Hanna Mittelstädt, Mitgründerin der Edition Nautilus, fasst ihre Erinnerungen an den anarchischen Bücherkampf zusammen. Eine mitreißende Utopie.“Hanna Mittelstädt räumt es auf, dieses Leben, aber so, wie ein Kind leicht missmutig sein chaotisches Zimmer aufräumt und dabei ins Spielen kommt. Reihenweise stellt sie Zeitschriften, Flugschriften und Nautilus-Bücher in imaginäre Regale – von den wichtigen ‚Autobiographien gegen die Zeit‘ bis hin zu Titeln von Raoul Vaneigem, Franz Dobler, Frank Witzel, Peter Hacks, Wiglaf Droste, Etel Adnan, Abbas Khider, Anna Rheinsberg oder David Graeber –, aber bei fast jedem Titel gerät sie ins Erzählen, schweift ab, holt immer weiter aus, lässt dabei auch ihr gegenwärtiges, immer noch trauerndes, immer noch hoffnungsvolles Ich ausgiebig zu Wort kommen.“

  • Hanna Mittelstädt, „Arbeitet nie!“ Die Erfindung eines anderen Lebens. Chronik eines Verlags (Edition Nautilus)

„Streiten miteinander können wir, reden aber nicht“: Franziska Gerstenberg erzählt in ihrem Roman Obwohl alles vorbei ist von familiären Entfremdungen in Krisenzeiten. „Franziska Gerstenberg taucht unter die Oberfläche jedes der vier Familienmitglieder, die alle aneinander vorbeileben und jeweils auf sich selbst gestellt sind, wo die Gefühle füreinander immer gleich­gültiger, kälter und ablehnender, wo die Geschwister sich fremd werden und die ­Eltern ihre Kinder immer weiter in Richtung Abgrund treiben, bis es zur Kata­strophe kommt. Wenn diese Moment­aufnahme der deutschen Familienver­hältnisse zutrifft, dann versagt dieses Land dabei, das Versprechen der Moderne einzulösen, wonach freie Selbstbestimmung den Weg zum Glück weist.“

  • Franziska Gerstenberg, Obwohl alles vorbei ist (Schöffling & Co.)

„‚Es gibt bei mir keine Guten oder Bösen’“: In Emma Clines neuem Roman schnorrt sich eine Frau durch die Hamptons. Ein Gespräch über Reichtum, Überlebensstrategien – und die Frage, was eigentlich Moral ist.

  • Emma Cline, Die Einladung (Hanser)

„Wem steht der ganze Ruhm zu?“: In seinem Roman Der gute König blickt Leonhard Hieronymi in den Maschinenraum des Kunstbetriebs. „In seinem Roman Der gute König erzählt der Autor Leonhard Hieronymi von Arbeit, von Klasse, vom ehrlichen Handwerk und unehrlicher Kunst. Geschickt verwebt er die reale Ebene der Koons-Werkstatt (die gibt es wirklich) mit einer fiktiven, für die er wiederum aus seinem eigenen Leben zu schöpfen scheint.“

  • Leonhard Hiernoymi, Der gute König (Hoffmann und Campe)

„Kugelsichere Pfadfinder“: Die Autobiografie der K-Pop-Band „BTS“ ist einer der Sachbuch-Bestseller des Sommers. „Wer nicht ohnehin längst ganz genau weiß, wer wer ist und sämtliche Meilensteine kennt, bleibt nach Beyond The Story eher verwirrt zurück. Da wäre womöglich Lenika Cruz’ On BTS: Pop Music, Fandom, Sincerity ein besserer Einstieg.“

  • BTS, Myeongseok Kang, Beyond the Story – 10-Year Record of BTS. (Macmillan)

„‚Künstliche Systeme zeigen: Es gibt keine reine Intelligenz’“: Buchautorin Manuela Lenzen im Interview über die Neugier von Maschinen, die Erziehung von Robotern und die überragende menschliche Fähigkeit, sich überall zurechtzufinden.

„‚Dieser erstaunliche Mangel an Sachlichkeit’“: Eine höchst aktuelle Sammlung von Aufsätzen des selbstbewussten Kosmopoliten und optimistischen Intellektuellen Lion Feuchtwanger. „In dem äußerst lesenswerten Essay-Band mit Feuchtwanger-Texten zum Judentum wird erneut deutlich, wie selbstbewusst dieser deutsche Aufklärer mit seiner jüdischen Herkunft umging. Die Frage, ob er ein deutscher oder ein jüdischer Schriftsteller sei, beantwortete er mit dem lapidaren Hinweis, er sei weder das eine noch das andere, ‚ich fühle mich als internationaler Schriftsteller‘.“

  • Lion Feuchtwanger, Bin ich ein deutscher oder jüdischer Schriftsteller? Betrachtungen eines Kosmopoliten (Aufbau)

„Seit einer Ewigkeit auf den Tod warten“: Die Belgierin Amélie Nothomb erzählt vom Leben ihres Vaters Patrick – und aus einer anderen Zeit und Welt. „Mit feinem Humor schildert Amélie Nothomb die Entwicklung ihres Vaters vom schüchternen Jungen zu einem selbstbewussten jungen Mann, der sich mehr und mehr gegen die verknöcherte Denkweise der vorherigen und vorvorherigen Generation stemmt. (…) So ist Der belgische Konsol weit mehr als eine intime Familiengeschichte. Dieser Roman ist ein fein ziseliertes Zeit- und Sittengemälde, hervorragend geschrieben, zu Herzen gehend, traurig.“

  • Amélie Nothomb, Der belgische Konsul. (a. d. Franz. v. Brigitte Große; Diogenes)

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