
Björn Oeppert (Foto: privat)
„Wie war Ihr Monat?“ fragen wir monatlich Branchenmenschen. Dieses Mal Björn Oeppert, der seit dem 1. Mai den Münchner DK Verlag in der neu geschaffenen Position als Head of Digital Commerce verstärkt.
Welcher Tag war Ihr schönster im vergangenen Monat?
Der sechste Geburtstag meiner jüngsten Tochter. Man macht sich im Vorfeld so viele Gedanken, plant jedes Detail und gerät in diesen selbst auferlegten Optimierungsstress. Als sie morgens alle sechs Kerzen mit einem einzigen Atemzug ausblies und vor Stolz über beide Ohren strahlte, war alles andere vergessen. Es gibt nichts Schöneres als diese ungefilterte Begeisterung von Kindern. Die besten Tage fangen genau so an – und selbst die schlechtesten verlieren an Schwere, wenn sie mit einem Kinderlachen enden.
Worauf freuen Sie sich im kommenden Monat am meisten?
Auf das Lernen. Ich bin ein zutiefst wissbegieriger Mensch und liebe es, neue Perspektiven einzunehmen. Dass ich nun Teil des Teams von DK sein darf, ist für mich ein echtes Highlight. Ich kannte viele der wunderbaren Menschen dort bereits von früheren Begegnungen. Jetzt tief in die Verlagsstrukturen einzutauchen und die Leidenschaft hinter den Inhalten zu erleben, motiviert mich riesig. In einer Zeit wie dieser ist Wissen kein Luxusgut, sondern ein Muskel, den wir als Gesellschaft dringend trainieren müssen. Und DK hat dafür definitiv ein Programm mit ordentlich Gewicht.
Welches Buch liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch?
Dort herrscht eine höchst kontrastreiche Koexistenz: Da ist zum einen Ronja Räubertochter – ein Lieblingsbuch aus meiner Kindheit, das ich gerade meinen Töchtern vorlese. Für mich selbst leuchtet daneben mein E-Reader mit The Wager von David Grann, einer Wahnsinnsgeschichte. Und wenn mein Kopf nach einem langen Tag mal kompletten Leerlauf braucht, schiebe ich zur Entspannung gerne einen Jack Reacher ein.
Wären Sie ein Buch, welches wäre es?
Ich wäre Sten Nadolnys Die Entdeckung der Langsamkeit. Das Buch fasziniert mich seit Jahrzehnten, weil es zeigt, wie essenziell es ist, sich auf seine eigenen Stärken zu konzentrieren, den Lärm auszublenden und die eigene Welt erfassbar zu halten. Auch das Cover mit Turners The Fighting Temeraire ist so zeitlos passend: Es symbolisiert für mich, dass Veränderung eine Konstante ist und das Praktische oft das Schöne verdrängt, eine Entwicklung, die wir oft erst mit Abstand richtig wertschätzen. Gleichzeitig stecken in mir aber auch sehr viele Seiten von Hans Roslings Factfulness. Ich plädiere immer für mehr Fokus auf echte Daten; ich bin einfach kein Fan von Symptomtherapie, Panikmache und blindem Aktionismus.
Welches Buch haben außer Ihnen alle gemocht?
Mimik. Das war mein erster Ausflug in die Welt von Sebastian Fitzek. Nach dem riesigen Hype waren meine Erwartungen hoch, doch leider war der Plot für mich sehr schnell absehbar. Ich habe es bis zur letzten Seite gelesen, weil ich fest auf einen fiesen Doppel-Twist gehofft hatte, aber es blieb bei dem, was ich nach gefühlt 20 Seiten bereits geahnt hatte. Manchmal findet man den Zugang eben nicht; Fitzek hat es seither leider nicht mehr auf meine „Wind-Down“-Leseliste geschafft.
Über welches Thema wollen Sie im kommenden Monat mehr lesen?
Mich treibt die Frage um, wie wir als Gesellschaft und als Branche das Lesen gegen die Konkurrenz der schnellen Dopamin-Kicks verteidigen können. Früher war die U-Bahn morgens voller Menschen mit Büchern. Heute ist man dort ein Exot, während die Mehrheit „swiped“ oder bunte Bällchen auf Displays platzen lässt. Auch wenn die Marktzahlen vergleichsweise stabil wirken, verkümmert gefühlt bei vielen Menschen die Fähigkeit, Aufmerksamkeit in komplexe Inhalte zu investieren. Ich will mehr über Strategien lesen, wie wir diesen Fokus zurückgewinnen können.
Von wem würden Sie gerne mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Ralf Kleber. Ich fand die Arbeit für und mit ihm bei Amazon klasse. Mich würde sehr interessieren, wie er heute – mit ein wenig Abstand und nach seinem langen Weg mit Amazon – auf die Branche blickt. Seine Sichtweise darauf, wie wir den Fokus auf Inhalte in dieser schnelllebigen Zeit stärken können, wäre sicher hochspannend.
Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie eigentlich gern beantwortet?
Was erwartet unsere Leser:innen eigentlich von uns, von unseren Inhalten und von den Formaten, in denen wir sie teilen – und wie motivieren wir sie dazu, das Buch dem Streamen oder Daddeln vorzuziehen?
Und wie lautet Ihre Antwort darauf?
Ehrlich – ich weiß es noch nicht, aber ich will es unbedingt herausfinden. Um die richtigen Ansätze zu finden, müssen wir den Leser:innen wirklich zuhören und uns konsequent in sie hineinversetzen. Was wir von ihnen wollen, ist ihre kostbare Zeit – und die müssen wir ihnen im gleichen Maße wertschätzend entgegenbringen. Wir müssen Berührungsängste ablegen und konsequent offen für neue Technologien und Wege sein, um Menschen wieder für echte Substanz zu begeistern.