Die S. Fischer Verlage werden ihren Hauptsitz ab Sommer 2027 von Frankfurt am Main nach Berlin verlegen. Mit diesem Schritt kehre einer der traditionsreichsten und renommiertesten deutschen Buchverlage an den Ort seines Ursprungs zurück und richte sich zugleich strategisch für die Zukunft aus, schreibt der Verlag. Bereits heute arbeiten alle Programmleitungen von S. Fischer in der Hauptstadt. Künftig werden die verlegerischen und marktnahen Bereiche des Verlags in Berlin gebündelt. Dazu gehören neben der Geschäftsführung insbesondere das Marketing, der Vertrieb sowie die Presse- und Veranstaltungsabteilungen. Dadurch würden Entscheidungswege verkürzt, die Zusammenarbeit zwischen Programm und Vermarktung intensiviert und die Präsenz des Verlags im kulturell und gesellschaftlich attraktiven Umfeld Berlins gestärkt.
„S. Fischer ist ein Verlag mit einer langen und großen Geschichte. Es liegt in unserer Verantwortung, dieses Erbe zu bewahren und gleichzeitig aktiv Zukunft zu gestalten“, sagt Christina Dohmann, CEO der S. Fischer Verlage. „Samuel Fischer hat diesen Verlag vor rund 140 Jahren in Berlin gegründet und mit seiner unstillbaren kulturellen Neugier, seinem verlegerischen Mut und seiner anspruchsvollen, fortschrittlichen Geisteshaltung zu großem Erfolg geführt. Diesem Geist fühlen wir uns zutiefst verpflichtet. Die Rückkehr nach Berlin ist für uns deshalb Anknüpfungspunkt und Aufbruch zugleich, sie lässt uns die Geschichte der S. Fischer Verlage genau dort fortschreiben, wo heute die wichtigen Debatten um die Zukunft unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft geführt und Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit gefunden werden müssen.”
Frankfurt bleibe aber weiterhin ein wichtiger Teil des Verlags. Neben dem Frankfurter Lektorat werden auch die kaufmännischen Bereiche weiterhin am Standort Frankfurt tätig sein. „Frankfurt gehört als Stadt des verlegerischen Wiederaufbaus zu S. Fischer, der Verlag verdankt dieser Stadt sehr viel“, so Christina Dohmann. „Unsere Entscheidung für Berlin ist keine Entscheidung gegen Frankfurt. Berlin wird künftig unser Hauptsitz sein, Frankfurt bleibt ein wichtiger Anker.“
Ziel der Maßnahme sei es, die wirtschaftliche und verlegerische Zukunftsfähigkeit des Verlags zu stärken. Allen Mitarbeiter:innen werden Angebote für einen Wechsel nach Berlin gemacht. Über den genauen Standort in Berlin wird in naher Zukunft entschieden.
Der Hessische Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels meldete sich mit folgendem Statement auf die Entscheidung des S. Fischer Verlags hin:
„Der Wegzug des S. Fischer Verlags aus Frankfurt ist ein schmerzlicher Verlust für den Kultur- und Verlagsstandort Hessen. Der Verlag hat über Generationen hinweg die literarische Landschaft unseres Landes geprägt und war ein wichtiger Teil der kulturellen Identität Frankfurts“, so der Minister. „Hessen bleibt dennoch ein starker Standort für Literatur, Verlage und Buchkultur. Mit der Frankfurter Buchmesse, zahlreichen Verlagen, Bibliotheken, Literaturhäusern und kulturellen Initiativen verfügen wir über ein einzigartiges Ökosystem, das weit über die Landesgrenzen hinaus ausstrahlt. Wir werden uns weiterhin mit Nachdruck für die Förderung von Literatur und kultureller Vielfalt einsetzen.“
Auch Fischer Sauerländer zieht um – allerdings nicht nach Berlin
Fischer Sauerländer verlegt seinen Sitz zum Januar 2027 von Frankfurt am Main nach München. Der Schritt stärke den Verlag als redaktionell eigenständiges Haus und schaffe zugleich in einem starken Kinder- und Jugendbuch-Umfeld die Grundlage, sein Wachstum konsequent voranzutreiben. München biete exzellente Voraussetzungen: ein dichtes kreatives Netzwerk, kurze Wege zu wichtigen Partnern und die Möglichkeit, einen neuen, dezidiert auf Kinder- und Jugendbücher ausgerichteten Vertrieb aufzubauen. So behalte das Programm seine unverwechselbare Handschrift — und gewinne zugleich an Schlagkraft im Markt.
„München ist für uns eine klare Entscheidung für Wachstum“, sagt Susanne Krebs, verlegerische Geschäftsführerin von Fischer Sauerländer. „Unsere Marken und unsere Autorinnen und Autoren haben großes Potenzial. Am neuen Standort schaffen wir die Bedingungen, es voll auszuschöpfen. Und wir freuen uns darauf, diesen Weg gemeinsam mit unserem Team zu gehen.“
aktualisiert am 17.06.26
3 Kommentare
Ach, welch Abschreiben von Pressemeldungen – ohne zu hinterfragen, was hinter solchen Entscheidungen steckt. Hauptsache: „Unsere Marken haben großes Potential …“ „Schlagkraft am Markt …“ oder „Anknüpfungspunkt und Anspruch zugleich“. Welch Worthülsen! Freut sich das Team wirklich, den Weg gemeinsam zu gehen? Who cares?
Sehr richtig: Worthülsen. Und wem erschließt sich, dass „Entscheidungswege verkürzt“, „Zusammenarbeit intensiviert“ würden, indem man alles auseinanderzieht? Man geht gar nach München, der kurzen Wege wegen…, warum nicht gleich nach Bologna? Warum nicht einfach sagen, wir wollen, wie alle, nach Berlin?
Für mich ist S.Fischer mit Frankfurt verbunden; ich wusste gar nicht, dass die Wiege in Berlin steht. Was hat denn damals den Ausschlag für Frankfurt gegeben?
Und was sagen die Mitarbeiter? „Allen Mitarbeiter:innen werden Angebote für einen Wechsel nach Berlin gemacht.“ Hm, die wollen bestimmt nicht alle umziehen, schon gar nicht die mit Familienanhang. Homeoffice geht natürlich, vor allem :innen, aber es geht nicht immer und nicht immer dauerhaft. Da werden sich bestimmt ein paar Leute überlegen müssen, ob sie umziehen, kündigen oder pendeln.