
Der vom Deutschen Literaturfonds alljährlich vergebene „Paul-Celan-Preis“ für herausragende Übersetzungen ins Deutsche geht in diesem Jahr an Stefan Moster. Der Preis ist seit 2024 mit 25.000 € dotiert. Er wird für ein Gesamtwerk verliehen, jedoch auf der Grundlage einer besonders herausragenden Einzelleistung. Der „Paul-Celan-Preis“ gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen für literarische Übersetzungen im deutschen Sprachraum.
Aus der Begründung der Jury:
„Der Paul-Celan-Preis für herausragende Übersetzungen ins Deutsche geht in diesem Jahr an Stefan Moster, dessen vielfältiges Übersetzungswerk finnische Prosa, Lyrik, Kinderliteratur und Dramen umfasst. Damit rückt er bedeutende Texte, etwa von Mirkka Rekola, Jouni Inkala, Petri Tamminen, Hannu Raittila, Rosa Liksom, Sofi Oksanen, Pajtim Statovci oder Daniel Katz, vom nordöstlichen Rand Europas in unseren Gesichtskreis. In Stefan Mosters Übertragung werden sie zu einer Bereicherung der deutschsprachigen Literatur.
Ganz besonders gilt dies für das Werk von Volter Kilpi (1874–1939), das die Welt finnischer Bauern und Seefahrer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschreibt. Nach Kilpis Monumentalwerk Im Saal von Alastalo hat Stefan Moster einen weiteren Band der Schärentrilogie übertragen, und speziell für diesen ebenfalls dickleibigen Roman, Zur Kirche, spricht die Jury ihm den Paul-Celan-Preis zu. Gegenstand des Werks ist die dreistündige Fahrt von etwa hundert Schärenbewohner:innen zum Gottesdienst auf der Kirchinsel, die in der Mittsommersonne zu einer Feier des Lebens wird. Das traditionalistische Leben der Protagonisten wird dabei mit literarischen Mitteln der Moderne inszeniert, von Multiperspektivität bis zum stream of consciousness.
Die wichtigste Rolle im Roman spielt indessen seine funkelnde, fantasiestrotzende, klangvolle Sprache, die Stefan Moster mit fulminanter Erfindungsenergie übertragen hat. In einem nie zuvor gelesenen Deutsch – von barocker Üppigkeit, mit ausufernden, endlosen, geschmeidigen Sätzen, übersprudelnd von Wortneuschöpfungen – führt er aufs Kirchboot und übers Meer und lässt, auch durch seine präzise recherchierte Terminologie zu Fischerei, Bootsbau und Landwirtschaft, am längst vergangenen Kosmos der Schärenbewohner und ebenso an den Gedanken und Empfindungen zahlreicher Bootspassagiere teilhaben. Den musikalischen, rhythmisch schwingenden, klingenden Bewusstseinsströmen folgend, erlebt die Leserschaft, bezaubert und beglückt, ein wahres Fest der Sprache – dank der meisterhaften, der sensationellen Übersetzungsleistung von Stefan Moster.“
Der Jury gehören an: Svenja Becker, Uwe Englert, Stephan Kleiner, Patricia Klobusiczky und Christiane Körner.
Der Preis wird zusammen mit dem „Großen Preis des Deutschen Literaturfonds“ und weiteren Auszeichnungen am 26. November 2026 im Literarischen Colloquium in Berlin überreicht. Die Laudatio hält Judith Weber, Verlegerin des Mare Verlags.
Unter www.deutscher-literaturfonds.de finden Sie weitere Informationen.
Der Deutsche Literaturfonds wird durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.