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Die Shortlist des Digital Publishing Award

KI mit dem Menschen am Steuer: Verlagsinnovationen für Barrierefreiheit, Audio und Autor:innen – Der internationale Digital Publishing Award gibt vor der Frankfurter Buchmesse zwölf Finalisten aus fünf Ländern bekannt.

Künstliche Intelligenz ist unter den Einreichungen für den Digital Publishing Award keine Ausnahme mehr, sondern Standard. Was die diesjährigen Finalisten auszeichnet, ist die Art, wie sie KI einsetzen, so der dpr: um Bücher barrierefrei zugänglich zu machen, um Hörbücher auch in bislang unterversorgten Sprachen anzubieten und um Autor:innen und Lektor:innen bessere Werkzeuge an die Hand zu geben – wobei die menschliche Expertise stets das letzte Wort behält. Aus 42 Einreichungen aus Europa, Asien, Afrika, dem Nahen Osten sowie Nord- und Südamerika wählte die internationale Jury zwölf Finalisten aus Ägypten, Deutschland, Indien, Großbritannien und den USA aus. Die Gewinner:innen werden am 7. Oktober um 13 Uhr auf der Frankfurter Buchmesse in der Dialogue Networking Area (Foyer Halle 4.0) bekanntgegeben.

Vier Themen prägten die Beratungen der Jury.

• Barrierefreiheit hat sich von der Compliance-Pflicht zum Innovationstreiber entwickelt – von qualitätsgesicherten KI-Alternativtexten bis zur Leseunterstützung für Kinder mit Legasthenie.
• Audio bleibt ein Wachstumsmotor – von serieller Audio-Fiction bis zu KI-gestützten Produktionswerkzeugen.
• Das arabischsprachige Verlagswesen gewinnt digital an Dynamik, gleich zwei Finalisten kommen aus Ägypten.
• Und mehrere Einreichungen denken das Verhältnis zwischen Autoren und Verlagen neu – von der Entdeckung von Manuskripten bis zu transparenten Verkaufsdaten.

Durchgängig achtete die Jury genau darauf, ob Technologie Menschen unterstützt, statt sie zu ersetzen. „Ich bin nicht gegen KI. Aber wir haben beide Welten, und wir müssen keine davon aufgeben“, sagt Jurymitglied Virginie Clayssen, Digital Leader of the Year 2025.

Der Award wird von Bookwire und Rakuten Kobo gesponsert und von der Frankfurter Buchmesse, EDRLab und Publishers Without Borders unterstützt. Verliehen wird er von DIGITAL PUBLISHING REPORT und Publishing Perspectives.

Die Shortlist

PRODUKT / GESCHÄFTSMODELL

Ailaysa Technologies (Indien): Ailaysa
Ailaysa ist für umfangreiche Verlagsinhalte gemacht, nicht für generische Texte. Die adaptive KI bewahrt bei der Übersetzung Terminologie, die Stimme des Autors und sogar das Seitenlayout und lernt aus jeder Korrektur. Die Jury bewertete die Technologie als State of the Art. Mit der Plattform Chai Reader erweitert das Unternehmen die Übersetzung um mehrsprachiges Lesen und Distribution und erschließt so neue Märkte für die Backlists der Verlage. https://www.ailaysa.com/

Nahdet Misr Group (Ägypten): Vom Verlag zum Bildungsökosystem
Nahdet Misr wurde 1938 als Verlag gegründet und hat sein Geschäftsmodell neu gestaltet, statt lediglich seine Produkte zu digitalisieren. Verlagsgeschäft, digitales Lernen, Berufsbildung, Schulmanagement und der EdTech-Investor EdVentures stärken sich heute gegenseitig. Beeindruckt zeigte sich die Jury von den Partnerschaften, die die Gruppe aufgebaut hat, von ihrem stetigen Strom neuer Produkte und ihrem langfristigen Engagement für die Transformation – ein Modell dafür, welche Rolle ein Verlag in der Zukunft der Bildung spielen kann. https://nahdetmisr.com/en/home

Pocket Entertainment (USA/Indien): Pocket FM
Pocket FM hat serielle Audio-Fiction zum Massenformat gemacht. Episodische Geschichten für das Binge-Listening, ein kostenloser Einstieg und das kostenpflichtige Freischalten einzelner Folgen haben weltweit mehr als 250 Millionen Hörer gewonnen. Die Jury hob die Stärke im Audio- und seriellen Storytelling hervor – und eine Creator-Plattform, die Autoren mithilfe von KI dabei unterstützt, ihre Geschichten in großem Maßstab zu produzieren, zu lokalisieren und zu monetarisieren. https://pocketfm.com/

Storywise Technology Services (Großbritannien): Storywise Network
Storywise macht aus einer Absage eine Empfehlung. Autoren, deren Manuskript nicht zu einem Verlag passt, werden in ein Netzwerk eingeladen, in dem KI-basiertes Geschmacks-Matching sie mit Lektoren und Agenten zusammenbringt, die genau nach ihrer Art von Geschichte suchen. Die Jury lobte eine verlagsspezifische Antwort auf einen echten Engpass im Programmeinkauf, einem Teil der Wertschöpfungskette, der selten Beachtung findet. Die lektorische Entscheidung bleibt fest in menschlicher Hand. www.storywisenetwork.com

PROZESS / TECHNOLOGIE

Abjjad (Ägypten): Project Genome
Arabisch wird von mehr als 400 Millionen Menschen gesprochen, doch es gibt nur wenige tausend arabische Hörbücher. Die auf Arabisch ausgerichtete Produktionspipeline von Project Genome ist weitgehend im eigenen Haus entwickelt, mündet in eine vollständige menschliche Qualitätskontrolle und senkt die Produktionskosten um rund 90 Prozent. Die Jury sah überzeugende Belege für die Qualität der Sprachausgabe, eine Pipeline, die jeden Titel vom Skript bis zur Distribution begleitet, und das Potenzial, eine komplette Backlist für eine junge Generation zu erschließen, für die Audio an erster Stelle steht. https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:d819dc3c-0186-4114-baba-79303c449c71

Ernst Klett Sprachen (Deutschland): allango
allango zeigt, wie ein etablierter Bildungsverlag KI in bewährte Didaktik integriert, statt sie nur aufzusetzen. Die Plattform verbindet hybride Lehrwerke, digitale Ausgaben, die allango buddy App und kontextsensitive KI-Werkzeuge für Lernende und Lehrende, vom formativen Feedback zu Schreibaufgaben bis zum Arbeitsblatt-Generator. Für die Jury ein überzeugendes Beispiel dafür, wie KI dem Sprachunterricht dient – im Klassenzimmer, online und im Blended Learning. https://www.allango.net/

MPS Limited (Indien): Context-Driven Agentic AI & Human-in-the-Loop Accessibility
MPS geht den Schritt von KI-generierter zu KI-gesicherter Barrierefreiheit. Die Agenten beschreiben Bilder im Kontext des gesamten Manuskripts, ein zweites Modell prüft jede Beschreibung anhand von Qualitätskriterien, und menschliche Experten validieren schwierige Fälle – ihre Korrekturen fließen zurück ins System. Die Jury würdigte ein skalierbares Modell für inklusives Publizieren, das bei Verlagen bereits in großem Umfang funktioniert. https://www.mpslimited.com/

Pozotron (USA): Pozotron Studio
Pozotron Studio unterstützt die Hörbuchproduktion von der Skriptvorbereitung und Ausspracherecherche bis zu KI-gestütztem Korrekturhören und Qualitätskontrolle. Die Jury beschrieb es als ausgereiftes, rundes und solides Produkt. Es nutzt KI, um Sprecher, Korrekturhörer und Produzenten zu unterstützen, statt sie zu ersetzen – und hilft Verlagen so, einen starken Katalog von Menschen eingesprochener Hörbücher zu erhalten. https://www.pozotron.com/

START-UP

Bookit Digital Technologies (Indien): KitabooONE
KitabooONE nimmt sich eines Problems an, das jede wissenschaftliche Bibliothek kennt: feste Budgets, fragmentierte Kataloge und starre Lizenzen. Einrichtungen reichen ihren Lehrplan und ihr Budget ein, KI gleicht beides mit Millionen von Titeln ab, Experten validieren das Ergebnis, und die Plattform empfiehlt den optimalen Lizenzmix. Der Jury gefiel, wie das Start-up Discovery, Lizenzwissen und Lernwerkzeuge in einem Workflow vereint – und Verlagen einen neuen institutionellen Vertriebsweg eröffnet. https://kitaboo.com/

Flourworks (USA): Whisper by Stck
Mit Whisper können Leser von Fortsetzungsgeschichten mit ihren Lieblingsfiguren sprechen, streng begrenzt auf die Kapitel, die sie bereits gelesen haben, sodass es keine Spoiler gibt. Nur der Autor kann eine Figur freischalten, Preis und Regeln festlegen und sie jederzeit wieder zurückziehen. Die Jury fand das Konzept neu und spielerisch, mit einer klaren Roadmap, und sah darin einen Weg, Character Chats wieder unter die Kontrolle von Autoren und Verlagen zu bringen. https://stck.me/whisper/

Pellerin Books (Großbritannien): Pellerin Books
Pellerin Books hat einen Publikumsverlag „vom Leser her“ aufgebaut: ein selektives Programm, eine garantierte Marketinginvestition für jeden Titel und die aktive Betreuung jedes Buches über seinen gesamten kommerziellen Lebenszyklus. Besonders gefiel der Jury das Pellerin Dashboard, das Autoren nahezu in Echtzeit Zugriff auf Verkaufs-, Marketing- und Honorardaten gibt – ein Maß an Transparenz, das andere Verlage inspirieren könnte. https://pellerinbooks.com/

ReadBee (Deutschland): ReadBee
Jedes vierte Kind hat Schwierigkeiten beim Lesen. Mit ReadBee fotografiert ein Kind eine beliebige gedruckte Seite, und die App baut sie als legastheniefreundliches Leseerlebnis neu auf, mit farbcodierten Silben, anpassbarem Layout und einer visuellen Taktvorgabe für das Lesetempo. Die Jury schätzte, dass ReadBee Kinder bei echten Büchern hält, statt das Lesen durch Zuhören zu ersetzen – und die vorhandene Print-Backlist der Verlage für Leser zugänglich macht, die bisher außen vor blieben. www.readbee.ai

DIGITAL LEADER(SHIP)

Für die Kategorie Digital Leader(ship) wird keine Shortlist veröffentlicht. Die Auszeichnung wird auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben.

Teilnehmende Unternehmen

Folgende Unternehmen haben 2026 teilgenommen, einige mit mehreren Einreichungen: Abjjad, Ailaysa Technologies, Alighieria Systems, Arabookverse, Bookit Digital Technologies (KITABOO), Clube de Autores, Editrix, Ernst Klett Sprachen, Fifreedomtoday, Flourworks (Stck), Fondo Oro Magazine, GiNi (ORG Times), Grain Valley Publishing Company, Grupo Fênix Educação, Immer Systems, Ink An Epic, MPS Limited, MY SMART BOOK, Nahdet Misr Group, NENNA AI, Pellerin Books, Pocket Entertainment (Pocket FM), Pozotron, ReadBee, Samawy, Storywise Technology Services, Supadu, Veristage, Written, ZULA Kids

Die Jury 2026

Der Jury des Digital Publishing Award gehören folgende Digitalexperten an:

• Virginie Clayssen (Digital Leader of the Year 2025)
• Jörg Engelstädter (Canon Europe, Future Book Forum)
• Talita Facchini
• Emma House (Publishers Without Borders)
• Nathan Hull (Beat Technology)
• Ailish Jung (Zebralution)
• Christian Kohl (PLOS)
• Marie-Laurence de Rocher (EDRLab)

Hinweis: Bei der Bewertung einzelner Einreichungen haben sich Jurymitglieder enthalten, wenn sie in irgendeiner Form mit dem einreichenden Unternehmen verbunden waren oder sind.

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