
In der neuen Folge unseres Podcasts „allesBuchMarkt“ ist Juergen Boos zu Gast, der die Frankfurter Buchmesse 2026 zum letzten Mal als Direktor verantwortet.
Im Gespräch geht es u.a. darum, wie man eine Veranstaltung dieser Größenordnung erlebt, wenn man für sie verantwortlich ist? Wie verändert sich der Blick auf die Buchbranche nach zwei Jahrzehnten internationaler Begegnungen, politischer Herausforderungen und tiefgreifender Veränderungen? Ein Ausschnitt aus dem Gespräch:
Herr Boos, Sie leiten die Frankfurter Buchmesse seit mehr als 20 Jahren. Was hat Sie an dieser Aufgabe so lange fasziniert?
Es ist die Mischung aus ganz unterschiedlichen Dingen. Als ich angefangen habe, musste ich erst einmal verstehen, was diese Messe eigentlich alles ist. Mein Vorgänger Volker Neumann hat zu mir gesagt: „Sie brauchen zwei Jahre, bis Sie verstehen, was hier eigentlich passiert.“ Und er hatte recht. Die Frankfurter Buchmesse ist nicht einfach eine Messe, sondern auch ein Instrument der auswärtigen Kulturpolitik und eine Exportorganisation für den deutschen Buchhandel. Mehr als 65 Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland.
Dazu kommt: Die Messe ist ein Ganzjahresgeschäft. Wenn die Frankfurter Buchmesse vorbei ist, beginnt im Grunde schon die Arbeit für die nächste. Gleichzeitig ist man auf den internationalen Buchmessen unterwegs, trifft Verlage, Agenturen und andere Akteure und bekommt mit, welche Themen und Märkte sich entwickeln. Diese internationale Perspektive hat mich immer sehr gereizt.
Was ist für Sie das Entscheidende an der Frankfurter Buchmesse – jenseits von Zahlen, Hallen und Geschäftsabschlüssen?
Es sind die Menschen hinter den Themen, hinter den Büchern. Autoren, Verleger, Kulturvermittler, internationale Partner – letztlich sind es die Menschen und die Begegnungen, von denen die Frankfurter Buchmesse lebt. Das wurde mir auch während der Pandemie noch einmal sehr deutlich.
Wir hatten damals eine digitale Messe und haben sehr viel in digitale Formate investiert. Aber irgendwann hat sich gezeigt: Die Menschen wollen sich wieder persönlich treffen. Gerade im internationalen Rechtegeschäft ist Vertrauen entscheidend. Und Vertrauen entsteht eben auch dadurch, dass man sich begegnet, miteinander spricht und vielleicht abends noch zusammensitzt.
Die Frankfurter Buchmesse gerät immer wieder in politische Konflikte. Wie haben Sie beispielsweise die Auseinandersetzungen rund um den chinesischen Ehrengast 2009 erlebt?
Für uns war damals klar: Wir wollten den Dialog ermöglichen, die Meinungsfreiheit war nicht verhandelbar. Es war vorgesehen, dass auch Themen wie die Situation der Uiguren, Tibet oder Tiananmen angesprochen werden. Das hat zu erheblichen Spannungen geführt.
Später wurde mir dann über Jahre kein Visum für China erteilt. Aber solche Situationen gehören zu einer internationalen Buchmesse dazu. Die Frankfurter Buchmesse bildet gesellschaftliche und politische Entwicklungen ab. Sie bringt sehr unterschiedliche Menschen und Positionen zusammen. Das kann natürlich auch zu Konflikten führen.
2026 ist Ihre letzte Frankfurter Buchmesse. Wie fühlt sich der Abschied nach mehr als 20 Jahren an?
Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, dass das nicht mehr meinen Alltag bestimmt. Ich glaube dennoch, es ist der richtige Zeitpunkt – auch wenn ich mir überhaupt noch nicht vorstellen kann, wie das Leben danach aussehen wird.
Ich möchte eigentlich gar keine große Verabschiedung. Ich würde mich am liebsten in Luft auflösen. Mein Vorgänger hat mehrere Bücher über die Buchmesse geschrieben, und Gottfried Honnefelder hat einmal zu mir gesagt: „Boos, wehe, Sie schreiben ein Buch.“ Das werde ich mir wahrscheinlich zu Herzen nehmen.
Aber natürlich wird die Messe auch ohne mich weitergehen. Und vielleicht ist es ja schön, wenn man irgendwann zurückblickt und sagen kann: Es war eine gute Zeit.
Den vollständigen Podcast hören Sie hier und überall, wo es Podcasts gibt.







