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Gemeinschaftsstand der Ratgeber- und Reiseverlage in Frankfurt: Positive Bilanz mit Ausbaupotenzial

Nicole Schindler (Ulmer) und Christoph Ostermann

Erstmals hatten sich mehrere Ratgeber- und Reiseverlage auf der Frankfurter Buchmesse in Halle 5 zu einem Gemeinschaftsstand zusammengeschlossen, der von Verlagsberater Christoph Ostermann organisiert wurde. Wie kam das neue Konzept bei den Verlagen und beim Publikum an? Und wie haben die Aussteller:innen das neue Hallenkonzept der FBM wahrgenommen? Wir haben nachgefragt.

Die gemeinsame Präsentation habe die Sichtbarkeit der Warengruppen gestärkt, den Austausch zwischen den Verlagen gefördert und Besucherinnen und Besuchern neue Entdeckungen ermöglicht. Zugleich sehen die Aussteller:innen beim neuen Hallenkonzept und bei der Messeorganisation Verbesserungsbedarf.

Für den Tietge Verlag war die Beteiligung am Gemeinschaftsstand ein Erfolg. „Wir konnten als kleiner und noch junger Verlag natürlich von der Strahlkraft unserer in der Branche etablierten Standpartner profitieren“, sagt Verlagsleiter Stephan Fuhrer. Der Verlag habe seinerseits mit seinem Agentur-Background zur Standgestaltung beigetragen und eigene Ideen eingebracht. Eine Wiederholung könne er sich gut vorstellen: Für eine Neuauflage gebe es bereits Überlegungen, wie sich der Stand noch attraktiver und moderner gestalten lasse.

Auch beim Reise Know-How Verlag fällt die Bilanz positiv aus. Geschäftsführer Wayan Rump sieht im Gemeinschaftsstand eine Möglichkeit, die Vielfalt der Reiseverlage sichtbar zu machen und gemeinsam für die Warengruppe Reise einzutreten. Besonders wertvoll seien die Gespräche mit dem Publikum und unter den Verlagen gewesen. Die Verbindung mit den Ratgeberverlagen habe sich ebenfalls bewährt: „Viele Besucher:innen, die eigentlich wegen der Ratgeber an den Stand kamen, haben auch in unseren Reiseführern gestöbert, und umgekehrt genauso.“

Gemeinsame Präsenz als Chance

Auch der Hädecke Verlag bewertet das Konzept positiv. Der Gemeinschaftsstand sei nicht nur überfällig gewesen, sondern ein Gewinn für die Beteiligten, erklärt Simone Graff. Die Gestaltung sei attraktiv und professionell gewesen, die Rückmeldungen des Publikums seien fast durchweg positiv ausgefallen. Besucherinnen und Besucher, die zunächst gezielt nach einem einzelnen Verlag gesucht hätten, hätten anschließend häufig weitere Angebote am Stand entdeckt.

Die Zusammenarbeit über die verschiedenen Themenbereiche hinweg habe gut funktioniert. Auch Veranstaltungen wie Signierstunden und Interviews hätten gezeigt, wie groß insbesondere am Wochenende das Interesse an bekannten Autorinnen und Autoren aus dem Ratgeber- und Reisebereich sei. Graff regt deshalb an, eine eigene Bühne einzurichten oder die vorhandene näher an den künftigen Standort des Gemeinschaftsstands zu verlegen.

Hallenkonzept: gute Idee, schwierige Orientierung

Neben den positiven Erfahrungen äußern die Verlage Kritik am neuen Hallenkonzept. Stephan Fuhrer hält die Umverteilung grundsätzlich für richtig, die Umsetzung sei jedoch noch gewöhnungsbedürftig. Insbesondere an den Fachbesucher:innentagen seien die Besucher:innenströme ungleichmäßig verteilt gewesen.

Wayan Rump bewertet die Grundidee ebenfalls positiv. Die Messe zu entzerren, sei notwendig gewesen. Die Bündelung der Reiseverlage an einem Ort erleichtere es dem Publikum, passende Angebote zu finden und mit den Verlagen ins Gespräch zu kommen. Der Reise Know-How Verlag wolle nun intern Bilanz ziehen und die Vor- und Nachteile des Gemeinschaftsstands sowie des neuen Hallenkonzepts abwägen. Auf dieser Grundlage solle entschieden werden, in welcher Form der Verlag im kommenden Jahr auf der Messe präsent sein werde.

Auch der Hädecke Verlag sieht Schwierigkeiten bei der Orientierung. Das neue Konzept sei für Stammgäste teilweise herausfordernd und nicht immer selbsterklärend gewesen. Hinzugekommen seien eine unzureichend befüllte Messe-App und offenbar nicht ausreichend informierte Mitarbeitende, die Besucherinnen und Besucher teilweise zu falschen Ständen geschickt hätten. Da einige Verlage aufgrund unterschiedlicher Themenschwerpunkte mehrfach auf der Messe vertreten gewesen seien, habe dies die Orientierung zusätzlich erschwert. Graff fordert deshalb eine deutliche Verbesserung der App.

Auch die Lage der Lizenztische in Halle 1.2 und die dortige Einlassregelung seien unpraktisch gewesen. Bei eng getakteten Terminen hätten lange Warteschlangen und die Akkreditierung am Infocounter den Zugang erschwert.

Fortsetzung mit Anpassungen?

Insgesamt sehen die beteiligten Verlage im Gemeinschaftsstand Potenzial für die Zukunft. Die gemeinsame Präsentation habe die thematische Vielfalt sichtbar gemacht und neue Kontakte zwischen den Warengruppen ermöglicht. Während Tietge eine erneute Beteiligung ausdrücklich in Betracht zieht, will Reise Know-How die Erfahrungen zunächst intern auswerten. Der Hädecke Verlag spricht sich für eine Fortsetzung des Standkonzepts aus, verbindet dies jedoch mit konkreten Erwartungen an die weitere Gestaltung, die Veranstaltungsflächen und die Messeorganisation.

Damit fällt die erste Bilanz des Gemeinschaftsstands überwiegend positiv aus. Für eine mögliche Neuauflage wird entscheidend sein, die Vorteile der gemeinsamen Präsentation zu erhalten und zugleich Orientierung, Besucher:innenführung und organisatorische Abläufe zu verbessern.

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