Markt & Marketing Österreichische Autor:innen sprechen sich in offenem Brief gegen Mindestpreis für Bücher aus

In Österreich sind Bücher im Gegensatz zu Deutschland an einen Mindestpreis gebunden, der nicht unter- wohl aber überschritten werden darf. Das Modell wurde auch in Deutschland bereits mehrfach diskutiert, von der Mehrheit der Buchbranche jedoch abgelehnt. Jetzt sorgt der Mindestpreis auch in Österreich für Ablehnung bei Autorinnen und Autoren.

„Die größten österreichischen Buchhandlungen sind dazu übergegangen, Bücher über dem festen Ladenpreis zu verkaufen“, schreibt der Autor Gerhard Ruiss 
von der österreichischen IG Autorinnen Autoren. „Für österreichische Autor:innen ist diese Entwicklung inakzeptabel und zutiefst beunruhigend. Umso mehr, als es auch in Deutschland ein vom Filialbuchhandel deutlich signalisiertes Interesse an der österreichischen Mindestfixpreislösung gibt, die diese Entwicklung ermöglicht.“

Kritisiert wird in dem offenen Brief der IG, der von 423 österreichischen Autor:innen unterschrieben wurde, u.a. dass Autor:innen nicht an den Mehreinnahmen beteiligt werden, allerdings lehne man die Mindestpreis-Regel auch ab wenn dem so wäre, schreibt Ruiss auf Nachfrage.

Gustav Soucek, Geschäftsführer des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels erklärt: „Es gibt Buchhandlungen, die diese Möglichkeit nutzen, genauso wie es viele Buchhandlungen gibt, die den vom Verlag definierten Preis nicht erhöhen. Es liegen uns keine Zahlen vor, die darauf schließen lassen, dass wegen dieser Regelung weniger Bücher gekauft werden. Änderungen zur Mindestpreisregelung sind nicht beabsichtigt.“ Er appelliert stattdessen „zum wiederholten Male an die österreichische Bundesregierung: die Buchbranche benötigt dringend die rasche Umsetzung der im Regierungsprogramm vereinbarten Mehrwertsteuersenkung auf Bücher! Diese Maßnahme würde der gesamten Verwertungskette – Autor:innen, Verlage, Zwischenbuchhandel und Buchhandel – gleichermaßen und entscheidend helfen.“

Die österreichischen, Schweizer und deutschen Autor:innenverbände, IG Autorinnen Autoren, VS und AdS hatten sich schon zuvor gemeinsam gegenüber der EU vehement für den festen Ladenpreis eingesetzt. „Es gibt keinen Grund, von unseren damals vertretenen Standpunkten abzuweichen und egal welcher Aufweichung des festen Ladenpreises mit stiller Duldung zuzusehen oder ihr gar zuzustimmen“, so Ruiss. „Wir behalten uns die Fortsetzung dieser Aufforderung sowie weitere Aktionen vor, sollte es zu keiner Rückkehr des Buchhandels zu einem auch nach oben verbindlichen fixen Ladenpreis kommen.“

Die Aufforderung von 423 Autorinnen und Autoren und den vier größten österreichischen Autor:innenverbänden an den österreichischen Buchhandel zur Einhaltung des festen Ladenpreises

„Wir fordern den sofortigen Stopp der Verteuerung von Büchern durch den Buchhandel auf unsere Kosten.

Unsere Bücher werden vom Buchhandel eigenmächtig verteuert verkauft. Die Bücherpreise liegen je nach Buchhandlung meistens um 1 bis 2 Euro (5 bis 10 Prozent) über dem mit den Autorinnen und Autoren vereinbarten, von den Verlagen festgelegten Ladenpreis. Die Preissteigerungen können auch noch darüber liegen. Rechtlich möglich ist das, weil es sich beim Festen Ladenpreis nach dem österreichischen Modell um einen Mindestpreis handelt, der nur nicht unterschritten werden darf, darüber liegen aber darf er.

Die Gewinnbeteiligungen von Autorinnen und Autoren sind prozentuell an den Festen Ladenpreis gebunden, die kalkulierten Gewinnspannen von Verlagen ebenfalls. Der Buchhandel erwirtschaftet sich ein Mehreinkommen auf unsere Kosten, ohne Gewinnbeteiligungen von uns und ohne Absprache mit uns. Er unterwandert unsere Vertragsbeziehungen und kassiert diese Mehreinnahmen alleine für sich ein.

Praktiziert wird diese früher nicht übliche und mit den Verlagen und den Autor/inn/en nicht vereinbarte Verteuerung der Bücher bereits seit einiger Zeit. Sie droht zur Dauereinrichtung zu werden. Mehrere Proteste gegen diese für Autorinnen und Autoren und ihre Verlage inakzeptable Praxis von Seiten der IG Autorinnen Autoren sind unbeachtet geblieben. Es sind nicht die bedürftigen Einzelbuchhändler, die diese Verteuerungen forcieren, es sind die Marktführer.

Ein aktueller Vorstoß in Deutschland zielt darauf ab, die deutlich schlechtere Regelung in Österreich auch in Deutschland umzusetzen. Wir können nur davor warnen, die österreichische Buchpreisbindung zum Vorbild für eine Neuregelung der deutschen Buchpreisbindung zu machen. Die österreichische Regelung würde über kurz oder lang nur zu einer deutlichen Verschlechterung der Produktions- und Absatzmöglichkeiten und schließlich und endlich zur Aushebelung des Festen Ladenpreises führen.

Wir sind nicht länger gewillt mit dieser eigenmächtigen, vertragsrechtlich nicht abgedeckten Praxis des Buchhandels auf der Grundlage des österreichischen Festen Ladenpreises zu leben. Wir fordern den Buchhandel zur sofortigen Einstellung seiner Sanierungsversuche auf Kosten der Autor/inn/en und Verlage auf. Wir verlangen in all den Fällen, wo das bisher nicht geschehen ist und weiter nicht geschieht, Abgeltungen aus den zusätzlichen Einnahmen durch den Buchhandel.

Wir fordern vom österreichischen Gesetzgeber die umgehende Reparatur des österreichischen festen Ladenpreises nach dem Vorbild des deutschen festen Ladenpreises in seiner jetzigen Fassung.

IG Autorinnen Autoren
Grazer Autorinnen Autorenversammlung
PEN Austria
Österreichischer Schriftsteller/innenverband

sowie Liste der Unterzeichner:innen

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