
Die französische Schriftstellerin und Professorin Hélène Cixous erhält den schwedischen Berman Literature Prize. Die Dotierung des Preises ist dieses Jahr von 750.000 auf 1.000.000 Schwedische Kronen erhöht worden, das entspricht ca. 92.000 Euro.
Die Begründung der Jury lautet:
„Hélène Cixous erhält den Berman Literature Prize für ihren Roman Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem, in dem sie poetische Memoiren verfasst hat, die anhand der Zeugnisse von vier Generationen die Leere nach den Vertriebenen erforschen, das Abwesende kartografieren und den zum Schweigen gebrachten, eine Stimme verleihen”.
„Hélène Cixous zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen, Dramatikerinnen und Denkerinnen unserer Zeit“, sagte der Jury-Vorsitzende Anders Rydell. „Wir freuen uns sehr, ihr den Preis zu verleihen. Ihr Werk ist umfangreich und vielschichtig. Was Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem zu einem so wichtigen Buch macht, ist ihre sprachliche und philosophische Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur des Holocaust. Was lässt sich von dem Verlorenen erinnern? Wie verleiht man den Toten eine Stimme?“
Auf Deutsch liegt das Buch im österreichischen Passagen Verlag vor.
Hélène Cixous wurde in Oran, Algerien 1937 in einer jüdischen Familie mit Wurzeln in Marokko und Deutschland geboren. Sie debütierte 1969 mit dem biografischen Roman Dedans, der ihr den Durchbruch bescherte. Cixous gilt als eine der einflussreichsten Autorinnen und Philosophinnen unserer Zeit. Sie hat über fünfzig belletristische Titel geschrieben, die weltweit veröffentlicht wurden. Sie ist eine zentrale Figur des poststrukturalistischen Feminismus und seit über vierzig Jahren als Hausdramaturgin bei der französischen Avantgardegruppe Théâtre du Soleil tätig.
Geprägt vom Schicksal ihrer Familie während des Holocaust und des Vichy-Regimes, erforscht Cixous Themen wie Exil, Erinnerung und Erfahrung in einer literarischen Praxis, die durch sprachliche Innovation etablierte Machtstrukturen umstürzt. Hélène Cixous hat vier Bücher geschrieben, in denen sie immer wieder auf Osnabrück zurückkommt. In dieser Stadt wurde ihre Mutter 1910 geboren.
Der Berman Literature Prize wurde im Jahr 2020 gestiftet. Mit ihm werden Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet, die im Geist der jüdischen Tradition schreiben, sich der reichen jüdischen Kultur stellen, wie es in den Statuten des Preises heißt, und zugleich »die Zeiten und Kulturen zu überschreiten« versuchen, im Sinne eines universell Menschlichen.
Frühere Preisträger:innen sind David Grossman (2021), Péter Nádas (2022), Maria Stepanova (2023) und Eduardo Halfon (2024). Die Preisverleihung 2026 findet im Rahmen einer Zeremonie am Dienstag, den 20 Oktober, in Stockholm statt.
Mit dem Berman Literature Prize werden Schrifstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet, die im Geist der jüdischen Tradition arbeiten, unabhängig von persönlichen Hintergründen und literarischen Genres. Die Jury des Berman Literature Prize besteht aus Anders Herdevall Rydell, Mats Almegård, Natalie Bloch, Jens Liljestrand, Hynek Pallas und Lizzie Scheja.
Über die Stifter:
Thomas Berman wurde 1943 in Stockholm, Schweden geboren. Er wuchs in Norrköping auf. Catharina Berman (geb. Wranne) wurde 1949 geboren. Sie wuchs in Stockholm auf. Im Jahr 2019 begann man in der Familie Berman, Gespräche über eine Schenkung zu führen, auf deren Grundlage ein Literaturpreis gestiftet werden sollte. Er sollte der jüdischen Tradition gewidmet sein. Um Frühjahr 2020 wurde der Berman Literature Prize offiziell eingerichtet. Eine Organisation wurde geschaffen, eine Jury wurde berufen.