
Der stationäre Einzelhandel durchläuft derzeit eine tiefgreifende Transformation. Innenstädte entwickeln sich weiter, Filialnetze verändern sich und neue Player kommen auf den Markt, während andere Vertriebslinien verschwinden. Der erstmals erscheinende „Handelsmonitor H1 2026“ von EHI und imtargis bietet einen Überblick über die Entwicklungen im stationären Einzelhandel in Deutschland und listet die wichtigsten Markteintritte, Insolvenzen sowie Veränderungen des Filialnetzes für das vergangene Halbjahr auf.
Markteintritte
Im ersten Halbjahr waren im deutschen Einzelhandel zahlreiche Markteintritte zu beobachten – in den meisten Fällen internationale Konzepte. Die neuen Standorte umfassen unterschiedliche Sortimentsbereiche und reichen von alltagstauglichen Konzepten bis hin zum Luxussegment. Dies verdeutlicht die anhaltende Attraktivität des deutschen Einzelhandelsmarkts für internationale Retailer. Die Neueröffnungen konzentrieren sich vor allem auf hochfrequentierte Innenstädte und Shopping-Center in Großstädten und Metropolen.
Mit Møbelkompagniet und Tikamoon sind zwei neue Einzelhändler aus dem Bereich Einrichtungsbedarf auf dem deutschen Markt vertreten. Flabelus ist dem Segment Schuhe und Lederwaren zuzuordnen, während Mey & Edlich sowie Selected das Bekleidungssegment ergänzen. Mit Maria Galland kommt ein Anbieter aus dem Bereich Gesundheits- und Körperpflege hinzu. Baobab Collection ist dem Bereich Dekoration zuzuordnen, Yeti dem Sport- und Campingsegment. Auch das niederländische Gastronomiekonzept Zusje ist hierzulande gestartet. Außerdem treibt Bath & Body Works den Ausbau seines Filialnetzes mit weiteren geplanten Standorten in Deutschland voran. Vereinzelt zeigt sich zudem, dass Onlinehändler stationäre Stores eröffnen, um ihre Markenpräsenz zu stärken. Darüber hinaus expandieren auch international agierende Gastronomie-Konzepte nach Deutschland.
Laufende Insolvenzen
Gegenüberstehend verzeichnete der deutsche Einzelhandel im ersten Halbjahr jedoch auch Unternehmensinsolvenzen. Von diesen waren Vertriebslinien unterschiedlicher Branchen und Größenordnungen betroffen. Die Restrukturierung des Dekohändlers Depot ist weit fortgeschritten. Im Rahmen der zweiten Insolvenz kündigte das Unternehmen die Schließung von 66 weiteren Filialen an, sodass nur noch rund 80 Standorte verbleiben. Erst 2024 durchlief das Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenregie, bei dem die Zahl der Filialen von 400 auf rund 150 reduziert wurde. Mit der Insolvenz der Hellweg-Gruppe, zu der auch die BayWa-Bau- und Gartenmärkte sowie das Gartencenter Augsburg gehören, wird der wirtschaftliche Druck im DIY-Segment deutlich.
Mit Feneberg geriet Anfang 2026 ein regional bedeutender Lebensmittelhändler ins Schutzschirmverfahren. Das Unternehmen reagierte damit auf die anhaltenden wirtschaftlichen Belastungen und prüft im Rahmen der Sanierung eine Anpassung seines Filialnetzes.
Abgeschlossene Insolvenzen
Neben den aktuell laufenden Insolvenzverfahren wurden im ersten Halbjahr 2026 mehrere Verfahren erfolgreich abgeschlossen, darunter die Verfahren von Pepco und der Parfümerie Pieper. Insbesondere Pepco musste sein Filialnetz von rund 65 Filialen um fast die Hälfte verkleinern. Demgegenüber endeten die Insolvenzen von Wormland und Hammer mit einem vollständigen Marktaustritt.
Zu den im ersten Halbjahr abgeschlossenen Verfahren zählt auch die Insolvenz des Herrenbekleidungsherstellers Eterna. In diesem Fall wurde das Unternehmen aufgelöst, die Marke bleibt jedoch durch die Übernahme von Olymp erhalten. Die rund 40 Filialen in Deutschland wurden geschlossen.
Datenbasis:
Der Handelsmonitor von EHI und imtargis untersucht einmal im Halbjahr die Filialbewegungen im stationären, deutschen Einzelhandel. Erfasst werden Maßnahmen der Vertriebslinien (Insolvenzen, Markteintritte und Filialnetzveränderungen) auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen wie Fachmedien, Pressemitteilungen oder amtliche Bekanntmachungen. Trotz sorgfältiger Recherche erhebt die Zusammenstellung keinen Anspruch auf die Vollständigkeit der Daten. Maßnahmen und Unternehmensveränderungen, die nicht oder nur eingeschränkt medial begleitet wurden, können hierbei unberücksichtigt bleiben. Der betrachtete Zeitraum ist das erste Halbjahr 2026.
Der Handelsmonitor ist kostenlos zum Download verfügbar.







