Die Fachmediengruppe Haufe führt in diesem Jahr das Ranking „100 größte Verlage“ des Börsenblatts an. Zeit, CEO Birte Hackenjos nach ihrem Erfolgsrezept zu fragen.

BuchMarkt: Welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht entscheidend für den Erfolg der Haufe Group?
Birte Hackenjos: Die Haufe Group hat ihre Wurzeln im Verlagswesen, ist heute allerdings deutlich breiter aufgestellt. Wir sind Anbieter von Content, Software und Weiterbildung mit den drei starken Marken Haufe, Lexware und Haufe Akademie. Dabei hat sich auch die Marke Haufe selbst konsequent vom reinen Verlagsgeschäft zu einem Lösungsanbieter transformiert: sie verbindet heute smarte Lösungen mit rechtssicherem Fachwissen, um Wissen intuitiv anwendbar zu machen.
Was uns dabei erfolgreich macht?
Erstens die Breite unserer Aufstellung – wir sind nicht von einem einzigen Markt oder Geschäftsmodell abhängig.
Zweitens die Kombination aus der Verlässlichkeit eines Familienunternehmens und der Fähigkeit, sich schnell anzupassen.
Und drittens ein konsequenter Blick auf neue Technologien – immer unter der Frage: Welchen Mehrwehrt bringt das unseren Kundinnen und Kunden?
Welche strategischen Entscheidungen der vergangenen fünf bis zehn Jahre waren besonders prägend?
Es gibt nicht die eine Entscheidung, die ich herausheben würde – prägend war eine Reihe von Weichenstellungen. Mit Blick auf die letzten Jahre sticht eine besonders heraus: Künstliche Intelligenz. Wir haben uns damit schon vor dem öffentlichen Hype um ChatGPT beschäftigt, weil wir früh erkannt haben, welchen Mehrwert das für unsere Kundschaft schaffen kann.
Dabei war uns ein verantwortungsvoller Umgang von Anfang an wichtig. Gerade als Haus mit Verlagswurzeln wissen wir, was geistiges Eigentum wert ist: Urheberrecht sowie die Qualität, Verlässlichkeit und Rechtssicherheit unserer Inhalte – das sind für uns keine nachgelagerten Fragen, sondern Voraussetzungen.
KI ist aber nur ein Beispiel für etwas Grundsätzlicheres. Für uns ist Transformation keine Projektaufgabe mit Anfang und Ende, sondern eine Daueraufgabe. Genau darin liegt unsere Überzeugung: sich nicht auszuruhen und die Fähigkeit zu behalten, kurzfristig zu reagieren und Richtungen anzupassen – auch wenn das unbequem sein kann.
Welche Rolle spielen digitale Geschäftsmodelle heute im Vergleich zum klassischen Verlagsgeschäft?
Ehrlich gesagt ist diese Gegenüberstellung für uns weniger entscheidend, als sie klingt. Uns leitet nicht die Frage ‚digital oder klassisch‘, sondern der konkrete Kundennutzen. Print gehört für uns als kleiner Baustein, den wir bewusst pflegen, selbstverständlich dazu. Digitale Lösungen machen inzwischen aber den weitaus größten Teil unseres Geschäfts aus. Entscheidend ist nicht der Kanal, sondern der Nutzen.
Woher stammt heute der größte Teil der Wertschöpfung: Inhalte, Technologie, Services oder Weiterbildung?
Alle drei Marken – Haufe, Lexware und Haufe Akademie – tragen zum Wachstum der Haufe Group bei, wenn auch mit unterschiedlicher Dynamik. Genau das ist unsere Stärke: Weil wir mit unseren Lösungen und Produkten in unterschiedlichen Märkten mit unterschiedlichen Zielgruppen unterwegs sind, sind wir nicht von einer einzigen Entwicklung abhängig. Das macht uns widerstandsfähiger – gerade heute, in einem Umfeld mit schwacher Konjunktur und zurückhaltenden Investitionen.
Spielt der Buchhandel darin überhaupt noch eine Rolle?
Der Buchhandel ist einer von mehreren Vertriebswegen für uns, gerade bei unserem Content-Angebot. Er steht heute neben anderen Kanälen, aber er hat seinen Platz.
Gibt es Bereiche, in denen die Haufe Group noch stärker wachsen möchte?
Wir sehen für uns gute Wachstumschancen – überall dort, wo wir Menschen in Unternehmen wirklich weiterhelfen. Wachstum ist für uns kein Selbstzweck. Es folgt daraus, dass wir den Kundennutzen konsequent in den Mittelpunkt stellen. Solange wir das tun, mache ich mir um Wachstumsfelder keine Sorgen.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg






