
Kinder, die selbst gerade lesen gelernt haben, lesen Kindergartenkindern vor: Mit dieser Idee gewinnt die Altstadt Buchhandlung Murten den erstmals verliehenen LeseFunken der Genossenschaft Schweizer Buchzentrum. Die Jury zeichnet zusätzlich den Bücherladen Appenzell sowie den Chinderbuechlade Bern & Thun aus.

Für das Projekt «Ich kann schon lesen und erzähle eine Geschichte» erhält die Altstadt Buchhandlung Murten den LeseFunken 2026 und damit 3.000 Franken Preisgeld sowie ein Fachcoaching im Wert von 2.000 Franken.
Die Idee setzt konsequent auf Kinder als Lesevorbilder: In Zusammenarbeit mit der Primarschule Murten werden Erstklässlerinnen und Erstklässler, die im Vorjahr eine Lesetasche erhalten haben, zu Lesebotschafterinnen und Lesebotschaftern. Sie lesen Kindergartenkindern vor und geben ihre Freude daran weiter. Damit stärken sie gleichzeitig ihre eigenen Lesefähigkeiten und ihr Selbstvertrauen. Überzeugt hat die fünfköpfige Fachjury, bestehend aus Schweizer Leseförderexpert:innen und Persönlichkeiten der Buchbranche, insbesondere die Vorbildwirkung unter den Kindern. Lesen wird nicht aus der Erwachsenenperspektive vermittelt, sondern von Kind zu Kind. Hinzu kommen die enge Zusammenarbeit mit der Schule, die gemeinsame Auseinandersetzung mit Geschichten sowie die sozialen und verbindenden Aspekte des Projekts. Gleichzeitig ist die Idee einfach auf andere Schulen, Buchhandlungen und Zielgruppen übertragbar.
«Die Vielfalt und Qualität der eingereichten Projekte hat uns beeindruckt», sagt Maria Riss, Jurymitglied und Initiantin des Zentrums Lesen der Pädagogischen Hochschule der FHNW. «Die Altstadt Buchhandlung schafft mit ihrem Angebot niederschwellige Zugänge zum Lesen und bringt Literatur direkt an die Kinder. Genau solche Ideen brauchen wir, um Leseförderung in der Schweiz sichtbar und wirksam zu gestalten.»
Die offizielle Preisverleihung findet am Mittwoch, 7. Oktober um 17 Uhr in der Altstadt Buchhandlung, im Beisein von Kindern, in Murten statt.
Zwei weitere Projekte ausgezeichnet
Insgesamt wurden zwölf Projekte für den LeseFunken 2026 eingereicht. Aufgrund der hohen Qualität der Bewerbungen hat die Genossenschaft Schweizer Buchzentrum als Initiantin und Projektauftraggeberin entschieden, zusätzlich einen zweiten und einen dritten Preis mit je 1.000 Franken zu vergeben.
Der zweite Platz geht an den Bücherladen Appenzell mit dem Projekt «Weihnachtsaktion – Über Sprachgrenzen hinaus». Aus einer Begegnung mit dem Asylzentrum Appenzell entstand eine Sammelaktion für fremd- und mehrsprachige Bücher. Gemeinsam mit Kundinnen und Kunden, Verlagen und dem Asylzentrum wurde eine Bibliothek aufgebaut. Sie ermöglicht Geflüchteten den Zugang zu Büchern in ihrer Muttersprache und kann gleichzeitig den Erwerb der deutschen Sprache unterstützen.
Den dritten Platz erhält der Chinderbuechlade Bern & Thun für «Elternabend – Rent a Bücherwurm!». Das Angebot bringt Leseförderung direkt an Elternabende von Schulen, inklusive spezifische Buchvorschläge. Eltern erfahren konkret, weshalb Vorlesen auch nach dem Schuleintritt wichtig bleibt und wie gemeinsames Lesen zu Hause die Sprach- und Lesekompetenz von Kindern unterstützen kann. Unabhängig davon, in welcher Familiensprache vorgelesen wird.
«Die eingegebenen Projekte zeugen von einer eindrücklichen Auseinandersetzung, wie Buchhandlungen nachhaltige, leseförderliche Angebote für unterschiedliche Zielgruppen gestalten können», betont Barbara Jakob vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM.
Buchhandlungen als Orte der Leseförderung sichtbar machen
Der LeseFunken zeichnet Projekte aus, die Lesefreude und Literaturvermittlung stärken und über klassische Lesungen hinausgehen. Gleichzeitig mache diese erste Schweizer Auszeichnung sichtbar, welchen wichtigen Beitrag Buchhandlungen für Bildung, Kultur und das gesellschaftliche Miteinander leisten.
Verliehen wird der Leseförderpreis LeseFunken von der Genossenschaft Schweizer Buchzentrum. Sie initiierte 2024 ein Projekt, das Buchhandlungen dabei unterstützt, mehr Menschen zu Lesenden zu machen. 2026 hat die Genossenschaft daraus den LeseFunken ins Leben gerufen, um dieses Engagement der Buchhandlungen zu würdigen und die Rolle des Buchhandels in der Leseförderung sichtbar zu machen.
«Es braucht eine stärkere Anerkennung der Leseförderungsarbeit, die Buchhandlungen Tag für Tag leisten. Sie bringen Bücher zu den Menschen, wecken mit gezielten Aktionen die Lesefreude bei Kindern und unterstützen Schulen bei der Förderung der Lesekompetenz. Denn Lesen ist weit mehr als nur eine von vielen Fähigkeiten – es ist eine grundlegende Lebenskompetenz, die Menschen den Zugang zu Bildung sowie zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe eröffnet», sagt Heinz Hodel, Verwaltungspräsident der Genossenschaft Schweizer Buchzentrum und Projektauftraggeber.
Als zusätzliche Anerkennung für ihr Engagement lädt die Genossenschaft Schweizer Buchzentrum alle am LeseFunken 2026 teilnehmenden Buchhandlungen zu einem Fachworkshop ein. In diesem wird vermittelt, wie Buchhandlungen ihre Projekte und ihr Engagement in der Öffentlichkeit noch stärker sichtbar machen können.







