
Katja Böhne, Pressesprecherin der Frankfurter Buchmesse, wies in ihrer Begrüßung auf den neuen Ort hin: Erstmals wurde die Pressekonferenz mitten auf der Agora, der Messe-Freifläche, nämlich im Audi-Pavillon, der nun Open Space heißt, eröffnet.
Nur die hellblauen Buchmesse-Plakate unterbrachen im Innenraum des muschelähnlichen, futuristischen Baus das schwarz-weiße Interieur.
„Es ist ungewöhnlich, in so einem Raum zu sitzen“, stellte Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, fest. Die dergestalt direkte Verbindung von Büchern und Autos nannte er fabelhaft. Er forderte jedoch mehr Licht im Raum: „Ich kann ja keinen entdecken!“, äußerte er. Seinem Wunsch kam man einseitig nach – während es auf der linken Seite des Saales heller wurde, blieb die rechte schwarz.
Gottfried Honnefelder sprach die Zukunftskonferenz der Branche an, die vor vier Wochen in Frankfurt stattfand und zu der sich etwa 150 Verleger trafen. Das Thema lautete: Wie wird sich die Branche in 15 Jahren entwickelt haben? Das zentrale Signal der Konferenz war: Der Buchmarkt wächst, allen anders lautenden Stimmen im Feuilleton zum Trotz. Die Branche sei also von Optimismus geprägt und für die Zukunft gerüstet.
Eine weitere wichtige Frage bezog sich auf die Zukunft des stationären Buchhandels. Noch immer erwirtschaften die Sortimente etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes. Das soll auch in den nächsten Jahren so bleiben. Notwendig ist, dass sich die Buchhändler am digitalen Geschäft beteiligen – die Verlage werden sie weiterhin brauchen.
Der Vorsteher ging außerdem auf das Thema Internetpiraterie ein. Der Markt für elektronische Branchenprodukte sei zwar klein, aber die illegale Entwicklung auf diesem Markt sei heute schon der legalen voraus: Etwa 60 Prozent aller E-Books werden illegal heruntergeladen. „Diese Tatsache macht uns sehr unruhig. Und die Politik tut in bemerkenswerter Weise nichts“, kritisierte Gottfried Honnefelder. Dies sei eine katastrophale Entwicklung für das Urheberrecht. Es könne nicht sein, dass die Urheber geistiger Werke leer ausgingen.
Messedirektor Juergen Boos bezog sich auf ein kurz vor der Pressekonferenz geführtes Gespräch, in dem festgestellt wurde, dass auf manchen Märkten das 100-fache an Lesegeräten gegenüber verkauften E-Books zur Verfügung steht. Ein merkwürdiges Verhältnis.
Die 63. Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr sei von einem Aufbruch gekennzeichnet, in der Branche wird sich neu orientiert. Fragen, die alle bewegen, sind: Was passiert mit dem Wort? Was mit den Büchermenschen? Wem gehören die Rechte an gemeinsam erarbeiteten Werken, die Bücher, Filme, Spiele sein können? „Wir müssen auf neuen Gebieten reüssieren!“, forderte der Messechef. Die Kompetenz der Branche muss auf neue Geschäfte angewendet werden.
Diese Halle sei übrigens ein gutes Beispiel der Verbindung von Altem und Neuem: Während hinter dem Publikum der Pressekonferenz im Projekt Murmur Study von Christopher P. Baker 132 Drucker rattern und Wortfahnen aus Twittermeldungen produzieren, befindet sich auf der anderen Seite der Antiquariatsbereich.
„Literatur und Automobilindustrie befinden sich beide im Umbruch“, konstatierte Peter Schwarzenbauer, Vorstand Marketing und Vertrieb der Audi AG. Er sprach über automobile Visionen und zentrale Erkenntnisse.
Technisch sei heute schon vieles machbar, doch die Gesellschaft muss entscheiden, was ihr wichtig ist und wie sie leben will. Das Auto sei dabei ein Knotenpunkt im Gesamtsystem. Zunehmend ist neues Denken gefragt, wichtige Ideen entstehen dabei an Schnittstellen verschiedener Bereiche. Die Buchmesse biete einen guten Platz für den Austausch von Meinungen zwischen Menschen, die sonst nicht zusammen kämen. Peter Schwarzenbauer versteht das Engagement von Audi auf der Buchmesse als Beginn eines offenen Dialogs. In den Formaten Open Talks und Collective Storytelling werden Autoren, Wissenschaftler und Kreative im Gespräch und in gemeinsamen Aktionen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit erkunden.
Die Fragerunde gestaltete sich – zunächst leider im dunklen Raum – eher verhalten. Nicht nur anwesende Journalisten stellten Fragen, auch der Einwurf eines Bloggers von außen wurde beantwortet: Er regte eine Flatrate für Downloads aus dem Internet an. Gottfried Honnefelder sah darin allerdings eher eine Problematik als eine Lösung.
JF







