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BücherFrauen: Frustrierende Studie und mögliche Auswege

Dorothée Werner, Ulrike Helmer, Annette Kühn,
Miriam Semrau und Maria Akhavan (v.l.)

Gestern Abend diskutierten die BücherFrauen im Literaturhaus in Frankfurt über die kürzlich im Ulrike Helmer Verlag erschienene Studie MehrWert. Arbeiten in der Buchbranche heute, herausgegeben von den BücherFrauen e.V.

Auf dem Podium standen Verlegerin Ulrike Helmer, die Programmleiterin von luxbooks, Annette Kühn, Miriam Semrau, Finanzmanagerin in der Konsumgüterindustrie und Bloggerin bei LovelyBooks, und Maria Akhavan, Verlagsbereichsleiterin im Gabler Verlag, Rede und Antwort. Dorothée Werner, Referentin des Hauptgeschäftsführers beim Börsenverein, moderierte das Gespräch.

Kathrin Grün von der Frankfurter Buchmesse begrüßte die in der Mehrzahl weiblichen Gäste. Dann stellte Dorothée Werner einige Fragen, die auch in der Studie beantwortet wurden, ans Publikum: Wer ist mit seiner Arbeit zufrieden, wer mit seinem Gehalt? Während auf die erste Frage fast alle die Arme hoben, blieb bei Frage zwei nicht eine Hand in der Luft. Warum ist das so?

Miriam Semrau berichtete aus ihrer Branche, bei der am Ende des Tages an konkreten Zahlen ablesbar ist, ob die Arbeit erfolgreich war oder nicht. Bei ihrem Arbeitgeber werden sowohl Tariflöhne als auch außertarifliche Löhne gezahlt. Das System ist transparent und nachvollziehbar, vielleicht, weil es sich um eine amerikanische Firma handelt und in Übersee andere Gepflogenheiten gelten. Dennoch: Frauen sollten sich mehr trauen.

Dorothée Werner nannte Zahlen; so verdienen Frauen bei gleicher Arbeit 37 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – ziemlich erschreckend. Genauso die Tatsache, dass nur wenige Frauen in Führungspositionen zu finden sind. Dabei ist die Buchbranche zu über 80 Prozent weiblich – doch die Männer geben die Richtung an.

Leider ist gesamtgesellschaftlich die Tendenz zu erkennen, dass Feminisierung auch Prekarisierung bedeutet, das trifft nicht nur auf die Buchbranche zu. Wie kann man diese Entwicklung verhindern? Eine Antwort darauf wurde nicht gefunden.

Annette Kühn schilderte die Doppelschiene der Verlagsarbeit: Einerseits geht es um Kultur, andererseits um Kapital, in der Kalkulation muss beides beachtet und möglichst miteinander vereinbart werden. Die Programmleiterin braucht im Verlag die Auseinandersetzung mit Inhalten, das bedeutet für sie Zufriedenheit in ihrer Arbeit.

„Manche Verlage versuchen mit ihrem Programm eine Mischung aus Herzblut und Kalkulation. Fakt ist, Geld verdienen müssen wir alle“, bemerkte Ulrike Helmer. Denn jemand, der sich diesen Beruf leisten kann – wie Dorothée Werner einmal zu hören bekam – ist die Ausnahme.

Maria Akhavan fiel auf, dass Frauen und Männer sehr unterschiedliche Forderungen an ihren Beruf stellen. Während für die Männer ein dickes Auto, ein hohes Gehalt und ein repräsentatives Büro wichtige Statusmerkmale sind, ist Frauen Zufriedenheit mit dem Job, Spaß an der Arbeit und ein nettes Team wichtiger. Sollten Frauen da umdenken?

Ulrike Helmer fügte eine weitere Beobachtung hinzu: Während Männer, wenn sie Väter werden, oft mehr Gehalt gezahlt wird – er muss ja jetzt eine Familie ernähren – wird bei Frauen, die Kinder bekommen, oft versucht, Gehaltskürzungen zu verhandeln – wahrscheinlich sei mit häufigen Ausfällen aufgrund von Erkrankungen des Kindes zu rechnen. Ist das gerecht? Die Haltung der Gesellschaft muss sich verändern, mehr Selbstbewusstsein der Frauen könnte dabei helfen.

Fazit des Abends: Die Studie (war auch Thema kürzlich in unserem „Sonntagsgespräch“) ist zwar frustrierend, aber wichtig. Sie sollte Ausgangspunkt für mehr Mut, mehr Engagement, mehr Zutrauen nicht nur der BücherFrauen sein.

JF

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