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Ausstellung „Doppelleben“ in Frankfurt am Main eröffnet

Bilder und Pressestimmen im Treppenhaus

Gestern Abend wurde im Literaturhaus in Frankfurt die erstmals vom 26. April bis 12. Juli in Berlin gezeigte Ausstellung Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland [mehr…] eröffnet.

In der Mainmetropole erhielt sie entsprechende wichtige regionale Erweiterungen, so ist der ersten Nachkriegsbuchmesse von 1949 ein ganzer Bereich und ein Abend im Begleitprogramm gewidmet.

Literaturhaus-Chefin Maria Gazzetti begrüßte die Gäste und wies auf die Besonderheiten der Frankfurter Exposition hin.

Oberbürgermeisterin Petra Roth unterstrich die Bedeutung Frankfurts als Messe-, Verlags- und Literaturstadt. Sie berichtete von eigenen Leseerfahrungen in ihrer Kindheit. Erst später wurde ihr das Schicksal während der Nazizeit verfolgter Schriftsteller bewusst, beispielhaft dafür nannte sie die Autorin Else Ury, die 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.

„Die Ausstellung kommt zur rechten Zeit“, bekräftigte Horst Claussen, Ministerialrat beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und spannte damit den Bogen zu den Jubiläen 60 Jahre Bundesrepublik und Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und 20 Jahre Mauerfall.
Er unterstrich die Leistungen der Akademie, deren Sinn nicht das Repräsentieren sei und zitierte Gottfried Benn, der sich Weihnachten 1945 über die Preußische Dichterakademie Gedanken machte: „Meine Frage, welchen Sinn und Inhalt diese Akademie heute haben sollte, wird mit ‚Repräsentation‘ beantwortet. Gelächter, sage ich! Wer, für wen und was? 1933 wurden die Mitglieder auf Befehl der Faschisten gestrichen, heute auf Befehl der Antifaschisten, kommen morgen die Katholiken zur Macht, hängen wir eine Madonna an die Wand und legen Rosenkränze vor die Sitzungsteilnehmer – also: entweder es gibt die Kunst dann ist sie autonom, oder es gibt sie nicht, dann wollen wir nach Hause gehen.“

Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung, wies auf die Zeit nach Kriegsende hin, die von „Kulturhunger“ geprägt war. Dabei kam es zwischen Althergebrachtem und Neuem zu Streitigkeiten wie den Darmstädter Kunststreit, die sogar bis vor den Landtag führten.

Der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Klaus Reichert, wies mit einem Augenzwinkern auf Parallelen der Akademie-Arbeit von heute und damals hin; auch gegenwärtig wird viel – vom Schreinern bis zu Transporten – von den Akademiemitgliedern selbst bewältigt. Er erinnerte an den Beginn der Buchmesse 1949, als Heinrich Cobet in seinem Antiquariat in der Börsenstraße zwei Kisten aufstellte und eine dicke Spanplatte darüber legte – das war das erste Messebüro. „Damals krempelte man die Ärmel hoch und machte“, schilderte Klaus Reichert die Aufbruchstimmung.

Zum Akademie-Jubiläum merkte er an: „Es geht nicht darum, uns zu feiern, sondern sich an die Wurzeln der Akademie zu erinnern.“ Die Anfänge der Akademie sind nicht gerade ein Ruhmesblatt. Auch das will die Ausstellung zeigen, die von Station zu Station ergänzt wird.

Auf einzelne Bereiche der Exposition ging anschließend ihr Kurator Helmut Böttiger ein.

Die Exposition in Frankfurt ist noch bis zum 18. Oktober zu besichtigen – man sollte dafür viel Zeit einplanen.

JF

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