
Umgeben von den Werken der Ausstellung DDR – BRD Buchkunst. Unter Druck – Pressendrucke [mehr…] sprachen gestern Nachmittag die Buchkünstler Sabine Golde aus Leipzig und Uwe Warnke aus Berlin im Klingspor-Muesum Offenbach über ihre Erfahrungen als Künstler in der DDR und im vereinten Deutschland nach der Wende.
Dr. Stefan Soltek, Leiter des Museums, freute sich, außerdem den druckfrischen 2. Band der Edition Buchverhandlungen, herausgegeben vom Klingspor-Museum und vom Gutenberg Museum Mainz vorstellen zu können.
Beide Künstler schilderten im Gespräch, wie sie zur Buchkunst kamen. Die Leipzigerin Sabine Golde verwies auf die langjährige Buchtradition in ihrer Heimatstadt, die nach dem 2. Weltkrieg wieder auflebte, ohne in DDR-Zeiten ihre vormalige Größe wieder zu erreichen. Ihr Lehrmeister an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig war Prof. Gert Wunderlich, Erfinder der Schrift Maxima. Kein Wunder, dass sie sich intensiv mit Typografie beschäftigte.
Einen längeren Weg brauchte Uwe Warnke, bis er herausfand, wohin er wollte. In Dresden hatte er Kartografie studiert, ein von ihm bevorzugter Halbtagsjob, der ihm Zeit für seine künstlerische Erprobung ließ, war in der DDR undenkbar. So liest man in Warnkes Biografie die verschiedensten Berufe, wie Heizer oder Friedhofsgärtner. Er lebte nicht im Untergrund, denn „zwischen Staat und Untergrund gab es eine großes graues Nebelfeld“. In den 80er Jahren hatten die Repressalien der 60er Jahre ihren Schrecken verloren, keinem wurde mehr, wenn er nicht ganz und gar systemtreu war, mit Verschickung nach Sibirien gedroht.
Den Aufbruch der 80er Jahre nahm auch Sabine Golde wahr. In Leipzig wurde 1983 die Galerie Eigen+Art gegründet, es tat sich etwas. 1986 entstand das Künstlerbuch Unaulutu von Frieder Heinze und Olaf Wegewitz, von dem Sabine Golde begeistert war.
„In Dresden standen die Buchkünstler knietief in der Tradition der Brücke“, berichtet Uwe Warnke. Dennoch gründete sich 1978 die Obergrabenpresse. In der DDR bestand die Möglichkeit, 99 Exemplare ohne eine Genehmigung zu drucken. Solche Spielräume wurden genutzt.
Als Bernhard Heisig das zweite Mal Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig war (1976 bis 1987), passierte dort viel, erzählte Sabine Golde. Die Schule bot praktisch eine Schutzmauer für alle möglichen Aktivitäten. Von 1924 bis 1989 fand in Leipzig die Internationale Buchkunst-Ausstellung (iba) statt, eine besondere Gelegenheit, sich mit Buchkünstlern aus aller Welt zu treffen. Der erste Auslandsbesuch nach der Wende führte Sabine Golde nach Offenbach am Main, hier traf sie nicht nur Gleichgesinnte, sondern spürte auch die Nähe der Vorstellungen, ja sogar Lebensumstände.
Nach der Wende änderten sich für Uwe Warnke die Anforderungen. Während vor 1989 Bücher „aus dem Bauch heraus“ produziert wurden, kamen nach 1989 die Erfordernisse des Marktes ins Spiel, man musste umdenken. 1990 gründete er den Verlag Warnke & Maas.
Für Sabine Golde sind Emotionen schon immer wichtig bei der Buchkunst. Nach der Wende hat die Materialität zugenommen, durch die massenhafte Einführung neuer Techniken ergeben sich größere Ausdrucksmöglichkeiten. Nicht zu vergessen sind die gefallenen Reiseeinschränkungen.
Mit dem Gedicht Addition der Differenzen von Andreas Koziol bringt Uwe Warnke die Veränderungen auf den Punkt.
JF







