Langenscheidt hat sich von allen Aktivitäten, die in Mannheim konzentriert waren, getrennt [mehr…]. Das war Anlass für Fragen an Andreas Langenscheidt.
Herr Langenscheidt, das war ein Schritt, der nicht überall verstanden worden ist.
Andreas Langenscheidt: Wir haben über 20 Jahre lang viel Zeit und viel Engagement für und in Mannheim aufgewendet, dort große Erfolge erzielt, aber auch große

Abschied mit Wehmut, aber
mit internationalem Ziel
Umsatzschwankungen erlebt. Rückblickend bin ich stolz und zufrieden, wie wir das Unternehmen und seine Marken weiterentwickeln konnten. Wir haben in den letzten Jahren aber erkannt, dass insbesondere die Marke Duden langfristig vorrangig Wachstumschancen im schulischen Umfeld haben wird und deshalb galt es, einen geeigneten Partner zu finden, der Duden nun weiter in die Zukunft führt.
Und das ist Cornelsen?
Ja, davon bin ich überzeugt, weil Cornelsen alle Voraussetzungen hat, das Thema „Deutsche Sprache“ weiter zu entwickeln, und auch neue Zielgruppen dafür zu gewinnen. Schule, Angebote für den Nachmittagsmarkt, Studienkreis – all das bildet ein exzellentes Umfeld. Zu dieser Vielfalt zum Thema Bildung sind wir nicht aufgestellt. Die Langenscheidt Verlagsgruppe ist dagegen sehr gut international aufgestellt und wird diese Stärke künftig noch mehr nutzen. Wir werden somit verstärkt auf die Bereiche Fremdsprachen und Reise ausbauen.
Eine Erkenntnis, die durch das Vordringen des Internets in Ihre Märkte gekommen ist?
Nein. Das Internet stellt uns zwar vor große Herausforderungen, im Bereich des Nachschlagens von A-Z, also Brockhaus, mussten wir erkennen, dass unser Erlösmodell durch das Internet und die Internet-Community-Entwicklungen bedroht ist. Bei Duden haben wir aber eine andere Situation.
Kamen die Bemühungen mit Brockkaus online zu spät?
Brockhaus online war nicht der erste Versuch. Wir haben mit hohen Investitionen vor vielen Jahren mit dem Projekt Xipolis schon einmal einen Anlauf in Mannheim genommen, der aber leider gescheitert ist. Vor einigen Wochen konnten wir gerade in den Medien verfolgen, dass sowohl Wikipedia als auch z.B. Knol mit den Schwierigkeiten der Refinanzierung eines kostenfreien Portals konfrontiert sind. Im Bereich Wissen gab es in letzter Zeit mit Meyers Online Versuche, ebenso mit Brockhaus. Der entscheidende Punkt ist schließlich das Erlösmodell. Ich kenne im Moment kein Verlagsunternehmen, das mit kostenlosen Inhalten, ernsthaft Geld verdient.
Hätte das Festhalten an Mannheim das Mutterhaus Langenscheidt bedroht?
Nein, überhaupt nicht. Wir sind aber seit über 150 Jahren gefordert unser Unternehmen auf neue Gegebenheiten auszurichten und Wachstumschancen nicht nur zu erkennen sondern auch zu nutzen. Eine Konzentration und strategische Neuausrichtung, wie wir sie gerade vornehmen, ist daher der richtige Schritt für die Langenscheidt-Gruppe. Wir können jetzt verstärkt unser Augenmerk auf unsere Märkte im Ausland richten, wo wir große Chancen sehen. Auch der Inlandsmarkt bietet noch einige interessante Optionen..
Wo sind die?
Für gesicherte Nachrichten ist es noch zu früh. Nur so viel: In Spanien sind wir derzeit mit einer Neugründung sehr erfolgreich; in Singapur haben wir schon jetzt um die 100 Mitarbeiter. Und für den riesigen Markt China arbeiten wir gerade an einem Joint Venture mit einem Partner vor Ort.
Der Wörterbuchmarkt ist nicht auch durch das Internet bedroht?
Die Produkte sind nicht vergleichbar. Zwar wissen wir, dass der Gesamtmarkt der fremdsprachigen Großwörterbücher seit ein paar Jahren rückläufig ist, wir registrieren aber insgesamt sehr stabile Zahlen und in vielen Produktgruppen wachsende Marktanteile für Langenscheidt. Aber natürlich setzen wir uns bei Langenscheidt, schon alleine aus Tradition, intensiv mit zusätzlichen und neuen Plattformen und Medien auseinander. Dazu gehört auch das Internet.
Wie sieht denn der Stand der Dinge jetzt aus, das werden doch auch die Mitarbeiter vor Ort wissen wollen?
Darüber muss Cornelsen Auskunft geben, aber ich kann mir aufgrund der langjährigen Erfahrung mit Cornelsen vorstellen, dass Cornelsen (die Erfahrung mit Oldenbourg hat das ja auch gezeigt) versuchen wird, bewährte Strukturen zu erhalten. Davon sind wir auch ausgegangen, als wir uns mit unserem Beirat zusammen entschlossen haben, unseren Mehrheitsanteil zu verkaufen.
Für die Berliner ein Grund zu feiern…
Ich denke, da mit dieser Transaktion eine weiter erfolgreiche Zukunft für Duden & Co. gewährleistet ist, ist das schon Anlass zur Zufriedenheit. Trotzdem begleitet mich dieser Tage ein Stück Wehmut, schließlich gehörte das BI über 20 Jahre zu meinem verlegerischen Leben. Das abzuschließen ist emotional nie leicht, bringt aber neue spannende Aufgaben mit sich.