Für so manchen Buchhändler fand gestern bereits der Auftakt der Leipziger Buchmesse statt: Die Vereinigten Verlagsauslieferungen (VVA) lud zur 10. Sortimentertagung der im

haken nach
CCL auf dem Gelände der Leipziger Messe. Auch auf dieser Tagung ging es um das Thema, das die Branche derzeit bewegt: „Digitale Zukunft – Herausforderung oder Untergang?“
Vorab gab VVA-Arvato-Geschäftsführer Stefan Schierke einen aktuellen Bericht zur Lage der VVA, die heute am ersten Messetag ihren 50. Geburtstag feiert. „Wir liefern mehr Bücher aus als je zuvor, aber die anderen Geschäftsbereiche haben sich weitaus dynamischer entwickelt. Aber wir vergessen nicht, woher wir kommen“, sagte Schierke.
Allerdings musste er auch feststellen: „Das Traurige ist, dass wir im Lager schneller wachsen als wir ausliefern.“ Das konnte die VVA vor allem durch Neugewinnung von Kunden ausgleichen. Besonders interessant nannte Schierke dabei den Spielehersteller Amigo. „Mit Amigo stärken wir den Spielemarkt, den auch Kosmos bereits bedient.“ Denn: „Wir sollten uns auch in den unmittelbar benachbarten Märkten bewegen“, so Schierke.
Nicht so einfach hat es offensichtlich der Verlegerdienst München. „Der Standort soll erhalten bleiben, das positive Image über viele Jahre nehmen wir ernst“, so Schierke. Allerdings habe der Unternehmensteil auch Kunden verloren wie Xenos und Oldenbourg. In München sollen in Zukunft probeweise Novitäten und Backlist-Titel gebündelt werden, dazu wurden bereits erste Tests in Gütersloh gemacht.
Schierke bekräftigte sein Bestreben Print-On-Demand-Bestellungen in die VVA-Aktivitäten zu integrieren. Er könne sich nicht vorstellen, dass jede Buchhandlung eine eigene Espresso Druckmaschine aufstellen will. Und kündigte an: „In den Verhandlungen mit BOD stehen wir vor einem Durchbruch.“, Allerdings rede man inzwischen mit einem weiteren Anbieter, so Schierke
Außerdem habe die VVA die Sammelrechnung eingeführt. Damit bekommen die Buchhändler jetzt jeden Monat eine Rechnung über alle Verlage mit den entsprechenden Umsatzsteuerbeträgen. Damit soll die Umsatzsteuerabrechnung vereinfacht werden. Die zusätzlichen Fälligkeitsrechnungen dürfen umsatzsteuerrechtlich nicht zur Buchung herangezogen werden, betonte er.
Zum Inhalt des Tagungsthemas sagte Schierke: „Die VVA diskutiert nicht mehr, ob das e-Book ein Markt wird, wir diskutieren wie es ein Markt wird.“ Und warnte: „Der Vertriebssysteme der physischen Bücher werden sich nicht in die digitale Welt retten lassen. Sie müssen wach bleiben und die Marktveränderungen beobachten.“
Wiederholt vertrat er die Ansicht: „Ich glaube nicht, dass E-Books preisgebunden bleiben können.“ Denn: „Wenn in Deutschland keine Preisbündelungen zum Beispiel für Bibliotheken durchsetzbar sind, dann wird der Server in den USA stehen.“

das Gespräch
Das Tagungsthema moderierte dann Unternehmensberaterin Martina Tittel ein Gespräch von vier Gesprächsteilnehmern. Dabei machte Ruth Klinkenberg von der Bücherstube Marga Schöller deutlich, dass ihre Affinität zu dem Medium nicht hoch sei, aber sie in dem neuen Medium einen „Quantensprung“ sehe. „Vielleicht ist das E-Book ja auch eine Chance für den kleinen und mittleren Sortimenter, denn er könnte damit ein Ort für die Kommunikation werden“, sagte sie.

warum die E-Reader immer
noch so schlecht sind.
Wieland Giebel, Geschäftsführer der Berlin Story gab sich unprätentös und sagte: „Ich wundere mich, warum die E-Books immer noch so schlecht sind.“ Er betreibe seit 1999 intensive Kundenbindung über Internet. „Wir haben da jetzt 10000 Seiten und 150000 Seitenaufrufe pro Jahr. Ich schreibe jeden Tag Tagebuch, wir haben so einen hohen Zugriff, weil wir jeden Kunden an der Kasse ansprechen“, so Giebel. Er wundere sich, warum andere Buchhandlungen das Medium noch nicht für sich entdeckt haben.

breitem Medienmix 136
Filialen in Polen
Als erster ausländischer Gastredner war in diesem Jahr Eyal Lahav geladen, der als Geschäftsführer das Medienunternehmen Empik in Polen leitet. Der geborene Israeli und Chef über 136 Filialen in Polen wunderte sich zunächst: „Ich verstehe nicht, warum sie so an den Büchern festhalten. Die Konsumenten wollen keine Bücher kaufen, sondern etwas, was ihnen hilft.“ Deshalb könne Empik mit einem breiten Medienmix vom Buch über Musik CDs und DVDs bishin zu digitalen Angeboten überleben.
Mit Blick auf E-Books sagte er, Einzelhändler sollten sich nichts vormachen. „Produzenten hassen Distributeure.“ Man müsse sich klar machen, dass das Internet ein willkommenes Hilfsmittel sei, den Einzelhandel auszuschalten. Darauf müsse man sich einrichten und entsprechende Geschäftsmodelle kreieren. „Wir müssen als Händler härter arbeiten und das E-Book wird ein Kulturschock sein, aber wir müssen damit leben. Die Frage ist, wie können wir vom Download profitieren“, sagte er.

mit Reader Buchhandlung
zum Ort der Begegnung
machen
Außerdem kam Verlagsberater Ralf Alkenbrecher zu Wort, der warnte: „Wer sich nicht engagiert, wird langfristig verlieren.“ Er sieht gangbare Konzepte. „Buchhandlung ist ein Ort der Begegnung und nicht der anonymen Internetbestellung“, sagte er. Damit hätte sie auch in Zeiten von E-Books eine Überlebenschance. Allerdings warnte er: „Menschen, die 300 Euro für einen Reader ausgeben, dürfen Sie nicht wieder laufen lassen.“
Dafür brauche es ein cleveres Marketing. Deshalb kündigte er Ideen und Hilfen für den Handel an, so zum Beispiel einen Newsletter-Versand, den er zusammen mit BuchMarkt entwickelt hat und dem Buchhändler eine Vorlage liefere, mit dem er den Kunden regelmäßig bedienen könne. Der Dienst solle kurz nach der Messe zur Verfügung stehen, so Alkenbrecher.