
Anne Leube (v.l.)
„Come si fanno i libri – Wie Bücher entstehen“ lautete der Titel der Diskussionsveranstaltung zu der das Italienzentrum der Freien Universität Berlin gestern Abend in die FU eingeladen hatte. Moderator Angelo Bolaffi, Direktor des Italienischen Kulturinstituts, begrüßte zahlreiche Studenten, Bücher- und Italienfreunde. Auf dem Podium saßen jeweils zwei Vertreter aus Italien und Deutschland, allesamt leidenschaftliche Büchermacher: Verlegerin Inge Feltrinelli, Wagenbach Verlegerin Susanne Schüssler, Hanser Lektorin Anna Leube und Marco Vigevani, der 2001 in Mailand eine literarische Agentur gründete und u.a. Hanser Autoren in Italien vertritt.
Literaturagenten breiteten sich in Italien nur langsam aus, so Vigevani. „Nicht einmal die Hälfte der Autoren lassen sich vertreten.“ Für viele gingen persönliche vor berufliche Beziehungen. Wenn es um Lesegewohnheiten geht ist Italien für Vigevani ein Entwicklungsland, ein Land in dem sich die Leskultur noch entwickeln kann. Im europäischen Vergleich werde in Italien am wenigsten gelesen. Nur 14 Prozent der Italiener kauften mindesten drei Bücher im Jahr wobei ein deutliches kulturelles Nord-Süd-Gefälle auszumachen sei. Ein Viertel aller Bücher geht in Norditalien über den Ladentisch.
Für Inge Feltrinelli, zu deren Verlag auch eine der größten Buchhandlesketten des Landes gehört, ist Italien gar ein „Keinleserland“. Mehr als die Hälfte der Italiener kaufe überhaupt keine Bücher. Es gelte daher attraktive Buchläden zu gründen und so Kaufanreize zu schaffen. Feltrinelli hat inzwischen 100 Buchläden im ganzen Land, von der kleinen, klassischen Buchhandlung über Verkaufsstellen in Bahnhöfen und Flughäfen bis hin zu Megastores in denen auch Musik und DVDs angeboten werden. In Italien werde kaum für das Buch geworben, es gebe keine entsprechende Fernsehsendung und auch in den Schulen werde zu wenig Leseförderung betrieben. „Aber ich bin eine unverbesserliche Optimistin“, sagte sie. „Wenn das Ambiente stimmt, kaufen die Kunden auch.“ Es gebe erstklassige Taschenbuchausgaben zum Preis von 5 Euro und in ihren Buchläden seien die DVDs und Musik-CDs, die junge Leute anlocken, im hinteren Teil der Läden untergebracht. „So müssen die Kunden erst kilometerweit an den Taschenbüchern vorbeilaufen, das schafft Kaufanreize.“ Auch ein Papeterieangebot sei ein gutes Mittel um Läden attraktiv zu machen.
Zwar habe sie den schönsten Beruf der Welt, so Inge Feltrinelli, aber viel Geld ließe sich mit dem Buchgeschäft nicht verdienen. Weit mehr als 7.000 Titel habe der Verlag Feltrinelli seit der Gründung in den 50er Jahren verlegt, davon hätten sich 6000 nicht verkauft.
Rund 80 % der Titel seien negativ kalkuliert, bestätigte Susanne schüssler. Wagenbach mache eben Bücher aus Leidenschaft, nicht aus Profitgier. Manchmal brauche man einen langen Atem um einen Autor durchzusetzen. Der fehle den Konzernen, die nur auf den Umsatz schielen. „Es ist der ultimative Kick, mit guten Büchern Profit zu machen“, so Susanne Schüssler.
ML