Berlin: Buchpremiere „Kind einer schwierigen Zeit. Otfried Preußlers frühe Jahre“

Gestern Abend wurde im Wilhelm von Humboldt-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin die Premiere von Carsten Gansels Biographie Kind einer schwierigen Zeit. Otfried Preußlers frühe Jahre (Galiani) gefeiert.

 

Erinnerungsfoto an eine eindrucksvolle Buchpremiere: v.l. Hanns Zischler, Carola Pohlmann (Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung), Dr. Achim Bonte (Generaldirektor der Staatsbibliothek), Susanne Preußler-Bitsch, Carsten Gansel, Thomas Sparr (stellvertretender Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin) und Wolfgang Hörner (Verleger Galiani)

 

Den Abend eröffneten Dr. Achim Bonte, Generaldirektor der Staatsbibliothek,  und Thomas Sparr, stellvertretender Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek,  zu Berlin mit Grußworten. Beide hoben dabei hervor, wie prägend die Kinder- und Jugendbuchliteratur Otfried Preußlers für sie und folgende Generationen war und welche Rolle Bibliotheken in der aktiven und lebendigen Vermittlung des Materials haben. Schließlich liegt der Nachlass Otfried Preußlers in der Staatsbibliothek und auch Carsten Gansels Recherchen für diese Biographie brachten ihn immer wieder nach Berlin.

Besonders schön war daher auch, dass mit Susanne Preußler-Bitsch eine Tochter Otfried Preußlers diese Lesung besuchte und im Entstehungsprozess des Buches im engen Austausch mit Carsten Gansel stand. Nach der Lesung stellte sich heraus, dass auch ein früherer Schüler Preußlers (der nach dem Krieg als Lehrer gearbeitet hatte), unter den gut hundert Zuhörern war. Nach den Grußworten wurde das Gespräch auf dem Podium weitergeführt. Carsten Gansel stellte sein Buch im Gespräch mit Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, und Galiani-Verleger Wolfgang Hörner vor.

Bereichert wurde die Veranstaltung durch Lesungen des Schauspielers und Autors Hanns Zischler, der immer wieder Passagen aus Preußlers unveröffentlichten Manuskripten, Tagebüchern und Texten vortrug und so den O-Ton eines der berühmtesten Kinder- und Jugendbuchautoren lebendig werden ließ.

Im Gespräch erklärte Carsten Gansel, wie er während seiner Recherchen für ein anderes Buch in russischen Militärarchiven die Kriegsgefangenenakte Otfried Preußlers fand und mit diesem Projekt sofort das Interesse von Verleger Wolfgang Hörner weckte. So erfährt man in dieser Biographie Preußlers junger Jahre vieles über den Autor, das in der Öffentlichkeit bis heute unbekannt war. Von seiner Kindheit, die geprägt war von Literatur und dem mündlichen Erzählen von Geschichten, über die Ahnenforschung des Vaters, dem das Bewahren der eigenen Heimat ein besonderes Bedürfnis war bis zu den ersten lyrischen Texten Preußlers – und den dramatischen Ereignissen danach.

So entsteht an diesem Abend ein Bild Otfried Preußlers, das ihn von einer bislang unbekannten Seite zeigt. Mit nicht einmal 20 Jahren wird er Leutnant und übernimmt Verantwortung für die Soldaten seiner Kompanie. Verarbeitet hat er diese Erfahrungen und die Traumata des Krieges in unveröffentlichten Texten. Zunächst in dem Romanmanuskript Bessarabischer Sommer, aus dem Hanns Zischler eine eindrückliche Passage über die Grauen des Krieges vorliest. „Der frühe Preußler ist ein Autor für Erwachsene“, stellt Carsten Gansel fest. Dabei erkennt Wolfgang Hörner in Preußler einen sehr genau beobachtenden und psychologischen Erzähler, der zunächst über ein Alter Ego in Bessarabischer Sommer und schließlich auch in autobiographischen Texten versucht, eine Sprache für das im Krieg Erlebte zu finden.

Zentral für Carsten Gansels Arbeit war dabei die fundierte Quellen- und Archivarbeit, die Otfried Preußler nicht isoliert, sondern als Teil einer besonderen und komplexen Generation beleuchtet. Mit seinem Buch habe Carsten Gansel viele graue Flecken in der Biographie Otfried Preußler mit Farbe gefüllt, stellte Carola Pohlmann abschließend fest. Durch die Lesung Hanns Zischlers und die fundierten Einblicke in die Entstehung dieser Biographie wurde eindrücklich nachgezeichnet, wie dieser Autor sukzessive einen Weg fand, seine Erfahrungen literarisch zu verarbeiten. Bis er letztlich mit Krabat einen Umgang fand, Bewältigung im Schreiben zu finden. Dabei hat er bis zuletzt immer wieder das Lachen gefunden, wie eine letzte, sehr berührende Passage, gelesen von Hanns Zischler, einprägsam zeigte.

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