
Der Verleger und Autor Gunnar Cynybulk hat die Anteile seines Kanon Verlags an den Kampa Verlag verkauft. Was führte dazu und was sagt das über die Situation unabhängiger Verlage in Deutschland aus? Wir haben nachgefragt.
BuchMarkt: Was führte zum Verkauf von Kanon an Kampa?
Gunnar Cynybulk: Zukunftsüberlegungen. Wie wahrscheinlich die meisten in unserer Branche versuche ich seit einiger Zeit, mir ein realistisches Zukunftsbild zu machen. Wie geht’s weiter mit den Büchern? Meine Einschätzung: deutlich anders als in den Jahrzehnten zuvor. Die Bedingungen für unabhängiges Verlegen haben sich in den letzten Jahren, neutral gesagt, verändert. Das tangiert auch die mittleren Verlage und sogar die Konzernverlage. Mir ging es darum, in herausfordernden Zeiten eine junge, gute Verlagsmarke zu sichern.
Ist also die Übernahme symptomatisch für die wirtschaftliche Entwicklung unabhängiger Verlage in Deutschland?
Ich glaube schon. Angesichts einer Transformation, die eben nicht nur konjunkturell, sondern strukturell ist, werden Synergien immer wichtiger. Innovative unabhängige Strukturen weisen in die richtige Richtung. Daniel Kampa ist dabei, etwas aufzubauen, das im Bereich der Unabhängigen ja kaum passiert: Zusammenschlüsse zu realisieren, Synergien zu nutzen, vor allem eine eigene Vertriebsstruktur zu schaffen. Natürlich müssen diese Prozesse gut begleitet werden, damit sie gelingen.
Wie würden Sie die Transformation, von der Sie sprechen, beschreiben?
Die Zahlen sind ja bekannt: Leserschwund, Abnahme der Lesefähigkeit. Im Handel erleben wir eine Konzentration, gleichzeitig hat in den letzten Jahren ein Viertel der Buchhandlungen geschlossen. An die Stelle der Literaturkritik ist die Literaturvermittlung getreten. Im Bereich der Logistik oder der Druckherstellung finden auch Konzentrationen statt. Sorge bereitet mir die Transformation in unseren Köpfen: Da gibt’s nämlich ausnahmsweise mal einen Konzentrationsverlust. Natürlich gibt es auch Hoffnung in Form neuen Lesehungers. Lesekreise entstehen, neue Genres und Themen etablieren sich. Aber wir müssen noch genauer nachdenken über die stattfindenden Veränderungen und zu besseren Lösungen finden.
Wie geht es jetzt für Sie persönlich weiter?
Ich glaube weiter an die Notwendigkeit des Erzählens. Geschichten sind archaisch, wir brauchen gute Geschichten. Erst einmal begleite ich den Übergang noch eine Weile und nehme mir Zeit, gute Antworten auf die Transformation zu finden. Außerdem will ich meine eigene Geschichte zu erzählen: Ein Roman will fertiggestellt werden. Und dann will ich auch in Zukunft mithelfen, ein möglichst großes Publikum für gutes Erzählen zu begeistern. Wo das sein wird, ist offen, ich freue mich aber darauf.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg