Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Bernhard S. Elias?

Seit dem 6. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2022 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet WASSMUTH & ZOHLEN-Verleger Bernhard S. Elias unseren „anderen“ Fragebogen.

Bernhard S. Elias: „Ich möchte mehr darüber lesen, wie attraktiv Bücher und gedruckte Werke weiterhin sind – nicht nur kaufmännisch sondern auch inhaltlich, optisch und auch zivilisatorisch“

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Als Kaufmann: der Tag, an dem wir anfingen, in diesem Jahr mehr umzusetzen, als in den beiden Vorjahren (das genaue Datum werde ich nicht nennen – ich bitte um Verständnis -, aber es war im 3. Quartal). Als Verleger: Der Tag an dem wir den Anruf eines unserer ausländischen Handelsvertreter bekamen, der unbedingt eine bedeutende Anzahl eines soeben angekündigten Titels orderte, weil es sich als eine kleine publizistische Sensation darstellte: der Ausstellungskatalog Ruth Bernhard. Fotografien 1930-1976

Worüber haben Sie sich 2021 am meisten geärgert?

Dass wir nicht Zuschlag für eine Ausschreibung bekommen haben, obwohl wir sowohl einen Kampfpreis als auch ein umfassendes inhaltliches und gestalterisches Konzept abgegeben, von dem wir sicher waren, dass es sich durchsetzten würde. Das Ergebnis des Kollegen, der zum Zuge kam, war für uns ernüchternd aber auch heilsam: wir sollten uns als Qualitätsverleger nicht verbiegen, manch schillernde Institution hat Parameter, die wir nicht nachvollziehen können.

Was war 2021 Ihr schönster Erfolg?

Aus Überzeugung ein Buch veröffentlicht zu haben, dessen wirtschaftlicher Erfolg komplett in den Sternen steht: Mythisch Konstruktionen von Michael Hirschbichler – eine multiperspektivische Analyse des kulturellen Kosmos der verschiedenen Kulturen Papua-Neuguineas, die spannende Fragen zu westlich-modernen Verständniswelten aufwirft.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Die vielen Absagen von Veranstaltungen und Begegnungen, die wir für unsere Leser und Autoren vorbereitet hatten.

Ihre schönste Buchhandlung /Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Die Frage kann ich Ihnen nicht 1 : 1 beantworten, weil Schönheit viele Facetten hat. Aber: Wir lieben den intensiven Austausch mit dem Bücherbogen und Hacker & Pressling in Berlin, und freuen uns über die Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Walter König – in der Hoffnung nächstes Jahr unsere persönlichen Beziehungen zu vielen anderen Buchhandlungen endlich aufnehmen und ausbauen zu können. Persönlich liebe ich The Abbey Bookstore in Paris.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Ich darf die Frage dahin anpassen: Was werde ich im kommenden Jahr nicht mehr lesen? Alles was sich außerhalb eines zivilisierten Diskurs’ stellt, bewusst diffamiert und menschenverachtend ist – was nicht heißt, dass ich mich nicht über kabarettistische und ironische Spitzen freue. Ansonsten: Im Sinne der Meinungsfreiheit kann und soll jeder weiterhin schreiben, was er meint schreiben zu müssen. Ich sortiere weiterhin aus, was ich nicht lesen möchte.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Wie attraktiv Bücher und gedruckte Werke weiterhin sind – nicht nur kaufmännisch sondern auch inhaltlich, optisch und auch zivilisatorisch.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Meinem Bauchgefühl nicht zu folgen.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Entscheidungen zu lange heraus zu zögern.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Sibylle Hoiman: Werner Düttmann. Nachdenken über Architektur. Reden und Schriften – da habe ich viel gelernt, siehe Frage 8.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Per heute steht das Programm für 2022 noch nicht vollständig. Von dem, was bereits in der Pipeline ist: die Erinnerungen von Wilhelm v. Boddien an seine Initiative zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschloss. Sie erscheinen Ende Februar.

Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von Kollegen aus der Verlagswelt natürlich.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Wo liegen die Herausforderungen unserer Branche (Verlag)?

Hier können Sie die auch beantworten:

Uns im Wettbewerb mit den andern Wissensträgern / Medien so zu behaupten, dass es vor allem Freude bereitet und Spaß macht, Bücher zu machen und Bücher zu lesen! Dazu gehört auch, dass sich Handel und Verlage als Partner verstehen und behandeln – inhaltlich und wirtschaftlich.

Gestern beantwortete Nina George unseren „anderen“ Fragebogen, morgen fragen wir Juergen Boos

 

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