Der Reisebuchmarkt musste im vergangenen Jahr Umsatzrückgänge verzeichnen. Wie geht es mit dem Segment weiter und warum und wie sollten Buchhändler:innen Reisebücher weiter bei sich präsentieren? Wir haben nachgefragt bei Thorsten Altheide, Verlagsleiter des Reise Know-How Verlag, der optimistisch in die Zukunft blickt.

BuchMarkt: Herr Altheide, viele Reiseabteilungen berichten von deutlichen Umsatzrückgängen. Steckt das Reisebuch in einer strukturellen Krise?
Thorsten Altheide: Die Situation ist ohne Frage herausfordernd, aber pauschal von einer Krise des Reisebuchs zu sprechen, greift zu kurz. Wir sehen ein sehr differenziertes Bild: Nicht alle Regionen, nicht alle Zielgruppen und nicht alle Verlage sind gleichermaßen betroffen.
BuchMarkt: Können Sie das konkretisieren? Bücher zu welchen Regionen sind weiterhin gefragt und auf welche Zielgruppen sollte man sich jetzt konzentrieren?
Thorsten Altheide: Attraktive und als sicher wahrgenommene Reiseziele wie Japan verkaufen sich beispielsweise in hervorragenden Stückzahlen. Das widerspricht der Annahme, dass Reiseplanung heute ausschließlich online stattfindet. Auffällig ist zudem, dass wir mit modernen Buchkonzepten auch viele jüngere Käuferinnen und Käufer erreichen, die gezielt nach fundierten, verlässlichen Informationen suchen.
BuchMarkt: Worin liegen aus Ihrer Sicht die Ursachen für die aktuelle Kaufzurückhaltung?
Thorsten Altheide: Der digitale Wandel spielt eine Rolle, ist aber längst nicht der einzige Faktor. Internationale Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, Inflation und Konjunktursorgen dämpfen die Lust auf größere Reisen. Hinzu kommen veränderte Reisegewohnheiten – etwa durch Klimawandel oder Overtourism. All das beeinflusst die Nachfrage nach Reiseinformationen.
BuchMarkt: Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auf das Jahr 2026?
Thorsten Altheide: Zuversichtlich. Wir bleiben unserem Profil als authentischer, konzernunabhängiger und familiengeführter Reiseverlag treu. Unser Anspruch ist unverändert: Erfolgsorientierte Reiseabteilungen sollen an Reise Know-How nicht vorbeikommen. Darauf richten wir auch unser Programm konsequent aus. Unser Fokus liegt darauf, zeitgemäße, attraktive und inspirierende Reisebücher zu entwickeln, die den Bedürfnissen moderner Reisender gerecht werden. Gleichzeitig analysieren wir sehr genau, welche Faktoren das Reiseverhalten beeinflussen – und reagieren darauf mit passenden Konzepten. Einen Schwerpunkt legen wir 2026 deshalb auf unsere Kompaktreiseführer. Die Nachfrage nach handlichen, preislich attraktiven, aber dennoch inhaltlich fundierten Reiseführern ist hoch. Unsere Reihen MeinTrip, InselTrip und CityTrip haben sich hier als sehr erfolgreich erwiesen. Allein 2025 sind 70 Novitäten und Neuauflagen erschienen, insgesamt umfasst das Programm inzwischen 230 Titel.
BuchMarkt: Was unterscheidet diese Kompaktführer von anderen Angeboten am Markt?
Thorsten Altheide: Wir wollen auch auf 144 Seiten echtes Reise Know-How bieten. Das sind keine Retortenprodukte, sondern Bücher mit Herzblut – geschrieben von Autorinnen und Autoren, die ihr Reiseziel kennen und lieben. Dieser Anspruch ist für uns nicht verhandelbar.
BuchMarkt: Welche Rolle spielen Reiseführer künftig im Wettbewerb mit digitalen Angeboten?
Thorsten Altheide: Solange gereist wird, werden verlässliche Informationen benötigt. Reiseführer bieten dafür sehr gute Voraussetzungen, auch im Wettbewerb mit digitalen Formaten. Das sollte im Buchhandel selbstbewusst vertreten werden. Reisebücher sind nach wie vor relevant, wenn sie Qualität, Orientierung und Inspiration bieten. Und genau darin liegt auch 2026 unsere Stärke.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg