Vor wenigen Tagen, praktisch zum Auftakt der Leipziger Messe, die heute zu Ende geht, ist im Verlag Berlin University Press das Buch Das Glück der Bücher erschienen. Der bekennende Bibliomane sieht sein Buch als „Reflex eines langen Sammlerlebens, des täglich erlebten Glücks mit Büchern.“
Das war Anlass für unser heutiges Sonntagsgespräch mit dem Mann, der seit über vierzig Jahren gemeinsam mit seiner Frau Bücher sammelt, über seine Leidenschaft. Deren Basis (das schöne Buch) scheint derzeit nicht gerade die Schlagzeilen zu bestimmen.
Herr Dr. von Lucius, würden Sie auch eBooks sammeln?

Wulf D. von Lucius. Natürlich könnte man sich vorstellen, E-Books zu sammeln, sei es wegen besonders origineller typographischer oder illustrativer Gestaltungselemente, aber für mich selbst wäre dies nicht so das Richtige. Ich liebe schon sehr das Buchobjekt mit seinen edlen Papieren, Einbänden, Originalradierungen, und das kann das E-Book nicht vermitteln. Vielleicht ist es ein bisschen so wie Sex, das geht im Netz auch nicht so richtig, und Büchersammeln ist in der Tat ein sehr sinnliches Tun.
Es ist Ihr zweites Buch zum Thema.
Ja, Mein erstes Buch zum Thema hieß „Bücherlust – Vom Sammeln. Es erschien 1999. Beide Bücher, das damalige und das heutige, wurden von Gottfried Honnefelder angeregt, einst bei Dumont, jetzt bei seinem eigenen Verlag BuP. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.
Ist Ihr Buch eine Arbeitsanleitung oder wollen Sie Lust machen, es Ihnen nach zu tun?
Einige Abschnitte im älteren Buch könnte man als Arbeitsanleitung verstehen, im jetzigen Buch ist davon nichts enthalten. In diesem Buch will ich Nachdenken anstoßen über Buchästhetik, auch bei Menschen, die gar keine Sammler sind.
Was ist denn das Glück des Sammlers?
Weil es so viel verschiedene Arten des Sammelns gibt, kann ich nur für mich selbst antworten. Für mich liegt das Glück darin, zu sehen, wie über die Jahre ein immer

zum Buch
dichteres Netz von Sinnzusammenhängen entsteht, obwohl zunächst die Begeisterung für das jeweils einzelne schöne Stück den Kaufimpuls auslöste. Die Sinnsuche steht also nicht im Anfang, sondern die Sinnfindung ergibt sich aus konsequenten ästhetischen Vorlieben.
Das teilen Sie mit geschätzt wie vielen Sammlern?
Das sind vielleicht 200?
Oh… und Ihre Botschaft ist …?
Grundsätzlich geht es darum, Gedanken dazu zu formulieren, wie die Wirkungen von Büchern durch ihre physische Erscheinung, durch Materialität, Zeitspuren etc. die Wahrnehmung der Texte beeinflussen und vielleicht sogar verändern, und auch um das beim künstlerisch gestalteten Buch ja besonders wichtige Verhältnis von Text und Bild. In der deutschen, geistesstrengen Tradition wird ja das Bild oft als sekundär, oberflächlich und ablenkend empfunden. In meiner Theorie der Buchästhetik ist das Bild gleichwertiger Partner der Texte und vermag diese befruchtend und bereichernd zu begleiten bis hin zu Büchern, bei denen die Bildbeiträge wichtiger sind als die Texte — auch hier nichts Doktrinäres, sondern Fragen des ästhetischen Gelingens in jedem einzelnen Fall.
Ihr Sammel-Konzept?
Unser Sammeln (meine Frau ist ja mit gleicher Intensität beteiligt) ist, wie gesagt, spontan, nicht von vornherein festgelegt: Wir kaufen (wenn wir es uns leisten können) das, was uns gefällt. Als ich das einmal einem Sammler als Kennzeichen unserer Inkonsequenz schilderte, sagte er: „Ich sehe diese nicht und finde das recht konsequent“.
Dr. Wulf D. Lucius, geboren 1938, ist Inhaber des Stuttgarter Verlages Lucius & Lucius und seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst. Die Fragen stellte Christian von Zittwitz