
Ein geglückter Anfang: Der Hanser Berlin Verlag lud gestern Abend in seine neuen Büroräume am Checkpoint Charlie, um mit Autoren, Freunden und Kollegen sein erstes Programm zu feiern.
Verlegerin Elisabeth Ruge freute sich über den überwältigenden Andrang der Gäste, darunter zahlreiche Autoren, Buchhändler, Verleger, Journalisten, Agenten, Übersetzer und Kollegen aus dem Berlin Verlag, den Ruge im Frühjahr 2011 verlassen hatte.
Jetzt residiert sie mit dem neuen Hanser Imprint in der Friedrichstraße 210, Ecke Kochstraße. Es ist Elisabeths Ruges Lieblingskreuzung, weil für sie an diesem besonderen Ort viele Aspekte der Berliner Geschichte zusammenfließen. Noch sind die großzügigen, hohen Räume, die zuvor eine Galerie beherbergten, leer. Weder Schreibtische noch Computer oder Bücher sind zu sehen, was Hanser Verleger Michael Krüger auf die Idee brachte, dass künftig alle Mitarbeiter zu Hause arbeiten und man sich abends auf einen Wein im Verlag trifft.
Viele Kollegen aus München waren gekommen und etliche Autoren wie T.C Boyle, Viktor Jerofejew, Alfred Brendel, Ingo Schulze, Jan Peter Bremer, Henning Ritter, Silvia Bovenschen und Tilman Spengler. Ebenfalls unter den Gästen war Gerd Ruge, der Vater der Verlegerin. „Wir hatten nie ein eigenes Haus, sind aber oft umgezogen. Was immer mitkam waren die Hunde und die Bücher“, erzählte Elisabeth Ruge. Eine Bibliothek sage immer etwas sehr Persönliches über die Vorlieben und Interessen ihres Besitzers aus, sagte sie. Und so solle auch beim Verlagsprogramm ihre Handschrift erkennbar sein. Damit wolle sie ihren Autoren ein literarisches Zuhause bieten. „Der Verlag an diesem Standort ist eine Art Geschenk“, sagte Ruge, die sich sichtlich auf die Arbeit, die vor ihr liegt, freut.
Anlass für Optimismus gibt es genug. Philippe Pozzo di Borgos Ziemlich beste Freunde, der im April vorzeitig erschienene erste Hanser Berlin Titel, kletterte an die Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste. Auch Michael Krüger blickt gelassen in die Zukunft, obwohl wir nicht in den „buchfröhlichsten aller Zeiten“ leben, wie er sagte. Das erste Berliner Programm biete nur fantastische Bücher, so Krüger. Immerhin ist ein neuer Roman von Richard Ford dabei, ein Sachbuch von Richard Sennett und Orlando Figes erzählt eine Geschichte von Liebe und Überleben im Gulag.
Eine kurze Kostprobe gab es gestern Abend von Robert Scheer, einem Autor der in Siebenbürgen geboren wurde mit seiner Familie nach Israel emigrierte und heute in Tübingen lebt. Er las aus seinem Debüt Der Duft des Sussita. Das Publikum erfuhr, dass der Sussita kein Cocktail, sondern das Nationalauto des Nahen Ostens ist, das eine ungeahnte Wirkung auf Kamele hat. Man darf also gespannt sein. Ausgeliefert wird das erste Hanser Berlin Programm im August.
ML