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Umgeblättert heute: „Ein Roman wie ein scharfes Glas Brennivin: ein kleiner Kurzer für zwischendurch“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

 

„Pandemie der Brutalität“: Wie Wowa den Wahnsinn entfesselt: Viktor Jerofejews schockierender Roman Leben mit einem Idioten erscheint in einer illustrierten Neuausgabe. „Der in den Neunzigerjahren entstandene Roman ist eine Reflexion über Russland, die differenziert und provokativ autoritäres Denken kritisiert.“
Viktor Jerofejew, Leben mit einem Idioten. Mini-Roman (aus dem Russischen von Beate Rausch; Ciconia Ciconia Verlag)

„Die Körper können da nicht mithalten“: Ein Band zeigt, wie slawische Autoren im vorigen Jahrhundert von der Aufhebung des Todes handelten. „Die in Halle lehrende Slawistin Tatjana Petzer hat eine lesenswerte Anthologie mit Texten zur Unsterblichkeit aus Russland, Jugoslawien, Polen und Tschechien zusammengestellt.“
Tatjana Petzer (Hrsg.), Unsterblichkeit. Slawische Variationen (Matthes & Seitz Verlag)

„Wellenreiten für Fortgeschrittene“: Einar Kárason erzählt in seinem frostigen Roman Sturmvögel von isländischen Fischern in einem Unwetter. „Man nimmt die Erzählung wie in Zeitlupe wahr, und doch geht es atemlos von einer Welle in die nächste. Ein Roman wie ein scharfes Glas Brennivin: ein kleiner Kurzer für zwischendurch.“
Einar Kárason, Sturmvögel (aus dem Isländischen von Kristof Magnusson; Btb Verlag)

„Nur wer von oben auf die Welt schaut, sieht das Ganze“: Seine Wimmelbücher haben Generationen von Kindern geprägt. Der Kinderbuchautor und Illustrator Ali Mitgutsch ist mit 86 Jahren in München gestorben. „Er sah im Großen tausend verschiedene kleine Geschichten, die Generationen von Kindern, Eltern, Großeltern glücklich machten. Ein begnadeter zeichnender Erzähler, liebevoll und humorvoll zugleich, unvergessen die Triumphgefühle, wenn man auch nach dem gefühlt tausendstem Durchblättern seiner Bilderbücher in diesem ganzen Doppelseiten-Gewusel noch etwas Neues entdeckte, als erwachsener oder weniger erwachsener Mensch: Da!“

„Richtig Platz schaffen im Regal“: Jahrhundertelang war er weiß und männlich dominiert, dann wollten ihn manche ganz loswerden: Was machen wir denn jetzt mit dem Literaturkanon?

„Und welche Frauen?“: Dichterinnen aller Zeiten werden gerade wiederentdeckt, aber zur Gerechtigkeit ist es noch weit. Kleine Auswahl neuer Bücher über eine weiblichere Literatur.
Nicole Seifert, Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt (Kiepenheuer & Witsch)
Elke Heidenreich, Hier geht’s lang! Mit Büchern von Frauen durchs Leben (Eisele)
Verena Auffermann, Julia Encke, Gunhild Kübler, Ursula März, Elke Schmitter, 100 Autorinnen in Porträts. Von Atwood bis Sappho, von Adichie bis Zeh (Piper)

 

„Als die Soldaten nach Hause gingen“: In seinem Bildband Kulturerbe zeigt Stefan Neubauer den nostalgischen Charme verfallener Kunst in den verlassenen sowjetischen Militärbasen Ostdeutschlands. „In einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren bereiste der Berliner Fotograf, Jahrgang 1971, mit einer Panorama-, einer Platten-, einer Mittelformat-, einer Kleinbildkamera und diversen Digitalkameras im Gepäck die Standorte, an denen sich einst das sowjetische Militär aufhielt und die zu betreten für Unbefugte lange Zeit streng verboten war.“
Stefan Neubauer, Kulturerbe (Könemann)

„Gespräche nach der Diagnose“: Stefan Hornbach erzählt in seinem Roman Den Hund überleben von einer schweren Krebs-Erkrankung. „Stefan Hornbach schreibt geradlinig, nüchtern. Er führt durch Etappen, die wenig Grund zur Freude, wenig Anlass für Humor bereithalten. Dialoge brauchen keine Anführungszeichen, alles ist auch so eindeutig zugeordnet.“
Stefan Hornbach, Den Hund überleben (Hanser)

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