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Josia Jourdan: Wie baut man eine Community ohne Gatekeeper auf?

Josia Jourdan (Foto: privat)
Josia Jourdan (Foto: privat)

Instagram will, dass wir für Premium-Abos zahlen. Für Reichweite bei den eigenen Follower:innen. Damit ist nun definitiv klar: Ohne Geld braucht es für Social Media deutlich mehr als ein Standard Buchfoto oder ein Social Media Management auf Stundenbasis. 

Wer also keine viralen Formate oder eigene Social Media Gesichter und Langzeit-Kooperationen mit Creator:innen umsetzt, wird noch mehr Opfer der algorithmischen Kontrolle über den Buchkonsum. Ebenso werden politische oder kapitalismuskritische, Klima- oder Demokratie-Inhalte oft schlechter ausgespielt, was dazu führt, dass es auch im Sachbuch-Bereich, der eigentlich vom Diskurs auf Social Media profitiert, immer schwieriger wird.

Darum und aus tausend anderen Gründen wird es wichtig, sich unabhängig von Algorithmus-Werbemaschinerien zu machen. Übrigens auch bei all jenen, wo Social Media funktioniert.

Eigene Kanäle, Zugänge und vor allem exklusive Inhalte, die die Leser:innenschaft binden, werden sowohl für Autor:innenmarken als auch Verlage, Institutionen noch wichtiger. 

Meine Idee dafür ist Substack. Eine Plattform, die auf das geschriebene Wort setzt und eine Mischung aus Blogs, Newsletter-Tool und dem alten Twitter ist. Das klingt jetzt zuerst einmal wieder nach einer neuen Plattform und das ist es auch. 

Gleichzeitig monetarisiert sich Substack darüber, dass exklusive Inhalte von Nutzer:innen in Form von Abonnements abgeschlossen werden. Ein Onlyfans für Intellektuelle, Schreibende und solche mit endlosem Mitteilungsbedürfnis. 

Ich starte da meinen Blog neu. Nachdem ich meine Karriere mit einem Buchblog gestartet habe, schreibe ich dort nun über Kultur, Politik, veröffentliche Essays & plane vielleicht auch bald mit exklusivem fiktionalem Content nachzulegen. Zudem konnte ich meine Mailingliste implementieren.

Wie lässt sich das für die Buchbranche nutzen?

Für Verlage könnte es ein Weg werden, eigene Magazin-Inhalte zu schreiben. Fast jedes Buch bietet einen extra Aufhänger für ein Gast-Essay, ein Behind the Scenes oder Bonusinhalte wie gestrichene Szenen, Kapitel, Vorgeschichten. Ebenso könnten Autor:innen Fragen beantworten. Auch Einblicke in den Verlagsalltag könnten Leser:innen binden und für ein bezahltes Abo sorgen.

Für den Aufbau von Autor:innenmarken könnten Schreibende das gleiche selbst aufbauen und sich so nicht nur Unabhängigkeit von Algorithmen, sondern auch von der Sichtbarkeit im Buchhandel und fürs Selfpublishing machen. Jeder Name auf der Maillingliste ist hundertmal wertvoller als ein weiteres abonnieren auf Insta. 

Ebenso kommt dazu, das man sich in Feldern positionieren kann, wo Verlage sagen, das passe nicht, wo Themenfelder aktuell nicht im Trend sind oder schlichtweg um Neues zu testen, freier zu schreiben.

Aber auch unabhängig von Substack gibt es dazu gute Möglichkeiten. Exklusive Briefpost für Stammleser:innen, da ist die Bindungs- und Leserate dann nochmals fast 1:1, weil das schlichtweg fast niemand mehr macht. 

Aber auch exklusiver Content in Form von Podcasts, auf eigenen Webseiten, Patreon, Steady etc.

Und als letztes: wer keine Lust auf Instagram und Co. hat: Verlasst die Plattform lieber mit einem Statement. Je weniger gute Verlage drauf sind, desto mehr folgen euch in neue Gefilde oder schließen sich dem endgültigen Verlassen an.

Was für Ideen habt ihr um Leser:innenschaften ohne den Umweg über Algorithmen zu erreichen? 

Josia Jourdan

Josia Jourdan gehört zu den profiliertesten jungen Stimmen der Schweizer Buchszene. Mit 14 Jahren betrieb er den meistgelesenen Buchblog des Landes, heute ist er Autor des Essaybands Fehlfunktion und schreibt u. a. für die ZEIT, den Freitag und den Tagesspiegel. Er hat die Schweizer Buchbranche in digitalen Strategien und auf BookTok begleitet. Bei BuchMarkt veröffentlicht er seine monatliche Kolumne „Josias Branchenblick“.

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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für den Hinweis auf die neue Plattform.
    Im Frühjahr habe ich mein Mastodon-Konto aktiviert, nicht zuletzt auch wegen Marc-Uwe Klings Känguru-Rebellion.
    Ich hätte nicht damit gerechnet wie Algorithmus-abhängig ich inzwischen bin. Es fällt mir schwer Inhalte auf Mastodon zu entdecken oder wieder in „Hashtag“-Strukturen zu denken. Zu Mastodon bin ich übrigens gekommen, weil mir Twitter fehlt und ja Threads ist für mich auch eine gute Alternative.

    Was die Abo-Modelle betrifft, bin ich hin und her gerissen: Ich bin kein Serienmensch, d.h. ich spare mir die Netflix, Amazon Prime und Co. Abos. Ich unterstütze eine Person über Steady, nicht weil ich den Content früher haben möchte, sondern weil ich die Arbeit der Person wertvoll finde.
    Wenn ich als Buchmensch aber ein Abo pro Autor*in abschließen müsste, wäre mir das wahrscheinlich wieder zu teuer. Mir fehlt hier eine Plattform bei der Künstler*innen fair vergütet werden, aber ich als Kundin nicht am Ende 200€ im Monat für Abo-Modelle ausgebe, weil ich alle Personen unterstützen möchte, deren Arbeit ich wichtig finde.

    Auch als Autorin möchte ich faire „Goodies“ bieten, weil Nutzende ja einen Vorteil davon haben sollten, mich mit einem Abo zu unterstützen. Damit das gelingt, braucht es wahrscheinlich auch viel Struktur, weil Inhalte geplant und frühzeitig fertiggestellt werden müssen.

    Ich bin jedenfalls sehr gespannt wohin die Reise geht.

    viele Grüße

    Emma

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