S. Fischer übernimmt ab sofort die Weltrechte am literarischen und essayistischen Werk von Günter Grass. Eine entsprechende Vereinbarung wurde mit der Günter und Ute Grass Stiftung geschlossen. Damit endet die vierzigjährige Ära im Göttinger Steidl Verlag, „dessen außergewöhnlicher Einsatz und buchgestalterische Hingabe das Erscheinungsbild des Werkes des Literaturnobelpreisträgers maßgeblich geprägt haben“, wie S. Fischer schreibt.
Mit dem Übergang zu S. Fischer findet das Werk von Günter Grass eine neue verlegerische Heimat. S. Fischer will damit an seine Tradition anknüpfen, das Erbe der großen, oft streitbaren Stimmen des 20. Jahrhunderts – von Thomas Mann und Hugo von Hofmannsthal über Franz Kafka und Ilse Aichinger bis Hubert Fichte und Wolfgang Hilbig – für nachfolgende Generationen zu bewahren und neu zu befragen.
Günter Grass zählt zu den wirkmächtigsten Autoren der deutschen Literaturgeschichte. Seine Prosa – von der poetischen Sprengkraft der Danziger Trilogie bis zu den autobiographischen Spätwerken – sei unauflöslich verwoben mit den traumatischen Brüchen des 20. Jahrhunderts, den eigenen Verwicklungen und den unerbittlichen gesellschaftlichen Debatten der alten wie der neuen Bundesrepublik.
»Die Bücher von Günter Grass verlangen nicht nach unkritischer Bewunderung, sondern nach Auseinandersetzung«, sagt Oliver Vogel, Verleger von S. Fischer. »Ein so reiches und kraftvolles literarisches Werk, das von schuldhafter Verstrickung geprägt ist und vom unbedingten Willen zur politischen Einmischung angetrieben wird, darf nicht in Historisierung erstarren. S. Fischer wird diesen Nachlass nicht museal verwalten, sondern als lebendigen und unbequemen Reibungspunkt lesbar halten.«
»Wir freuen uns sehr, das Werk von Günter Grass künftig im Programm des S. Fischer Verlags zu sehen«, so Jan Strümpel, Mitglied im Vorstand der Günter und Ute Grass Stiftung, Lübeck. »Dort steht es wunderbar im Kontext der klassischen Moderne wie in Gesellschaft all der hervorragenden Autorinnen und Autoren der Gegenwart.«
Die Bühnen- und Verfilmungsrechte sowie alle anderen seit Jahrzehnten vom Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb, Berlin, wahrgenommenen Rechte liegen weiterhin dort.
2 Kommentare
Das ist – im Meer der Katastrophen und politischen Endzeit-Nachrichten – endlich einmal eine wirklich gute Wendung! Ich war sehr verstört und traurig, als ich von der Insolvenz des Verlags von Gerhard Steidl hörte, eines Verlegers, der sich über Jahrzehnte um die Buchkunst große Verdienste erwarb und nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit und Freundschaft mit Günter Grass das Werk dieses großen Deutschen und überragenden deutschen Autors lebendig hielt. Nicht zuletzt die ‚kleinen‘ Werke – etwa die „Artur-Knoff-Geschichten“, die Legende „Figurenstehen“, die Erzählung „Vatertag“ oder die Erzählung „Der Kampf um die Polnische Post“, die sich aus den Kapiteln „Die Polnische Post“ und „Das Kartenhaus“ aus der „Blechtrommel“ zusammensetzt – sind Kleinodien der Buchkunst, vom mehrfarbigen Leinenumschlag über Cover-Vignetten bis zur liebevollen Bindung.
Nun bleibt zu hoffen, dass sich das Team des Samuel-Fischer-Verlags in dieser Tradition des Werks von Günter Grass annimmt. Eine wirklich gute Wendung! Und vielleicht gibt der Verlag auch den irischen Werken, die unter der Obhut von Claudia Glenewinkel bislang bei Steidl einen sicheren Hafen fanden, ein verlegerisches Asyl (Claire Keegan, Liz Nugent, Sebastian Barry, Louise Kennedy und vielen anderen). Das wäre dann die nächste gute Nachricht!
Verlegerisch war das Werk und der Autor beim Steidl-Verlag gut aufgehoben.
Die wundervollen Graphikmappen und die letzte große Gesamtausgabe sind verlegerische Höchstleistungen. Ob sie
auch kaufmännisch immer ein Erfolg waren, sei dahingestellt. Schade!
Ob der Fischer Verlag diese Qualität halten kann, ist zu beweisen.