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Der Messe-Mayer Frankfurt 2026: Freitag, Tag 4 von 6


LIEBE FREUNDE,

wo war ich stehengeblieben? Ach ja, Revell.

Bei Revell gibt es immer noch Modelle, aber es sind jetzt nicht mehr Flugzeuge aus den Weltkriegen und Piratenschiffe, sondern Booknooks, Dekobasteln und Themenwelten von Herr der Ringe bis Herr der Potter, also im Grunde wie der Frech-Verlag auf Kokain.

Na, und mehr wollte ich doch gar nicht wissen.

Aber Sie sehen, liebe Sortimenterinnen und Sortimenter: Weiterbildung ist wichtig.

Und wenn man das Wort Weiterbildung mit Klebestreifen nachbaut, sieht das fast genau aus wie der Vorspann in einem Hitchcock-Film.

ungewollte Saul-Bass-Hommage

Aber gerade ich sollte den Mund nicht zu voll nehmen, was Schrift und Benennung angeht, denn ich habe aus Veit Hoffmann einen Dustin Hoffman gemacht, also englische Version. Daher schickte er mir vorsichtshalber und nachtäglich ein N.

Und offensichtlich bei Bookish Love Universe ohne deren Erlaubnis ausgeliehen

Mit dem Schlimmsten habe ich am heutigen Tag gerechnet, also Publikum, und das kam auch – aber anscheinend hat die neue Hallenaufteilung mit ihren neuen, breiten Gängen funktioniert. Die Besucherströme waren gut und locker gelenkt; Durchkommen war möglich.

Sodann folgen Sie mir also auch am Freitag, dem Beginn des Endes der Woche, durch diese heiligen Hallen.

SCHNAPPSCHÜSSE

Ronald Voigt erklärt mir bei Libri so lange Software, bis meine Flasche Dellen kriegt

Freunde:

Johanna Grab (Ueberreuter), Mirjam Mustonen (Kiepenheuer) und Annika Stadler (Beltz)

Oh, ich erfahre gerade:

Wir haben auch ein Making Of

Und da kriege ich auch endlich den begehrten Christoph Kramer vor die Linse, der Fußballer, der Romane schreibt, die man tatsächlich lesen kann:

Und schon ist er wieder aus dem Bild raus.

Mir fehlte übrigens noch die Messetasse zum Gastland Norwegen, und beim Athesia-Kalenderverlag schenkt Bernhard Fetsch mir einfach eine!

Ich weiß, da lugen Grissini ins Bild.

Und Stefan Kilian.

Judith Merchant: Aprikosenkind! Bei Kiepenheuer! UND Witsch!

Sie merken schon, es ist Freitag. Keine geistreichen, kritischen Texte mehr. Ich winke einfach nur noch die Werbung durch.

Oliver Lange bei Diogenes: Das sind die mit den Diogenes-Büchern.

Die liebe Daniela Ebeling, die man hier zuletzt bei Usborne und davor bei Eichborn sah, weil sie immer nur Verlage aussucht, die auf Born enden, bat mich liebe Grüße auszurichten an Susanne Blum beim Peter Hammer Verlag. Susanne Blum wusste sofort, wer mich schickt. Das hat sie so sehr gefreut, dass sie mich bat, diese Grüße zu erwidern:

Aber wir wissen nicht, wer dieser Peter Hammer sein soll.

Ich habe die erste All-Gender-Toilette meines Lebens benutzt!

Und das war wirklich auf ganz natürliche, progressive, offene und liberale Weise verkrampft!

Dann lieber Public Bällebading:

Meike Bäumer (mind:set), Maren Ongsiek (Börsenverein), und schon is die Wanne voll.

MEIN DRITTES INTERVIEW DIESER MESSE: JAN WEILER

Vor gut zwei Jahrzehnten kam Jan Weiler vom Journalismus über den Umweg einer italienischen Familie zum Bestseller Maria, ihm schmeckt’s nicht. Seitdem hat er sich als humorvoller Romancier bewährt, der das Banale mit großen Worten beschreiben kann, aber auch das Großartige wundervoll in banale Bilder umbricht. BuchMarkt sprach mit ihm über seinen neuesten Roman, Das Vogelhaus, erschienen bei Heyne.

BuchMarkt: Machen Sie einen Unterschied zwischen Beschreiben und Erzählen?

Jan Weiler: Ja, da mache ich einen Unterschied, weil Beschreiben, das macht der Journalismus auch. Beschreiben ist für mich eigentlich: Der Realität einen Raum geben, indem man sie beschreibt. Das ist ja im Fiktionalen nicht unbedingt der Fall.

Doch, eigentlich immer, wenn Sie irgendein Phänomen beschreiben, dass es noch nicht in Worte gefasst wurde. Wie zum Beispiel nullbeinig für einen Beinamputierten, oder das Wort Säfteln, wenn einer sehr geschäftig schwatzt. Und da denke ich, da ist jemand am Werk, der sehr wohl beschreibt.

Natürlich. Man muss halt für die Dinge versuchen, den angemessenen Ton und den angemessenen Begriff zu finden, damit es den Effekt erzielt, dass sie darüber stolpern und sagen, ja, interessantes Wort, passt aber.

Ist Säfteln ein Wort aus Ihrer Gegend, oder haben Sie das einfach so erfunden, weil es passte?

Es passte einfach. Ich weiß, es ist der Wohnungsmakler. Man versucht, mit dem richtigen Ton irgendwie ein Gefühl zu erzeugen, eine Einigkeit zwischen den Lesern und dem Autor auf der anderen Seite, dass man jetzt gerade über dasselbe redet. Und dafür muss man eben manchmal entweder Begriffe erfinden oder Begriffe aufgreifen, die lange nicht mehr benutzt worden sind. Und damit beschäftigt man sich so in seinem Berufsalltag als Autor.

Was war denn der Nukleus dieser Geschichte? Was war als erstes da. die Idee für die Figur Leonard oder ein einzelner Satz oder eine Situation?

Als erstes waren da die wahnsinnig vielen Dinge, die ich als Zivildienst leistender erlebt habe. Die waren zuerst da. Und die Vorstellung, dass man daraus eine Geschichte erzählen könnte, war als zweites da. Und Leonard Beck war als Drittes da. Ich habe da sehr, sehr lange drüber nachgedacht. Und dann wurde aber 2011 der Wehrdienst ausgesetzt und dann habe ich das ganze Projekt verworfen. Und habe gesagt, wenn es das jetzt nicht mehr gibt, dann ist es komisch, darüber zu erzählen. Also es hat keine Relevanz. Es ist eigentlich weg. Und dann, vor zwei Jahren, wurde aber diese Diskussion wieder aufgenommen, ob man den Wehr- und Zivildienst wieder aufnehmen soll. Und dann dachte ich, hey, jetzt wäre es ein guter Beitrag zu der Debatte.

Reicht mir beim Lesen nicht, dass ich selbst Zivi war? Mir ist das Relevamz genug.

Aber diese Diskussion, die jetzt geführt wird, kommt gelegen, weil man dann solche Geschichten noch besser erzählen kann. Also das hilft schon.

Was hätte der junge Leonard über den Mann gedacht, der aus ihm wurde?

Er würde ihn bedauern. Er würde sagen, es ist dir eigentlich nicht gelungen, deine Ängste zu besiegen oder frei zu werden von den ganzen Dingen, die dich da seit dieser Zeit belasten. Das würde er über ihn denken, er wäre ein bisschen erschrocken.

Entwicklung ist ja eigentlich ihr roter Faden. Oder einer, den ich bemerke. Welche Schwächen verzeihen Sie am ehesten und welche nicht?

Also ich verzeihe alles, was keinen Schaden anrichtet, sofort. Was ich ganz schwer verzeihen kann, ist Dummheit. Damit meine ich nicht mangelnde Intelligenz, dafür kann keiner was, sondern erkennbar borniertes Verhalten. Das kann ich nicht gut verzeihen.

In den drei Textformen Kolumne, Drehbuch, Roman, was macht am meisten Spaß?

Roman.

Warum?

Weil der Roman die Möglichkeit gibt, sehr intensiv über Dinge nachzudenken und auf einer großen Leinwand zu malen. Mit wahnsinnig vielen Details, mit wahnsinnig vielen Farben und Perspektivwechsel. Die Kolumne ist im Grunde Handwerk. Und das Drehbuch ist wie Mathe, Physik und Latein-Leistungskurs in einem. Drehbuch macht wirklich keinen Spaß.

Kann man aus vielen kleinen Kolumnen nicht auch einen langen Roman machen?

Ja, kann man kann das so ausflöhen.

Ausflöhen?

Man kann 50 Kolumnen hernehmen, wenn man an einem Romanprojekt sitzt und sagt, ach guck mal, hier der Gedanke oder da die kleine Geschichte. Das kann man schon, aber ich habe es noch nie gemacht. Vielleicht mache ich es jetzt mal.

Vielen Dank für Ihre Zeit und für die schönen Antworten.

Keine Ursache!

Jan Weiler wird von mir gesäftelt, während der Verlag mich besäftelt

Jan Weiler kann Charlie Brown malen!

OETINGER IM MASSIF CENTRAL

Die Stadt Frankfurt hat aus dem historischen Bethmannhof ein Urban Interface gemacht. Es heißt jetzt Massif Central und ist eine Mischung aus Szene-Café, Veranstaltungsort und Fahrradtreff. Und das hat Oetinger sich als Location ausgesucht, um dort zum 80. Geburtstag während der Buchmesse eine eigene kleine Buchmesse zu feiern. Mit feiern meinen wir: Feiern für die Kinder!

Notiz an Wibke Ladwig über die korrekte Anzahl von Wimpeln

Oetinger-Franchises und Buffet
Und da komme ich ins Spiel.
Design vor Ort: Habe eine ganze Wand hiervon entdeckt.

Leere-Sprühdosen-Wand als Dekorationsinstallation: Das ist Massif Central.

Mit Fotopoints für Olchi-Fans und aber auch für Teenager, Aktionsnischen und allerlei Programm rund um das Oetinger Medienhaus stiegen dort mittags und abends Partys, Feste und Feiern; Kinder duften so viele Bücher mit heim nehmen, wie sie tragen konnten – und mittendrin Thilo Schmid, strahlend, als hätte er eine Seele aus Marzipan.

Mini-Tonstudio vor Ort, um ein Hörspiel zu aufzunehmen und zu schneiden
Der Fischgräten-Läuse-Trog war für mich leider zu klein.

Und so wie das Massif Central ein Interface ist, so ist auch Oetingers Partymeile ein Interface, das auf Leseförderung und Themenwelten verzweigt. Bei den Themenwelten leuchten Thilo Schmids Augen, denn das verweist auf das Großprojekt der Olchis-Erlebniswelt – ein modularer Lern- und Spielpark, der in drei Sattelschlepper gepackt und zum Wunschort gefahren werden kann: ein mobiles Disneyland in dreckig und sinnvoll!

Und wenn das mit den Olchis geht, geht das auch mit Pippi. Und mit Sams. Und Petterson & Findus. Und und und. Lesemobile werden ins Land geschickt; Story-Plattformen laden junge Leute ein, sich als Autoren zu versuchen. Wenn all das Kinder wiederum auf Bücher aufmerksam macht, dann käme hier also Leseförderung ins Rollen. Klingt nachhaltiger als Kulturmittel zu streichen, gell, Nidderau?

Olchi-Erlebnis-Welt: extra ohne Geruch!

Fun Fact: Im legendären Moseleck, eine Kneipe an der Moselstraße, saß der verarmte Oskar Schindler immer und trank sein Bier. Das Massif Central ist in den Besitz der Originaltheke gekommen und führt sie nun neuen Ehren zu.

Und das war tatsächlich sein Stammplatz, da wo Jahrzehnte später ein Thilo Schmid ehrfürchtig posieren würde

Also: Tolles Haus, tolle Pläne, tolle Projekte am Laufen. Oetinger ist so ein schöner Fall von: Ach, so kann man also auch einen Kinderbuchverlag führen.

„Ach, so kann man also auch den Journalistenberuf ausüben.“

Am Ende unseres Rundgangs setzt Thilo Schmid mich in ein exklusives Budoirshuttle, das mich zurück zur Messe bringt:

Wieso Budoir? Das sieht doch ganz normal aus?

Oh, Wow, Steampunk!

Und so fahre ich in getönten Scheiben auf gesteppten Sesseln zurück in Halle 4.1.

Wo Verlagschefin Julia Bielenberg direkt einsteigt, um wiederum mit der Edelpritsche zur nächsten Party im Massif fährt.

Und das war mein Off-Messe-Erlebnis!

Herzliche Glückwünsche übrigens.

DAS GEHEIME WHISKYTREFFEN

Am Messefreitag treffen sich die Freunde des Messe-Mayers, um das Wochenende mit ein paar Whisky einzuläuten. Es gibt auch einen sehr besonderen Grund, warum wir das tun: Weil wir irgendwann mal damit angefangen haben.

Und das feiern wir halbjährlich. Aus Bequemlichkeit nenne ich es ein geheimes Treffen, damit ich nicht dauernd Namen unter die Fotos schreiben muss, und auch um gemeinsam die Trope zu feiern, dass es Dich die Karriere kosten kann, wenn Du im Internet säufst.

Nun saufen wir hier ja nicht, sondern gönnen uns drei, vier Schlückchen zum Vergleich, aber geheim bleibt geheim.

Also Ildiko von Kürthy und ihre Betreuerin sind schon mal eingetroffen.

Ohren aufsperren: Dieser Tisch ist reserviert. Wir sind überhaupt alle sehr reserviert.

Zur Auswahl stehen zwei Japaner aus dem Hause Suntory: Der gefällige, milde Toki und der fruchtige, volle Hakushi. Dazu ein Langatun, ein bayerischer Torfbrand, der auffallend dunkel ist und einen fast süßen Abgang hat, aber wir konnten nicht ergoogeln, in welchen Fässern der war. Alle drei eine schöne Erfahrung.

Der Hakushi war übrigens ein Geschenk vom ehemaligen Vielflieger-Verleger Felix Busse, der hiermit die Runde grüßt und uns allen fehlt.

Und die Runde grüßt zurück: Auf Dich, Felix!

Luise Schittek (libreka) hat ihre Ukulele mitgebracht!

Whisky, Ukulele und blaue Haare? Das alles passt sehr gut, genau hier, genau heute.

ZUM GELEIT

Wenn ich nur genügend verwackle, sieht Ronald Voigt aus wie Ewald Arenz!

Na, das kriegen wir hin.

Danke nochmal für das überfällige Gespräch.

Doch, doch, ich habe heute etwas gegesssen. Nur eben nicht viel. Aber immerhin ein leckeres Paar Frankfurter mit Löwensenf als Frühstück, Couscoussalat und Linsensalat.

Und dazu eine Fritz-Cola: „Menü Magendurchbruch“ kann ich spielend assimilieren.
Der Couscoussalat sah besser aus; der Linsensalat hat besser geschmeckt.

Mich erreicht noch ein Selfie aus der VVA:

Kathrin Gehlhaar und Christin Temme, Vereinigte Verlagsauslieferungen

Leute, Ihr macht mich fertig, bitte keine solchen Gags mehr um diese Uhrzeit. Nur damit ich es richtig verstehe:

Die mit dem gehlen Haar heißt Temme, aber die mit dem braunen Haar heißt Gehlhaar?

Das reicht. Ich fahr heim jetzt und komme erst morgen wieder.

Ihr und Euer

Matthias Mayer

herrmayer@hotmail.com

Warum Karel Čapek recht hatte, Teil 3 von 6 

War Games, 1983: Keine Sorge, heute hätte ein thermonuklearer Krieg auf jeden Fall ein Passwort mit einem Sonderzeichen, einer Zahl und einem Buchstaben.

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