Der Sächsische Literaturpreis 2026 geht an die Schriftstellerin Heike Geißler. Das hat die vom Sächsischen Literaturrat eingesetzte Jury entschieden, der der ehemalige Direktor der Leipziger Buchmesse Oliver Zille (Juryvorsitzender), die Journalistin und Literaturkritikerin Dr. Katrin Schumacher, die Literaturwissenschaftlerin und Lektorin Prof. Dr. Silke Horstkotte, die Veranstaltungskuratorin Odile Vassas sowie der Literaturkritiker und Autor Dr. Burkhard Müller angehören.
Zur Begründung schreibt die Jury: „Wo auch immer sie antritt, sie kämpft. Ob in ihren Essays („Verzweiflungen“ 2025, „Arbeiten“ 2025, „Liegen“ 2022, „Saisonarbeit“ 2014) oder in ihren Romanen von dem 2002 publizierten
Debüt „Rosa“ über den Protestroman „Die Woche“ von 2022 bis zu dem gerade erschienenen Roman „Michaela Kohlhaas“ – in ihrer Literatur macht sie es sich und ihren Leser:innen nicht leicht, sie ringt und denkt und fragt. Heike Geißler ist eine dezidiert an der Gegenwart und an den gesellschaftlichen Verhältnissen arbeitende Autorin, deren Texte aber nie verbissen gearbeitet oder sich verbeißend sind, sondern fragend, ab und an zärtlich, oft sachte im Verzweifeln begriffen. Ihre Analyse der Gegenwart ist doppelt und dreifach, besteht im persönlichen Text ihrer Essays ebenso wie im überbordenden, märchenhaften, experimentellen Format ihrer Bücher. Im aktuellen Roman „Michaela Kohlhaas“ etwa lässt sie die Titelfigur mit ihrer ganzen Körperlichkeit und ihrem Sprachvermögen gegen die brüchige Solidarität und die Kapitalisierung der Gesellschaft in einen so noch nicht erdachten Kampf ziehen. Heike Geißler schaut mit dem Blick einer politischen Philosophin auf die Welt. Ihre Texte sind erkenntnisreich, virtuos in der Sprache und haben letztlich auch etwas Tröstliches. Den Sächsischen Literaturpreis 2026 kennt die Jury einer Autorin für ihr über zwanzigjähriges Schaffen zu, Jahre, in denen sich Heike Geißler den Status einer der interessantesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur erschrieben hat.“
Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch gratuliert mit den Worten: „Ich gratuliere Heike Geißler herzlich zum Sächsischen Literaturpreis 2026. Wir zeichnen eine Autorin aus, die unseren Alltag und die moderne Gesellschaft mit großer Präzision analysiert. Ihre Texte übersetzen komplexe Beobachtungen und gesellschaftliche Widersprüche in eine klare und bisweilen humorvolle literarische Form. Dabei regt sie ihr Publikum zum Nachdenken an und lädt es ein, gemeinsam nach Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu suchen.
Ein zentrales Motiv ihres Schaffens ist das Thema Arbeit. Heike Geißler beleuchtet dabei sowohl die Realität prekärer Beschäftigungsverhältnisse als auch den intellektuellen Prozess der Erkenntnisgewinnung. Sie gehört heute zu den wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, deren Strahlkraft weit über die Grenzen Sachsens hinausreicht. Der Sächsische Literaturpreis ist ein Bekenntnis zu unserem Freistaat als
traditionsreiches Literaturland. Er rückt nicht nur die herausragende Qualität einzelner Autorinnen und Autoren in das Licht der Öffentlichkeit, sondern verdeutlicht auch die beeindruckende Vielfalt und Fülle der sächsischen Literaturlandschaft.“
Heike Geißler wurde 1977 in Riesa geboren. Sie studierte Amerikanistik, Politik und Geographie in Dresden sowie Hispanistik und Literaturwissenschaften in Halle an der Saale. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen bisher zählen unter anderem Stipendien des LCB und des DAAD, ein Aufenthalt in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, der Förderpreis zum Lessingpreis des Freistaates Sachsen, der Klopstock-Preis für neue Literatur, der Heinrich-Böll-Preis und der Bayerische Buchpreis. Heike Geißler lebt mit ihrer Familie in Leipzig.
Der Preis ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden, das das Sächsische Kulturministerium zur Verfügung stellt. Die Preisverleihung findet im Herbst in Leipzig statt.
Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Sächsischen Literaturpreises waren Angela Krauß (2024), Lukas Rietzschel (2022), Daniela Krien (2020), Róža Domašcyna (2018), Franziska Gerstenberg (2016), Jan Kuhlbrodt (2014) und Andreas Altmann (2012).
Die Preisverleihung findet am 15.Oktober in der Leipziger Stadtbibliothek statt.







