Für ihren Debütroman Blutorangen (Aufbau Verlag) erhält Verena Boos den mit 15.000 Euro dotierten Mara-Cassens-Preis für den ersten Roman des Literaturhauses Hamburg. Die Auszeichnung wird seit 1970 verliehen und ist der höchstdotierte Preis für einen deutschsprachigen Debütroman.
Die Intention der im August 2015 verstorbenen Stifterin Mara Cassens war es, mit dem Preis Autorinnen und Autoren zu ermöglichen, »sich für eine gewisse Zeit ganz dem Schreiben zu widmen«. Im Gedenken an Mara Cassens und ihr Wirken für die Literatur wird die Mara und Holger Cassens Stiftung den Preis weiterhin jährlich stiften. Preisträger der letzten Jahre sind Andreas Martin Widmann (2012), Sarah Stricker (2013) und Regina Scheer (2014).
Die ehrenamtliche Jury besteht aus 15 Mitgliedern des Literaturhaus e.V., die sich als engagierte Literaturliebhaber in ihrer Freizeit den Romandebüts widmen. 2015 reichten 46 Verlage 68 Debütromane ein. Viele der eingereichten Romane beurteilte die Jury als „hervorragend“, darunter Die Glücklichen von Kristine Bilkau, Karin Kalisas Sungs Laden sowie Das grenzenlose Und von Sandra Weihs.
In der Jurybegründung für Blutorangen heißt es: „Souverän komponiert, historisch detailliert und mit großem Nachhall macht sich Verena Boos an die Aufarbeitung einer kaum bekannten Episode des 20. Jahrhunderts, der Kollaboration des Franco-Regimes mit der Hitler-Diktatur. Dabei spürt man die fundierte Herangehensweise der Historikerin ebenso wie die erzählerische Kraft der Schriftstellerin. Verena Boos schafft lebendige Figuren, die verstehen wollen und wegen ihrer drängenden Suche nach Wahrheit lange im Gedächtnis bleiben. Der Roman differenziert zwischen Schuld und Schuldigkeit und öffnet damit Türen, die in Spanien über Jahrzehnte durch einen Pakt des Schweigens versiegelt waren. Dieser Roman ist große Erzählkunst und wirkt weit über das aktuelle Tagesgeschehen hinaus.“
Verena Boos wurde 1977 in Rottweil geboren und lebt in Frankfurt/Main. Sie studierte Anglistik und Soziologie in Konstanz und Glasgow und promovierte in Florenz über regionale Identitäten in Schottland und Katalonien. Sie lebte viele Jahre im Ausland, u. a. in Italien, Großbritannien und Spanien und arbeitet heute als Journalistin, Referentin und Autorin. Verena Boos nahm am Klagenfurter Literaturkurs und der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung teil. Sie wurde für die Bayerische Akademie des Schreibens ausgewählt und las beim „Open Mike“.
Die feierliche Preisverleihung findet am 7. Januar 2016 um 19.30 Uhr im Literaturhaus statt. Die Laudatio hält der Literaturkritiker Ruthard Stäblein. Der Kulturstaatsrat
Dr. Horst-Michael Pelikahn spricht ein Grußwort.







