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Hermann Herder

Hermann Herder

Dass Hermann Herder seinen 80. Geburtstag nicht in Deutschland, sondern in Wien feierte, zeigte den internationalen Geist des großen Verlegers und der Familie, die das Verlagshaus Herder durch die über 200-jährige Geschichte gesteuert hat – und bis heute leitet. Am letzten Samstag, den 12. November ist der Verleger in fünfter Generation im Alter von 85 Jahren nun gestorben.

Bereits sein voller Vorname kündigt von dem weiten Denken der Familie, die mit ihren Buchhandlungen auch hohe Standards in der Buchhändlerausbildung (nicht nur) im religiösen Sortiment gesetzt hat. Hermann Josef Romano Herder ist am 19. Januar 1926 in Rom geboren. Dieser Stadt, Mittelpunkt der katholischen Welt, aber auch des humanistischen Kosmos der Antike, fühlte er sich tief verbunden. Aber auch der spanische und englische Sprachraum waren früh im Blick dieses Kosmopoliten.

Hermann Herder wuchs in Freiburg auf. Nach dem Jurastudium wurde er 1952 mit einer Arbeit über Urheberrecht in spanischsprachigen Ländern promoviert. Nach Auslandsaufenthalten trat er 1957 in den Freiburger Verlag ein, 1963 übernahm er die Gesamtverantwortung. Hermann Herder heiratete 1960 Mechtild Horten, gemeinsam haben sie vier Kinder.

Als er am 1. Januar 1963 die Gesamtleitung des Verlags Herder in fünfter Verlegergeneration übernahm, war die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils noch nicht lange beendet. Im Jahr darauf führte er die Konzilsväter durch eine Buchausstellung im Schatten des Petersdoms, die dokumentierte, wie sehr Herder Vorbereiter dieses geistigen Aufbruchs war.

Es blieb eines der wichtigsten Anliegen des Verlegers, in Zeiten großer Umbrüche in Gesellschaft und Kirche, den Weg des Dialogs konsequent fortzuführen. Der Universalverlag katholischer Prägung blieb der weltweit bedeutendste Verlag für Theologie und Religion und wurde unter seiner Leitung ein geistig weitausgreifendes Unternehmen. Hermann Herder setzte im Gespräch mit den Wissenschaften und im wachen Gespür für die neue Rolle der Religion in einer sich globalisierenden Welt verlegerische Akzente. Sie fanden in großen Enzyklopädien, wissenschaftlichen Publikationen und erfolgreichen Sachbüchern ihren Niederschlag. Zwischen Tradition und Erneuerung immer neu zu vermitteln, Positionen miteinander in Beziehung zu setzen, benannte er in seinem autobiographischen Buch „Fährmann zwischen den Ufern“ (2006) als verlegerische Aufgabe.

Als Verleger war Hermann Herder zwischen 1965 und 1968 ehrenamtlich im Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels aktiv. Er erhielt zahlreiche staatliche, päpstliche und akademische Auszeichnungen. Das von ihm gestaltete Haus war Ausgangspunkt für viele Karrieren in der Branche. Das Haus hat einen internationalen Geist in die Branche gebracht. Hermann Herder führte den Verlag bis 1999, dann übergab er die Leitung des Freiburger Unternehmens seinem Sohn Manuel Herder. Die Verlage Crossroad (New York) und Herder Editorial (Barcelona) werden von seinen Kindern Dr. Gwendolin Herder beziehungsweise Dr. Raimund Herder geleitet.

Der Verlag Herder trauert um seinen Seniorchef, der nach kurzer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie verstorben ist. Die Beerdigung wird am Freitag stattfinden. Wir sind bei Ihnen.

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