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Egon Ammann: Ausstieg von längerer Hand vorbereitet

Es war gestern DIE Nachricht des Tages: Überraschend kündigte Egon Ammann an, seinen Verlag nach fast 30 Jahren und rund 1000 Titeln schließen zu wollen [mehr…].

buchmarkt.de hat den Verleger erst heute ans Telefon bekommen – gestern gaben sich in der Schweiz bei Ammann die Kamerateams die Klinke in die Hand.

Egon Ammann

buchmarkt.de: Als wir zur Leipziger Messe miteinander sprachen, planten Sie noch große Dinge, wie z.B. {Ammanns kleine Bibliothek, ein „Best-of“ aus 30 Jahren Verlagsgeschichte (BuchMarkt 5/2009, S. 10)… Da kommt mir die Ankündigung jetzt ein wenig abrupt…}

Egon Ammann: Die Ankündigung mag für die Branche überraschend gekommen sein, aber vorbereitet wurde das alles von längerer Hand.

buchmarkt.de: Wie habe ich mir das vorzustellen?

Egon Ammann: Ich habe in den letzten Monaten den Markt sehr intensiv beobachtet. Und mir ist klargeworden, dass ich mich auf all die neuen Technologien im Internet, die heute nötig sind, um einen Verlag erfolgreich am Markt zu halten, nicht mehr einlassen möchte. Und dabei habe ich festgestellt, dass wir im Verlag genau an dieser Stelle Defizite haben, um richtig auf dieser neuen Klaviatur zu spielen.

buchmarkt.de: Hätte man das alles nicht einem Nachfolger überlassen können?

Egon Ammann: Wir haben es versucht, aber es hat nicht funktioniert. Also habe ich beschlossen, rechtzeitig bekanntzugeben, dass der Verlag geschlossen wird, um in aller Ruhe mit anderen Verlagen zu reden, wie es mit den Autoren weitergeht.

buchmarkt.de: Gutes Stichwort…

Egon Ammann: Gestern habe ich in Zürich mit den schweizer Autoren geredet, und heute erwischen Sie mich auf dem Sprung nach Berlin, um mit den deutschen Autoren die Situation zu beraten. Sicher besitzen wir interessante Rechte auch für andere Verlage. Aber das wird jetzt in aller Ruhe geklärt – im Sinne der Autoren; da wird keiner irgendwohin „verkauft“, wo er nicht sein möchte. Und wir bemühen uns natürlich auch, für unsere Mitarbeiter neue Arbeitsplätze zu finden.

buchmarkt.de: Und Ammanns kleine Bibliothek, für die Sie ja bereits beträchtliches an Vorarbeiten investiert haben?

Egon Ammann: Ich kann mir natürlich vorstellen, dass diese Best-of-Bibliothek aus 30 Jahren Ammann in einem anderen Verlag weitergeführt wird. Da habe ich jederzeit ein offenes Ohr. Aber natürlich ist bei dieser Bibliothek auch entscheidend, wie sich die Rechtslage entwickelt.

buchmarkt.de: Und was tut Egon Ammann ab Juni 2010? Gemäß der alten Wahrheit, dass die Katze das Mausen nicht lässt, wette ich, dass im Herbst 2010 irgendwo ein Band erscheint, auf dem draufsteht: „Herausgegeben von Egon Ammann“.

Egon Ammann: Das ist alles völlig offen. Ich werde es genießen, in Ruhe und ohne Druck zu lesen. – Die Wette übrigens: Die nehme ich an…

Die Fragen stellte Ulrich Faure.

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