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„DEN wissenschaftlichen Buchhandel gibt es gar nicht mehr“: AWS-Vorsitzender Heinrich Riethmüller reagiert auf den offenen Brief von Albert Daming

Nachdem BuchMarkt-Online gestern den offenen Brief von Albert Daming an den AWS-Vorstand publiziert hatte [mehr…], den Daming heute im Interview noch einmal kommentierte [mehr…], hatten wir Heinrich Riethmüller, AWS-Vorsitzender, um eine Stellungnahme gebeten.
Diese liegt uns jetzt vor und wird an dieser Stelle im Wortlaut dokumentiert:

Offensichtlich haben manche die Veränderungen, die in den letzten zehnJahren im deutschen Buchmarkt stattgefunden haben, nicht wahrgenommen. DEN wissenschaftlichen Buchhandel gibt es gar nicht mehr, kaum eineBuchhandlung hat heute noch Monografien am Lager, und der wissenschaftliche Diskurs findet immer mehr in Zeitschriften oder online-Plattformen statt. Dies spiegelt sich auch in der Mitgliederstruktur der AWS wider, die sich in drei Gruppen aufteilen lässt: Einmal die Buchhandlungen der juristischen Fachverlage (Schweitzer Sortiment, Heymanns-Gruppe, Otto-Schmidt), dann große allgemeine Sortimentsbuchhandlungen mit mehr oder weniger starken Fachbuchabteilungen wie Thalia, Graff, Löffler, Weiland, Weinert u.a. und zuletzt eine Anzahl kleinerer Buchhandlungen und Fachbuchhandlungen, die von den Strukturveränderungen des Buchmarkts besonders betroffen sind. Überregionale, internationale Bibliothekslieferanten haben den Großteil des Zeitschriftengeschäfts an sich gezogen, Internet und Online-Angebote verschärfen die Konkurrenzsituation. Sollte als Kriterium für eine Mitgliedschaft in der AWS tatsächlich 51% Umsatzanteil „an rein wissenschftlichen und technischen Titeln“ gelten, bestünde die AWS nicht mehr. Aus diesem Grund hat sich die AWS schon vor Jahren Leitlinien gegeben, die die Grundlage für funktionierendenBuchhandel und Fachbuchhandel garantieren, nämlich die Durchsetzung der Preisbindung, die fachspezifische Fortbildung, die Marktbeobachtung undKommunikation zwischen Fachverlagen, Grossisten und Buchhändlern. Es gibt wenige Treffen des Deutschen Buchhandels, die ein größeres Interesse wecken als die jährlichen Arbeitstagungen der AWS, zu der jedes Jahr beinahe der Hälfte der Mitglieder kommen (der Börsenverein oder die Landesverbände wären froh, wenn zu ihren Tagungen wenigstens 10% der Mitglieder kämen) und zahlreiche Persönlichkeiten aus Verlagen und Zwischenbuchhandel. Natürlich muss sich jeder Verein seine Existenzberechtigung immer auf neue stellen, dazu sind dann die Diskussonen in denMitgliederversammlungen und während der Arbeitstagungen hilfreich – ichfreue mich schon auf eine abwechslungsreiche und anregende Jahrestagung Anfang Mai in Augsburg, zu der ich alle Mitglieder und Interessierte aus Verlagen und dem Zwischenbuchhandel einlade.

Heinrich Riethmüller, Vorsitzender der AWS

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