Über Erfahrungen von Autoren (und Kunden) mit Buchhandlungen (und der Vertriebsarbeit von Verlagen) hört man leider wenig. Darum hier eine lustige Geschichte, die Robin Vidimos jetzt in der Denver Postberichtet hat. Für Deutschland ist sie ausserdem insofern interessant, als sie von Diana Gabaldon handelt. Deren historische aus dem schottischen Hochland auch hier zu Lande Millionen Leser(innen) gefunden haben – ihr Roman Das Flammenschwert brachte es sogar auf Platz Eins der „Spiegel“-Bestsellerliste für Hardcover-Belletristik.
Diana Gabaldons jüngster Roman Lord John and the Private Matter – er hatte im Juni vergangenen Jahres unter dem Titel Das Meer der Lügen bei Blanvalet Weltpremiere in Deutschland ! – ist, wenngleich ebenfalls im Schottland des 18- Jahrhunderts angesiedelt, ein echter Krimi. Sie war darum entsetzt, als sie ihn während einer Lese- und Pressereise in Denver bei der dortigen Fililale von Barnes & Noble in der Abteilung „Romances“ einsortiert fand – unter „Liebesromane“ also.
„Wie ich sehe, stehen hier von jedem meiner Titel mindestens zwei Exemplare“, sagte Diana Gabaldon daraufhin zur Filialleiterin. „Ich mache Ihnen ein Angebot. Wenn Sie die Hälfte dieser Bücher in der regulären Belletristik platzieren, signiere ich Ihnen sämtliche Exemplare Ihres Lagerbestandes.“
„O nein, so etwas ist unmöglich“, antwortete die Sortimenterin. „Die Klassifizierung der Titel geschieht auf Anweisung der Zentrale. Wir dürfen hier nichts umstellen.“
Daraufhin rief Diana Gabaldon die Barnes & Noble-Zentrale an, wo ihr die Presse-Sprecherin das Procedere erläuterte. Die Buchhandelskette – mit 600 Filialen die grösste des Landes – „kategorisiert“ alle Autoren in Abstimmung mit den Vertriebsabteilung der Verlage. Und weil Diana Gabaldons Debüt 1991 als bester „Romance“-Roman des Jahres ausgezeichnet und erfolgreich wurde, gelten seither eben all ihre Werke als Liebesromane.
„Wenn ein Autor“, so die Pressesprecherin, „einmal etabliert ist, führen wir ihn in der Regel weiterhin in der anfänglichen Kategorie, damit seine Fans die Bücher finden.“
Alles klar?
Für Diana Gabaldon keineswegs. Sie führt den Erfolg ihrer Roman grossteils auf Mundpropaganda zurück. Sie ist ganz offensichtlich mit ihren Lesern in Kontakt, glaubt zu wissen, dass viele sich ungern in diese Abteilung der Buchhandlungen begeben und hält die „romance“-Klassifizierung ihrer Titel für „völlig unangemessen, zumal sie die männliche Hälfte meiner Leserschaft abstösst“.
Natürlich, bei uns gibt es keine Warengruppenkategorie wie „Liebesromane“. Bei uns stehen ihre spannenden historischen Romane schlicht unter „Belletristik“. Doch scheinen hier zu Lande viele Unterhaltungsprogramme jedenfalls zu deutlich auf ein weibliches Lesepublikum ausgerichtet zu sein.
In meiner Kolumne vom 25. August 2003 hatte ich – auf Grund von britischen Erhebungen über das unterschiedliche Kauf- und Leseverhalten von Männern und Frauen – mir bezüglich der in deutschen Verlagsprogrammen stark zunehmenden Frequenz von Krimi-AutorInnen bereits einmal die Fragen erlaubt – ob nicht viele Männer Romane von Crime Ladies meiden; ob Programmmacher und Marketingleute die Crime Ladies möglicherweise nicht überbewerten, weil sie vielleicht von den vielen Sortimenterinnen bevorzugt werden; und ob damit die männliche Leserschaft eventuell nicht unterversorgt bleibe?
M.J. Bock – meines Wissens ein branchenfremder Emailer – empfand damals meine „Stellungnahme zu diesem Thema … so wichtig wie der besagte Kropf“. Rita Berle von der Bücherstube Peissberg dagegen antwortete auf diese drei Fragen mit einem emphatischen „Jaaa“.
Generell hält ausserdem im allgemeinen Sachbuch die Aufgliederung nach Fach- und Spezialkategorien Buchkäufer und Leser von Titeln fern, die sie eigentlich interessieren würden. Vielleicht sollten Verlage und Buchhändler ja weniger in den eigenen, administrativ leicht handhabbaren Klassifizierungskategorien denken und mehr darauf hören, welch oft vielschichtige Leserschaft die Autoren ansprechen, und sich mehr mit Kunden in Fleisch und Blut beschäftigen. Für sie werden die Bücher schliesslich geschrieben. Und wenn sie erreicht werden, gibt es auch mehr Kundenzufriedenheit – und Umsatz.
Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.