Markt & Marketing Lesen lernen mit KI: Ein eigenes Gerät für eine wachsende Bildungslücke

(Foto: Clelo)

Die Kinderzimmer Deutschlands werden zunehmend digital wie nicht nur die Siegeszüge von TipToi, Tonies und Tigerbox die vergangenen Jahre zeigten und weiterhin zeigen. Auch neue Produkte wie der Projektor bima von Oetinger kommen hinzu, einen Überblick verschafft ggf. auch der Tommi-Wettbewerb für Kindermedien.

Für die Leseförderung nutzen will das neue Unternehmen Clelo die Digitalität und hat dazu ein Leselerngerät entwickelt, das u.a. auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. Mit Clelo können Kinder auch ohne Eltern oder Lehrer:innen lesen üben. Wir haben mit dem Gründer Dr. Herbert Endres darüber gesprochen.

BuchMarkt: Herr Endres, wie kamen Sie auf die Idee, ein eigenes Leselern-Gerät zu entwickeln?

Dr. Herbert Endres: Der Auslöser war persönlich: Mein Kind hatte Schwierigkeiten beim Lesenlernen, und als ich das Gespräch mit der Lehrerin suchte, sagte sie mir sinngemäß: „Ich kann nicht jedem Kind das Lesen beibringen.“ Das war für mich ein Schock. Ich dachte immer, das passiert automatisch in der Schule. Also habe ich bei der Stiftung Lesen nachgefragt. Dort wurde mir bestätigt, dass es sich um ein massives gesellschaftliches Problem handelt: Jedes vierte Kind verlässt die Grundschule ohne ausreichende Lesekompetenz – und das betrifft längst nicht mehr nur bildungsferne Haushalte.

Wie soll und kann Clelo hier helfen?

Unser Gerät basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Drei-Phasen-Modell:

  1. Zuhören – Kinder hören eine Geschichte, um das Sprachgefühl zu entwickeln.
  2. Mitlesen – Der Text wird synchron mit dem Audio markiert, um die visuelle und auditive Wahrnehmung zu verknüpfen.
  3. Lesefeedback – Das Kind liest selbst laut vor, das Gerät analysiert per KI die Aussprache und markiert korrekt Gelesenes grün. Fehlerhafte Stellen bleiben schwarz und können erneut gelesen werden.

Das Entscheidende: Kinder können sich dadurch selbst kontrollieren und verbessern – auch ohne ständige Hilfe von Eltern oder Lehrkräften.

Warum ein eigenes Gerät – wäre eine Lösung für Smartphone oder PC nicht einfacher?

Diese Frage bekommen wir oft. Aber Studien – auch von der Stiftung Lesen – zeigen: Allein die Möglichkeit, dass auf einem Tablet oder Smartphone auch Spiele oder Nachrichten verfügbar sind, lenkt Kinder unterbewusst ab. Selbst ein Handy in der Hosentasche kann die Konzentration stören. Wir wollten ein Gerät, das sich rein auf das Lesen konzentriert. Keine Videos, keine Spiele – nur Bücher und Leseförderung. Robust, haptisch für Kinderhände gemacht und bewusst analog-digital reduziert. Damit es auch Spaß macht haben wir kleine Animationen und Geräusche integriert – dezent, aber motivierend. Bücher sollen lebendig werden, ohne zu überreizen. Auf der Buchmesse war das Feedback überwältigend: Kinder, die eigentlich nichts mit Büchern anfangen konnten, wollten plötzlich nicht mehr aufhören, zu lesen.

Wo wird das Gerät erhältlich sein?

Wir starten ab November mit dem Verkauf – sowohl an Privatpersonen als auch an Schulen und Kitas. Der Preis liegt bei 279 Euro. Einige Schulen nutzen bereits Förderprogramme wie „Startchancen“, um Klassensätze zu beschaffen. Außerdem starten wir mit ersten Buchhandlungen wie Pustet in Regensburg, um den Handel einzubinden. Auch Thalia hat Interesse bekundet. Interessant für Buchhandlungen ist Clelo auch durch unsere Clelo BookCards. Das sind kleine Karten mit einem Code, der neue Bücher auf dem Gerät freischaltet. Sie kosten zwischen 4,99 und 9,99 Euro, ein attraktives Zusatzprodukt für den Handel, das neben das Buch gelegt werden kann. Ziel ist, dass zum digitalen Inhalt auch das gedruckte Buch verkauft wird. So schaffen wir neue Zugänge zur Welt der Bücher gerade für Kinder, die bisher keinen Draht dazu hatten.

Die Fragen stellte Hanna Schönberg

Kommentare (2)
  1. Toller Beitrag! Wir haben CLELO auch auf der Frankfurter Buchmesse gesehen und waren begeistert, das ist eine echte Revolution des Lesenlernens.

  2. Ein tolles Gerät, das hoffentlich viele Kinder zum Lesen animieren wird. Wünsche allen viel Erfolg dabei!
    Und ich werde es gerne zu Weihnachten verschenken.

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